Gesichter des Jahres

Melanie Wolters Initiative rettete die Platanen-Allee

Melanie Wolters an einem der Alleebäume an der Leineweberstraße. Die 41-Jährige hat mit ihrer Initiative zum Erhalt der Bäume beigetragen.

Melanie Wolters an einem der Alleebäume an der Leineweberstraße. Die 41-Jährige hat mit ihrer Initiative zum Erhalt der Bäume beigetragen.

Foto: Jörg Schimmel

Mülheim.   Melanie Wolters von der Baumwatch-Gruppe hat 2017 eine Online-Petition zum Erhalt der Allee an der Leineweberstraße gestartet. Mit Erfolg.

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Melanie Wolters ist das Gesicht hinter einer Initiative, die Mülheims Politik im Jahr 2017 in eine andere Richtung bewegt hat. Die 41-Jährige hat eine Online-Petition zum Erhalt der Alleebäume an der Leineweberstraße gestartet – und hat mit ihrer Mülheimer Baumwatch-Gruppe durchschlagenden Erfolg gehabt. Die Allee bleibt erhalten – und wird noch erweitert.

4513 Unterstützer für die Platanenallee

Der 22. April war es, da startete die Online-Petition zur Rettung der Innenstadt-Allee. Bis Ende September fanden sich 4513 Unterstützer für die Forderung, die 41 Platanen zu erhalten. Darunter 3548 Mülheimer. Schon vor den Sommerferien 2017 reagierte die Kommunalpolitik. Auch angesichts des Vetos des Naturschutzbeirates beschloss sie mehrheitlich, die ursprünglichen Pläne zum Umbau der Straße überarbeiten zu lassen. Nun soll nur noch ein Baum inmitten der Kaiserplatz-Kreuzung fallen, die Allee wird gar noch auf den Dickswall ausgedehnt.

Die Petition war die erste Aktion, mit der die seit 2012 bestehende Mülheimer Baumwatch-Gruppe in die breite Öffentlichkeit gegangen ist. „Bei uns war damals Land unter“, erinnert sich Melanie Wolters an die Zeit, als die Petition online ging. Mit ihrem Laptop hat sie am Küchentisch gesessen oder auf der Couch, ihr Mann kümmerte sich derweil um den einjährigen Sohnemann. „Das ist ja verrückt, das ist doch alles schon beschlossene Sache“, waren erste Reaktionen auf die Initiative.

Stadtbäume liegen ihr am Herzen

Für Melanie Wolters war der Zeitpunkt gekommen, sich im konkreten Fall zu engagieren. Stadtbäume liegen ihr am Herzen, weil sie, „wenn man seinen Augen traut, immer häufiger verschwinden“. Wolters selbst lebt in der Papenbusch-Siedlung, dort sei auch viel vom alten Baumbestand vernichtet. Es sei wichtig, auf Stadtverwaltung und Politik einzuwirken, damit stadtökologische Aspekte in der Stadtplanung nicht zu kurz kämen, der „schleichende Grünverlust“ gestoppt werde.

Mülheims Baumwatch-Gruppe, die Wolters mitbegründet hat, versteht sich als Plattform, die die Bürgergesellschaft zusammenbringt, damit eben solche Themen diskutiert und Änderungen angestoßen werden. Bislang sei die Gruppe weniger öffentlichkeitswirksam unterwegs gewesen, sagt die 41-Jährige. Sie hat das Horbachtal vom Müll befreit, im öffentlichen Raum Obstbäume gepflanzt. Sie stößt sich aber auch daran, dass trotz der Feinstab-Belastungen nördlich der A40 kleine Wälder gerodet werden oder der Stadtrat jüngst beschlossen hat, im Bereich der Baumschutzsatzung zu sparen.

Viel Rückhalt aus der Bevölkerung

Die erfolgreiche Allee-Initiative bestätigt Wolters in ihrem Tun: „Der Rückhalt aus der Bevölkerung, den wir erfahren haben, stärkt uns und ist Ansporn weiterzumachen.“ Umwelt- und Naturschutz gehe mit Menschenschutz einher. „Wenn man an diesen Werten sägt, ist das ein paradoxes Treiben“, sagt die Frau, die am Uhlenhorst aufwuchs und ihr Umweltbewusstsein ihrem konsumkritischen, naturverbundenen Vater zuschreibt.

Wolters setzt auf die Bürgergesellschaft. Dass Bürger sich mehr einmischen, „um Grenzen klarzumachen und zu wahren“. Dass ein offener Diskurs, eine ernst gemeinte Beteiligung an Stadtplanung zur Selbstverständlichkeit wird. Wolters hat Kommunikationswissenschaften studiert. In Essen, wo ganzheitlich gelehrt werde, mit dem Menschen als zentralem Akteur. „Das spricht mich an“, sagt die junge Mutter: „Dass die Zukunft ungeschrieben ist. Indem wir kommunizieren, bilden wir unsere Zukunft aus. Es sind immer menschliche Beiträge, die es weitergestalten.“

<<< GRUPPE IST OFFEN FÜR NEUE MITSTREITER

Die Baumwatch-Gruppe versteht sich als offenes, ehrenamtliches Netzwerk. Neue Mitstreiter seien stets willkommen, sagt Melanie Wolters. „Ich kann nur jeden bestärken, der bei uns mitmachen will: Man lernt viel und kann viel bewirken.“

Aktuell steckt unter anderem ein Projekt für Baumpatenschaften in der Entwicklung. Es gehe darum, Bäume im öffentlichen Raum etwa bei Hitze mal zu gießen oder im privaten Bereich Bewusststein zu schaffen, „welcher Baum da eigentlich in meinem Garten steht“. Neue Arbeitsgruppen sind immer möglich.

Neben einer Facebook-Präsenz ist nun auch die Webseite baumwatch.org der Baumwatch-Gruppe geschaltet. Kontakt aufzunehmen, ist auch unter info@baumwatch.org möglich.

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