Krankenhaus-Studie

Keine Überversorgung mit zwei Mülheimer Krankenhäusern

Die Bertelsmann-Studie schlägt die Schließung von Krankenhäusern vor.

Die Bertelsmann-Studie schlägt die Schließung von Krankenhäusern vor.

Foto: Ingo Otto

Mülheim.  Nur ein Krankenhaus für 172.000 Einwohner wird nicht ausreichen, sagt der Sprecher der Ärztekammer. Er ist zugleich Hausarzt in Mülheim.

Die Bertelsmanns-Studie über Krankenhäuser in Deutschland sorgt bundesweit für Furore: Demnach wird angeregt, jede zweite Klinik zu schließen, um damit die Versorgung der Patienten zu verbessern, weil viele Häuser nicht die personellen Kapazitäten für eine Rundumversorgung hätten. Vor allem kleine Häuser mit weniger als 100 Betten stehen in der Studie in der Kritik.

Mülheim hat nur zwei Krankenhäuser, beide sind deutlich größer. Das St. Marien-Hospital (SMH) sieht sich als Akutkrankenhaus mit 367 Betten, das Evangelische Krankenhaus Mülheim (EKM) kann in seinen Fachkliniken, Zentren und Instituten über 600 Patienten stationär versorgen. Beide Häuser haben in den vergangenen Jahren viel Geld investiert und modernisiert.

Schon jetzt nutzt Mülheim Kapazitäten der Nachbarstädte

Überversorgt sieht Hausarzt Uwe Brock, der Mülheimer Kreisvorsitzender der Ärztekammer Nordrhein, Mülheim nicht. Eher im Gegenteil: Seiner Erfahrung nach gehen mehr Mülheimer Patienten in die Nachbarstädte ins Krankenhaus als umgekehrt. „Wir greifen ja jetzt schon auf die Kapazitäten der anderen Städte zurück“, sagt der niedergelassene Hausarzt. Zum Vergleich: Oberhausen hat sechs Krankenhäuser, Essen 16. Brock glaubt nicht, dass die Studie Auswirkungen auf Mülheim hat. „Nur ein Krankenhaus für 172.000 Einwohner wird nicht ausreichen“, sagt er. Zumal er den Trend zur Spezialisierung auch kritisch sieht: „Die allgemeine Versorgung muss heimatnah sein.“

Dass in Mülheim eine Überversorgung vorliegt, sei schon wegen der vorliegenden Altersstruktur der Einwohner zu bezweifeln, heißt es im EKM. „Krankenhausplanung kann nur ganz gezielt und regional erfolgen, da jede Stadt andere Gegebenheiten und andere Anforderungen hat“, sagte eine Sprecherin auf Anfrage. Die Grundversorgung sei so wichtig wie Zentren mit hoch spezialisierten Leistungen. Die Sprecherin nennt hier für das EKM die Bereiche Kardiologie, Onkologie und Chirurgie.

Das SMH gehört zur Contilia-Gruppe, die gerade im Essener Norden einen Klinik-Neubau mit 725 Betten hochzieht. Andere Häuser der Gruppe in Essen werden dafür zu medizinischen Versorgungszentren ohne stationäre Behandlung. „Es geht um eine strukturierte Weiterentwicklung und qualitätsgeführte Gestaltung der Krankenhauslandschaft“, sagt Contilia-Sprecherin Dorothee Renzel, „der Abbau von Betten und Kliniken allein ist nicht die richtige Antwort“.

Diskussion über den Abbau von Betten ist nicht neu

Nur mit einer gemeinsamen Strategie unter Einbeziehung auch ambulanter Leistungsanbieter vor Ort könne „eine qualitativ hochwertige Versorgung kranker Menschen auf lokaler Ebene langfristig sichergestellt werden“, sagt Renzel.

Die Diskussion um den Abbau von Krankenhausbetten ist Hausarzt Uwe Brock nicht neu: „Ich höre das seit 20 Jahren.“ Ein aktuelles Thema sei allerdings der Personalnotstand in den medizinischen Berufen und in der Pflege – und das bundesweit. „Das führt dazu, dass manche Häuser schon Stationen zumachen mussten.“

Mülheimer Krankenhäuser bilden selbst Personal aus

Gut ausgebildetes Personal sei das A und O, und die Pflege des medizinischen Nachwuchses überlebenswichtig. „Nur wer ausbildet, wird in Zukunft auch genug Personal bekommen“, sagt Brock.

Auch hier ist man in Mülheim aktiv: Das EKM, das zur Ategris-Gruppe gehört, ist Lehrkrankenhaus für die Universität Düsseldorf und hat eine eigene Krankenpflegeschule. Hier werden 75 Ausbildungsplätze für Gesundheits- und Krankenpfleger sowie Kinderkrankenpfleger angeboten. Das SMH bildet in der eigenen Kranken- und Pflegeschule in Mülheim insgesamt 110 angehende Pflegekräfte in allen drei Ausbildungsjahren aus.

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