Bauprojekt

Eine gesunde Mischung im Quartier

An der Schaaphausstraße wachsen die Baukörper seit Ende April in einem rasanten Tempo. Die ausführende Firma arbeitet mit vorgefertigten Teilen.

An der Schaaphausstraße wachsen die Baukörper seit Ende April in einem rasanten Tempo. Die ausführende Firma arbeitet mit vorgefertigten Teilen.

Foto: Michael Dahlke

Dümpten.   Bei den beiden Bauprojekten der SWB an der Oberheidstraße entstehen 126 meist geförderte Wohnungen. Die Resonanz auf das Angebot ist groß.

Die Zahlen sind imposant und der Stadtteil kann es gebrauchen. 29 Millionen Euro investiert die SWB in zwei große Bauprojekt in Dümpten. Dabei entstehen 126, überwiegend preisgebundene Wohnungen, wobei das gesamte Förderinstrumentarium ausgeschöpft wird, sowie 17 Eigenheime, die am „Dümpscheskarree“ an der Schaaphausstraße rund 140 Quadratmeter groß sind und sich preislich zwischen 280 000 und 330 000 Euro bewegen. Die Resonanz bei der Immobilienmesse im Mai war groß, erzählt SWB-Geschäftsführer Ulf Lennermann bei einer Baustellentour der SPD. Alle Eigenheime an der Schaaphausstraße sind reserviert, erste Notarverträge unterschrieben.

Rascher Baufortschritt

Vor Ort schreitet der Baufortschritt im rasanten Tempo voran. Erst Ende April war an der Oberheidstraße der Grundstein gelegt worden und schon wird am dritten Obergeschoss gearbeitet. Die Baufirma arbeitet mit vorgefertigten Teilen, die Wandscheiben kommen mit dem Tieflader und werden mit dem Kran an die passende Stelle gehievt. „Mit der Qualität sind wir sehr zufrieden“, sagt Lennermann. Der nötige Platz für Lagerhaltung werde so auf der Baustelle deutlich kleiner. Fertigstellung ist für das kommende Frühjahr geplant, aber vielleicht geht es ja noch schneller. Nach 15 Jahren Pause sind es die beiden ersten Neubauprojekte, die das städtische Wohnungsbauunternehmen in Angriff nimmt. Aber auch in den Bestand wird massiv investiert. Für die nächsten fünf Jahre hat der Aufsichtsrat ein Gesamtinvestitionsvolumen von 125 Millionen Euro bewilligt, so SWB-Geschäftsführer Ulf Lennermann.

Knapp einen Kilometer weiter, an der Frintropper Straße, entsteht noch ein größeres Projekt, Dümpten 23, das die SPD-Mitglieder auch zum Anlass nahmen, vor dem Hintergrund des im Frühjahr in Auftrag gegebenen Gutachtens zum Wohnungsbedarf nach bezahlbarem Wohnraum zu fragen.

Ein steigender Bedarf nach bezahlbarem Wohnraum, so vermutet Co-Geschäftsführer Andreas Timmerkamp, dürfte von Facharbeitern oder Handwerkern ausgehen, die 3500 Euro brutto verdienen, Väter zweier Kinder sind, für den Förderweg A, die eine Miete von 5,25 Euro pro Quadratmeter vorsieht zu viel verdienen, für einen Bankkredit, um sich ein Eigenheim zu finanzieren, es in der Regel aber auch nicht reiche.

Für diese Zielgruppe gibt es den Förderweg B, hier liegt die Miete mit 6,10 Euro höher. Für diese Zielgruppe sind elf Wohnungen vorgesehen. Und dann gibt es noch das Instrument der mittelbaren Förderungen. Bei diesem Instrument werden normale Mieten fällig, müssen die Sozialwohnungen aber an anderer Stelle geschaffen werden. Schließlich entstehen hier auch zwei rollstuhlgerechte Wohnung.

Die breite Palette ist aus doppeltem Grund wichtig: Einerseits ist eine solche Mischung Voraussetzung, damit ein Bauprojekt dieser Größe überhaupt wirtschaftlich darstellbar wird, andererseits ist sie zentral für eine gute Quartiersentwicklung.

„Wir wollen nicht die Fehler der 70er Jahre wiederholen und jede Monostruktur vermeiden“, betont Lennermann. Der demografische Wandel ist für die SWB eine der zentralen Herausforderungen. Lennermann versteht darunter nicht nur das Verhältnis zwischen den Generationen – so gebe es ein Easy-Living-Paket für junge Erwachsene, das bereits über 450 Mal abgefragt worden sei – aber der SWB wolle die gesamte Vielfalt der Gesellschaft ansprechen. „Alle Projekte der integrierten Quartiersentwicklung dienen dem Ziel: Identifikation, Zufriedenheit und Heimatgefühl der Bewohner nachhaltig zu stärken“, sagt er.

Wirtschaftlich war es von Vorteil, dass das Grundstück bereits Eigentum der SWB. Mit dem Abriss der Häuser mit 76 Wohnungen, deren Bewohner in andere Wohnungen umziehen, soll zum Jahresende begonnen werden. Fertigstellung 2019/2020 vorgesehen. Hilfreich ist es, dass Förderinstrumente in den vergangenen Jahren erweitert wurden, denn die Baukosten seien um gut 30 Prozent gestiegen. Sorgen bereiten der Baubranche ganz generell die steigenden Anforderungen der Energieeinsparverordnung, deren Standards zu hoch sind, ohne dass es für die Umwelt tatsächlich etwas bringe.

<<<<<<<Klimaschutz und Sanierung im Quartier

An der Frintropper Straße ist die SWB schon seit einigen Jahren mit der Bestandssanierung beschäftigt. Seit 2013 wurden hier fünf Mehrfamilienhäuser kernsaniert. So entstanden dort acht Familienwohnungen im Maisonette-Stil mit eigenem Garten sowie 24 überwiegend für Senioren geeignete Wohnungen. Ende 2017 soll die Sanierung hier abgeschlossen sein. Für die Nachbarhäuser war nach einer Prüfung klar: Sanierung geht nicht, nur Neubau.

Klimaschutz ist für die SWB wichtig. Durch energetische Sanierungen, die seit 2001 kontinuierlich umgesetzt wurden, können nun jährlich 144 000 Tonnen C02 gespart werden, zieht Lennermann den Vergleich zu einem VW Golf, der pro Jahr 15 000 Kilometer rollt. Die eingesparte Menge entspricht dem, was 87 000 Wagen in die Luft pusten. SWB hat einen Bestand von 8479 Wohnungen, die Durchschnittsmiete beträgt 5,41 Euro. 96 Beschäftigte arbeiten dort.

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