Bombennacht

Mit nassen Decken gegen die Hitze

Fritz Zorn hat nach der Bombennacht die Schäden in der Mülheimer Innenstadt fotografiert, hier ein Blick auf die Auerstraße/Ecke Löhberg.

Fritz Zorn hat nach der Bombennacht die Schäden in der Mülheimer Innenstadt fotografiert, hier ein Blick auf die Auerstraße/Ecke Löhberg.

Foto: WAZ FotoPool

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Mülheim an der Ruhr.In der Nacht zum 23. Juni 1943 zerstörte ein alliierter Luftangriff in nur 90 Minuten das Zentrum von Mülheim, riss über 500 Menschen in den Tod. Die WAZ hat Zeitzeugen aufgerufen, sich zu erinnern. Hier einige Auszüge:

Der Himmel leuchtete glutrot

Die schlimme Bombennacht habe ich noch sehr gut im Gedächtnis. Zu der Zeit war ich zehn Jahre alt und wohnte in Broich. Dass etwas Schlimmes passierte, merkten wir an den Erschütterungen, die ich mit meiner Familie im Luftschutzkeller wahrnahm. Aus unserem normalen Keller konnten wir Richtung Stadt schauen und sahen, dass der Himmel glutrot leuchtete. Ein Onkel mit zwei kleinen Söhnen (1 und 2) wohnte in der Stadtmitte: Die Angst war groß, dass ihnen etwas zugestoßen sein könnte.

Sobald es dämmerte, brach mein Vater mit einem selbst angefertigten Handwagen auf, um möglichst schnell in die Stadt zu kommen; ich durfte mit. Wir sahen Feuerwehrwagen aus vielen benachbarten Städten. Die meisten allerdings waren nicht im Einsatz, da nicht genug Wasser zum Löschen vorhanden war. An der total ausgebrannten Wohnung angekommen, suchten wir die Familie. Sie hatte sich durch Schleusen in benachbarte Keller gerettet – in nasse Decken gehüllt, geschützt vor der enormen Hitze, die überall herrschte.

Dieses Schauspiel der noch brennenden Häuser hat bei mir einen schlimmen Eindruck hinterlassen. Ich stand vor dem Haus an der früheren Hindenburgstraße gegenüber der evangelischen Paulikirche und sah, wie eines der vier Türmchen am Hauptturm anfing zu brennen. Schnell hatte sich das Feuer auf den gesamten Turm ausgebreitet, der kurze Zeit darauf total brennend herabstürzte.

Die Hauptsache aber war, dass alle noch lebten.

Ziel war die Demoralisierung

Ich habe den Bombenangriff als Zwölfjähriger in meinem Elternhaus im Horbachweg erlebt. Unser Haus blieb bis auf einige Dach-, Putz- und Glasschäden verschont, mehrere Häuser in der Nachbarschaft wurden zerstört oder brannten aus. Das Haus meiner Großmutter im Eichenberg war wegen eines Brandbomben-Blindgängers einige Zeit unbewohnbar. In der gleichen Straße starben zwei gleichaltrige Freunde durch Volltreffer. Selbst wenn man berücksichtigt, dass Bombenangriffe im Zweiten Weltkrieg nicht mit der Präzision moderner Vernichtungswaffen geführt wurden, kann man getrost davon ausgehen, dass das Ziel des obigen Angriffs nicht nur die Zerstörung von Industrieanlagen entlang der Ruhr und des Flughafens war, sondern dass es ein Flächenbombardement war, mit dem die Bevölkerung demoralisiert werden sollte.

Alle Zeitzeugenberichte über die Bombennacht vom 22. auf den 23. Juni 1943 finden Sie auf unserer Serienseite "Das ist Mülheim"

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