Kindernotdienst

Feuerwehr Mülheim erwartet mehr Rettungseinsätze mit Kindern

Untersuchung eines Babys beim Kinderarzt: Der neue Notfallplan für Mülheim und Oberhausen ist heftig umstritten.

Untersuchung eines Babys beim Kinderarzt: Der neue Notfallplan für Mülheim und Oberhausen ist heftig umstritten.

Foto: Bernd Wüstneck / picture alliance

Mülheim.  Ab Montag leisten Mülheimer Kinderärzte nur noch Notdienst in Oberhausen. Sie haben Widerspruch eingelegt. Auch die Feuerwehr äußert Bedenken.

Ab Montag gilt der neue kinderärztliche Notdienstplan – mit der entscheidenden Änderung, dass das Evangelische Krankenhaus in Oberhausen zur zentralen Anlaufstelle für zwei Städte wird, auch für Mülheimer Familien. Die Kassenärztliche Vereinigung (KV) Nordrhein hat dies am Dienstag offiziell verkündet. Mülheimer Kinderärzte haben Widerspruch eingelegt, auch bei der Feuerwehr gibt es gegen die Neuregelung ernsthafte Bedenken.

So befürchtet Burkhard Klein, Leiter der Mülheimer Berufsfeuerwehr, dass der ohnehin stark belastete Rettungsdienst künftig noch häufiger in Anspruch genommen wird: „Ich gehe davon aus, dass Eltern in manchen Fällen nicht nach Oberhausen fahren, sondern öfter die 112 wählen, auch wenn es nicht unbedingt erforderlich wäre.“ Dies geschehe schon jetzt nicht selten.

Feuerwehr rechnet mit mehr Rettungseinsätzen

Thomas Franke, ärztlicher Leiter des Rettungsdienstes bei der Feuerwehr Mülheim, möchte den Eltern nicht einmal einen Vorwurf machen: „Wenn junge Familien beispielsweise zum ersten Mal erleben, dass ihr Kind hohes Fieber hat, sind sie

natürlich in Not.“ Ob der Rettungsdiensteinsatz tatsächlich erforderlich war, erweist sich oft erst im Nachhinein. Auch Franke erwartet, dass die Feuerwehr größeren Aufwand haben wird, wenn der Kinder-Notdienst in Mülheim wegfällt. Konsequenz aus seiner Sicht: „Wenn unsere Einsatzzahlen hochgehen, müssen wir mit den Kostenträgern, den Krankenkassen, verhandeln, damit wir die nötigen Mittel bekommen.“

Nach wie vor entschiedene Gegner der Neuregelung sind die zehn Mülheimer Kinderärzte. „Wir haben geschlossen Widerspruch eingelegt bei der KV“, erklärt Dr. Thomas Lamberti. Die KV habe darüber noch nicht entschieden, die aufschiebende Wirkung aber ausgesetzt, so dass der neue Notdienstplan ab 1. Juli greift. Falls der Widerspruch erfolglos bleibt, könnten die Mülheimer Pädiater dagegen beim Sozialgericht in Düsseldorf klagen. Aus Sicht von Lamberti wäre dies der konsequente nächste Schritt, abschießend besprochen sei es noch nicht.

Ein KV-Sprecher erklärt auf Anfrage, bislang liege erst ein Widerspruch eines Mülheimer Kinderarztes gegen die neue Diensteinteilung vor. „Aufgrund eines von uns angeordneten Sofortvollzuges der Neuerung hat dieser Widerspruch allerdings keine aufschiebende bzw. befreiende Wirkung.“

Ärztekammer kritisiert: Thema nicht ausdiskutiert

Die Kinderärzte kritisieren unter anderem, dass die Ärztekammer nicht in die Entscheidung eingebunden worden sei, sondern die KV einen Alleingang unternehme. Der Vorsitzende der Ärztekammer in Mülheim, Dr. Uwe Brock, teilt diese Meinung: „Wir bemängeln, dass die Neuregelung beschlossen wurde, ohne dass das Thema ausdiskutiert und eine einvernehmliche Lösung gefunden wurde. Es ist doch überhaupt keine Gefahr im Verzug.“

KV möchte übermäßige Belastung der Oberhausener Ärzte mindern

Die KV möchte durch die Neuorganisation die übermäßige Belastung der 14 Oberhausener Kinderärzte mindern, die am EKO vielfach auch Mülheimer Familien mitversorgen. Laut KV-Angaben war es bislang so, dass die Oberhausener im Schnitt etwa 26 Notdienste jährlich leisten mussten, ihre Mülheimer Kollegen circa 17 Dienste. Ab Juli sollen gleichmäßig etwa 15 Notdienste pro Jahr und Person auf dem Plan stehen.

Kinderklinik gewährleistet bessere Versorgung schwerwiegender Notfälle

Der Vorstand der KV Nordrhein, Dr. Frank Bergmann, nennt weitere Vorteile der täglich geöffneten zentralen Anlaufstelle. So müssten Mülheimer Eltern nicht länger nach der diensthabenden Praxis suchen. Und: Durch direkte Anbindung an die Kinderklinik „können schwerwiegende Notfälle zudem wirkungsvoll versorgt werden“, ergänzt Bergmann.

Allerdings werden die Dienstzeiten in der Oberhausener Notfallpraxis leicht reduziert: Ab Juli ist sie mittwochs, freitags, samstags und sonntags nur noch bis 20 Uhr statt bis 21 Uhr geöffnet.

Der Mülheimer Kinderarzt Thomas Lamberti bezweifelt auch vor diesem Hintergrund, dass die Neuorganisation eine Verbesserung bringt: „Weniger Stunden für mehr Patienten. Das ist Augenwischerei.“

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