Mölmsche Woche

Durchatmen und fair miteinander umgehen

 

 

Mülheim.  Ende des Schienenersatzverkehrs und Ende der Ermittlungen gegen den Oberbürgermeister. Kampf um die alte VHS beginnt. Eine ereignisreiche Woche.

Zweimal Aufatmen und einmal Luftholen – das können die meisten Mülheimer an diesem sonnigen Sommerwochenende. Pendler werden froh sein, dass sie nicht mehr in schaukelnden Bussen bis Duisburg oder Essen fahren müssen. Und Zugnutzer aus fremden Städten haben selten die Abfahrtshaltestellen der Busse hinterm Bahnhof gefunden – trotz Navigationshilfen auf dem Mobiltelefon. Die roten Hinweisfüße reichten nicht als Ziel.

Lob für die Bahn und Tadel für die Ruhrbahn

Ein Lob kann die Deutsche Bahn dennoch für sich verbuchen: Ein Schienenersatzverkehr war pünktlicher als der Stadtverkehr der Ruhrbahn. Regelmäßig fielen Fahrten – trotz oder wegen – der Ferien aus. Wer zieht dem Verkehrsbetrieb für diese nicht erbrachten Leistungen Geld ab? Das wäre die erste Sparmöglichkeit. Oder sollten Fahrgäste den Preis ihres Monatskartenabos kürzen wie das bei Mieten auch erlaubt ist? Politiker sollten darüber nachdenken. Preiserhöhungen, wie auch von der Ruhrbahn gefordert, sind bei solcher Unzuverlässigkeit indiskutabel.

Auch der Oberbürgermeister kann aufatmen. Das Ermittlungsverfahren wegen „Untreue im Amt“ hat die Staatsanwaltschaft eingestellt. Die Monate der Lähmung sind hoffentlich vorbei. Aber es scheint immer noch Leute in Rat und Verwaltung zu geben, die das nicht akzeptieren können oder wollen. So weit – Stand gestern Nachmittag – zu ermitteln war, sind keine weiteren Verfahren gegen Ulrich Scholten anhängig.

Das Desaster war kein ungewollter Unfall

Wer hat also noch Beweise im Köcher und hat sie bisher nicht gezeigt? Mutmaßungen und Neiddebatten sind keine wirksamen Aufklärungshilfen.

Natürlich wird es weiterhin verschiedene Ansichten über das Verhalten des Oberbürgermeisters geben. Teile der SPD sehen ausschließlich bei ihm die Schuld für den aktuellen Scherbenhaufen. Aber auch alle anderen, die sich am gescheiterten Sturz des Oberbürgermeisters beteiligt haben, können jetzt nicht so tun, als wäre alles nur ein ungewollter Unfall gewesen, den sie mit verursacht haben.

Die Stadt hat viele Gebäude nicht so gepflegt wie nötig

Wenn die SPD nicht intern schnell Lösungen findet, hat sie in einem Jahr bei den Wählern kaum noch Chancen. Alle anderen Partein warten schon auf die Selbstaufgabe der Mülheimer SPD. Wollen die Sozialdemokraten das wirklich? Nicht nur für Genossen eine Wahnvorstellung.

Für den Erhalt des alten VHS-Gebäudes an der Bergstraße betreiben Stadtverwaltung und Bürgerinitiative jetzt gleichermaßen eine Art Wahlkampf. Beide werben für ihr Anliegen beim anstehenden Bürgerentscheid. Trotz aller unvereinbaren Betrachtungsweisen und verhärteten Fronten. Der Kampf um ein sicher vernachlässigtes und daher nun marodes Denkmal sollte fair ausgetragen werden. Übrigens sind in den vergangenen Jahrzehnten auch andere städtische Gebäude nicht so gepflegt worden, wie es nötig gewesen wäre – siehe altes Oberbürgermeisteramt Dümpten. Vielleicht findet sich auch für den alten VHS-Beton noch ein Investor.

Leserkommentare (1) Kommentar schreiben