Seuche

Bienen bedroht: Verdacht auf Faulbrut in Mülheim-Speldorf

Ein gesundes Bienenvolk.

Ein gesundes Bienenvolk.

Foto: DANIEL ELKE / FUNKE Foto Services

Mülheim.  In einem Bienenstand in Mülheim sind Erreger der hochansteckenden Krankheit nachgewiesen worden. Was das für die Imker im nahen Umfeld heißt.

In einem Bienenstand in Speldorf sind Erreger der Amerikanischen Faulbrut nachgewiesen worden. Ein tatsächlicher Ausbruch der für die Insekten lebensbedrohlichen Krankheit könnte fatale Folgen haben, „ist bislang aber noch nicht festgestellt worden“, betonte Amtstierärztin Dr. Heike Schwalenstöcker-Waldner am Freitag. Damit das so bleibt, hat das städtische Veterinäramt per Allgemeinverfügung ein Untersuchungsgebiet in einem Radius von 1000 Metern um den betroffenen Ort ausgewiesen. Jeder Imker, der seine Tiere dort hält, muss seine Bienenvölker und -stände bis spätestens 30. Juni durch einen Sachverständigen untersuchen lassen. Die Bienen-Besitzer sind außerdem verpflichtet, den Standort und die Anzahl ihrer Völker beim Veterinäramt anzugeben.

Die Amerikanische oder auch Bösartige Faulbrut ist eine anzeigepflichtige Erkrankung. Der Erreger, ein sporenbildendes Bakterium namens Paenibacillus larvae, befällt ausschließlich die Brut, die sich dann gewissermaßen zersetzt. Die Bakterien vermehren sich in der Larve, töten diese ab und Sporen, die nur schwer zu zerstören sind, entstehen. Erwachsene Tiere können nicht an der Faulbrut erkranken, verbreiten diese Sporen aber und führen so die Infektionskette fort.

Menschen und andere Lebewesen sind nicht gefährdet

Die Seuche beschränkt sich laut Veterinäramt allein auf den Bienenbestand. „Menschen und andere Lebewesen sind durch die Faulbrut oder auch den Genuss von Honig nicht gefährdet.“

Der Speldorfer Imker sei den Erregern übrigens deshalb auf die Spur gekommen, „weil er geplant hatte, seine Völker umzusiedeln und sie außerhalb Mülheims aufzustellen“, so Schwalenstöcker-Waldner. Wer so etwas vorhabe, sei verpflichtet, die Tiere untersuchen zu lassen. Der eingeschaltete Sachverständige wurde fündig, informierte das Veterinäramt, das erneut Proben nahm und Sporen nachwies. Der Imker habe daraufhin eines seiner Völker, „in dem sich Tiere zum Teil nicht richtig entwickelt hatten“, getötet. Die verbliebenen acht, kräftigeren Völker, bei denen der Erreger ebenfalls gefunden worden war, werden nun „in einem komplizierten Verfahren von den Sporen befreit“. Die Erreger seien zwar eine echte Bedrohung – „aber die Völker können sie überwinden“, weiß Schwalenstöcker-Waldner.

Sieben Bienensachverständige sind in Mülheim im Einsatz

Erforderlich dafür sei die frühzeitige, konsequente Bekämpfung. Die Imker im ausgewiesenen Untersuchungsgebiet werden Besuch bekommen von Experten des hiesigen Imkervereins, die bei positivem Befund wieder das Veterinäramt einschalten müssen. In Mülheim sind regelmäßig sieben Bienensachverständige im Einsatz. Einer von ihnen ist Reinhard Netzeband, der Vereinsvorsitzende. „Es ist eine Herausforderung, den Herd der Infektion ausfindig zu machen“, sagt er. Auch Imker, „die ihre Tiere irgendwo gekauft haben“, könnten den Erreger einschleppen.

Zur Aufklärung entnimmt der Sachverständige Honig vom Rand des Brutnestes, schickt die Probe in ein Labor nach Krefeld. Wird etwas gefunden, entscheidet das Veterinäramt, welche Schritte zu ergreifen sind. Der Imker beauftragt erneut Netzeband oder einen der Kollegen, um die Tiere zum Beispiel mit dem „Kunstschwarm-Verfahren“ zu retten. „Dabei werden die Waben mit der infizierten Brut aus dem Kasten genommen; die Bienen bleiben nackig zurück und müssen für drei Tage hungern.“ Anschließend gibt es neue Waben – und die Sporen sind besiegt.

„Die Erfahrung zeigt, dass sich die Krankheit eindämmen lässt“

Dass das klappen kann, hat sich in der Vergangenheit gezeigt: Schon 2017 richtete die Stadt erfolgreich ein Untersuchungsgebiet ein; der Radius von einem Kilometer ergibt sich aus den Fluggewohnheiten der Bienen. „Wir hatten sogar schon mal einen Ausbruch der Faulbrut“, erinnert sich die Amtstierärztin; 2012 war das. Und selbst dann sei nicht alles verloren; „die Erfahrung zeigt, dass sich die Krankheit eindämmen lässt“. Man versuche nun aber erst einmal „alles, damit die Krankheit nicht ausbricht“, verspricht Schwalenstöcker-Waldner. Leider könne keiner „voraussehen, wie sich das Seuchengeschehen entwickelt“. Auch wenn die Krankheit „hochansteckend“ ist, „zu Panik besteht kein Grund“, sagt Netzeband.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben