Kulinarische Weltreise

Mülheimerin reist für ihren Blog „Yummy Travel“ um die Welt

In jedem Land ein Kochkurs: Hier ist Jessica Niedergesäß mit landestypischen, indonesischen Spezialitäten am Strand von Bali zu sehen.

In jedem Land ein Kochkurs: Hier ist Jessica Niedergesäß mit landestypischen, indonesischen Spezialitäten am Strand von Bali zu sehen.

Foto: Jessica Niedergesäß

Mülheim.  Jessica Niedergesäß hat ihre Leidenschaft fürs Reisen, Schlemmen und Schreiben zum Beruf gemacht: Die Mülheimerin hat einen eigenen Blog.

Immer auf der Suche nach neuen kulinarischen Erfahrungen – das beschreibt die Mülheimerin Jessica Niedergesäß wohl am besten. Seit 2015 schreibt sie auf ihrem Reiseblog „Yummy Travel“ (Leckeres Reisen) über alle Köstlichkeiten, die sie rund um die Welt isst – und auch oft selbst zubereitet. An jedem Ort, den die 29-Jährige besucht, nimmt sie an einem Kochkurs mit Einheimischen teil. „So lerne ich die Menschen und das Land am besten kennen, egal ob in Thailand oder in Italien“, erzählt Niedergesäß.

Angefangen hat alles vor vier Jahren mit einem Trip nach Prag, den die Mülheimerin mit ihrem Freund plante. Dafür suchte Niedergesäß wie so oft im Internet nach Tipps für ihre Reise und las auch viele Blogs. „Da habe ich zum ersten Mal zu meinem Freund gesagt: Wenn wir zurück sind, schreibe ich selbst einen Blog.“ Gesagt, getan: Geschrieben hat Niedergesäß schon in der Schule gerne, auch fürs Reisen und Kochen begeistert sie sich. „Ich habe mit 16 Jahren angefangen, Kochbücher zu durchforsten und habe viel ausprobiert“, erzählt Niedergesäß. Die gebürtige Gladbeckerin studierte nach dem Abitur Englisch und BWL, arbeitete dann als Teamleiterin im Theater.

Website allein entwickelt

Vor fünf Jahren zog sie zu ihrem Freund nach Dümpten – und hier begann auch die Arbeit am Blog. Alles, was dazu Blog gehört, hat sich die 29-Jährige selbst beigebracht. „Mit Hilfe von Youtube und Tutorials habe ich eine Homepage entwickelt, ganz ohne Webdesigner“, erzählt Niedergesäß. Nur ein Logo ließ sie entwickeln.

Um Farbkonzeption, Suchmaschinenoptimierung und vieles mehr kümmerte sie sich selbst. „Ich bin immer schon Autodidaktin gewesen, das macht mir einfach Spaß“, sagt Niedergesäß. Zeitaufwendig sei das natürlich auch gewesen, die Mülheimerin fing mit ihrem Blog als Hobby neben ihrem Job an. „Ich dachte, den liest ohnehin niemand und so gut waren meine anfänglichen Webdesign-Versuche auch nicht“, erzählt sie schmunzelnd. „Ich brauchte Zeit, um meinen Stil zu finden.“ Aus ihrem persönlichen Reisetagebuch wurde mehr, nach einem Jahr kam die erste Kooperationsanfrage. „Ich konnte mir gar nicht vorstellen, dass ich damit Geld verdienen könnte“, so Niedergesäß.

Immer etwas Landestypisches probieren

Das sei der Moment gewesen, ab dem sie sich Gedanken machte, was sie mit ihrem Blog erreichen könnte und was eigentlich ihr kreativer Wert ist. Sie meldete ein Gewerbe an und intensivierte den Austausch mit anderen Reisebloggern. „Ich habe den Reiseblogger-Stammtisch NRW gegründet, der alle drei Monate stattfindet“, erzählt sie. Dort sind mittlerweile bis zu 150 Menschen organisiert, die sich über ihre Tätigkeit austauschen wollen.

„Jeder von uns ist in unterschiedlichen Nischen unterwegs“, sagt die Mülheimerin. „Bei mir ist der Name ,Yummy Travel’ Programm.“ Niedergesäß mag Städtetrips, unentdeckte Ecken und vor allem asiatische Länder, wo sie oft selbst den Kochlöffel schwingt.

Bei den Einheimischen in Borneo

„Ich möchte immer etwas Landestypisches und etwas Außergewöhnliches probieren“, sagt sie. Die Kultur eines Landes lerne man durchs Essen kennen. „Und es verbindet alle Menschen, gemeinsam am Tisch zu sitzen“, meint Niedergesäß.

Deswegen versucht sie stets direkt mit Einheimischen ins Gespräch zu kommen. „Sie wissen am besten, wo es Plantagen oder Farmen gibt, die ich besuchen kann oder wo die besten Restaurants und Street Food Märkte sind“, sagt die Bloggerin. Auf Borneo in Südostasien machte sie 2017 einen Kochkurs mit dem einheimischen Stamm der Iban mitten im Dschungel mit. „Eine Wahnsinnserfahrung“, schwärmt die 29-Jährige. Die sie überhaupt erst machen konnte, nachdem sie das Aufnahmeritual mit dem Stammesoberhaupt überstanden hatte. „Mein Freund und ich mussten einen ziemlich starken Reisschnaps trinken, dann durften wir in einem der Langhäuser der Iban übernachten“, erklärt Niedergesäß.

Kochkurs mitten im Dschungel

Am Flussufer wurde dann ein Barbecue zubereitet, Geschirr gab es nicht, es wurde in Bambusrohren gekocht. „Und im Dschungel zu schlafen war auch sehr besonders, viel lauter, als man es sich vorstellt“, so die Bloggerin. Sie habe sogar die wilden Orang-Utans gesehen. Kein Wunder, dass bei so viel Abenteuer der nachfolgende Bericht auf ihrem Blog bestens gelesen wurde. Häufig sind ihre Reisen eine Mischung aus Arbeit und Freizeit. Sie trägt ihre Kamera, eine Sony A6000, mit sich und arbeitet in ihren Unterkünften am Laptop an ihrem Blog. „Am meisten freut mich, dass ich so viele Rückmeldungen erhalte, Nachfragen zu Restaurants oder Märkten.

Auch auf Bali und Sri Lanka erlebte Niedergesäß sehr kreative Kochkurse. „Da die Menschen in Sri Lanka wenig Fleisch essen, sind sie einfallsreich, was die Variationen von Reis und Curry angeht.“ Dort lernte sie, wie man Pol Sambol, ein traditionelles Gericht aus Kokosnuss, das meistens als Begleitung zu Reis verwendet wird, zubereitet. „Wir haben zwei Wochen mit der Hand gegessen“ erzählt sie grinsend. Als wählerisch würde sich die 29-Jährige beim Essen nicht bezeichnen. „Ich probiere eigentlich alles mal aus, habe auch schon Insekten und Fischauge gegessen.“ Nur vor lebenden Tieren, Schnecken und Durian, der sogenannten Stinkfrucht, macht sie Halt.

Zuhause kocht sie am liebsten italienisch und asiatisch

Zuhause kocht Niedergesäß gerne italienisch und asiatisch, backt besonders gerne Brot. „Und ich versorge viele meiner Freunde mit Kräutern aus meinem Kräuterbeet.“ Was ihr wichtig ist: „Es muss nicht immer weit weg sein. Ich liebe das Ruhrgebiet und es gibt vor unserer Türe so viel zu entdecken. In Mülheim mag ich zum Beispiel die Gegend um den Wasserbahnhof sehr gerne.“

Ihre Lieblingsspeisen aus dem Pott sind deftig: „Ich bereite gerne Rouladen, Kartoffelsuppe mit Blutwurst oder Reibekuchen zu.“ Die Artikel über ihre Heimat werden auf ihrem Blog sehr gut angenommen. „Das will ich in diesem Jahr noch weiter ausbauen – und unbedingt endlich mit der Weißen Flotte fahren.“ Noch einen weiteren Traum hat sie: „Ich möchte einen kulinarischen Führer für alle Bundesländer schreiben, mit allen Spezialitäten und Besonderheiten.“

Weg in die Selbstständigkeit

Und dann gibt’s ja auch noch all die Orte außerhalb Deutschlands, die besucht werden wollen. „Der Barbecue-Pfad in North und South Carolina, Nepal und Osteuropa – diese drei Ziele stehen bei mir ganz weit oben.“

Im April macht sich Niedergesäß komplett selbstständig. „Das ist mein Ding, ich bin ein Freigeist, sehr kreativ, aber dabei auch sehr organisiert.“ Ihre Familie und ihre Freunde rieten ihr zu dem neuen Schritt. „Ich will das auf jeden Fall probieren und mache dazu im Sommer auch noch eine Weiterbildung als Social-Media-Managerin“, so die 29-Jährige.

Als Influencerin sieht sie sich nicht

Als Influencerin sieht sich die 29-Jährige übrigens nicht. „Ich beeinflusse niemanden, ich freue mich, wenn ich Menschen inspirieren kann, in ein Land zu reisen und die dortige Küche auszuprobieren oder sie hier zuhause mit neuen Kochideen bereichern kann.“

>>> Auf vielen Plattformen zu finden

Auf www.yummytravel.de schreibt Jessica Niedergesäß’ über ihre kulinarischen Abenteuer, die Seite verzeichnet etwa 30.000 monatliche Aufrufe. Auch bei Instagram (12.000 Abonnenten), bei Facebook (1500 Fans), bei Twitter (4500 Follower) und bei Pinterest (840.000 monatliche Aufrufe) ist sie zu finden.

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