SPD

Bakum (28) will Chef der zerstrittenen SPD in Mülheim werden

Rodion Bakum im März beim Kommunalpolitischen Parteitag der Mülheimer SPD im Ringlokschuppen.

Rodion Bakum im März beim Kommunalpolitischen Parteitag der Mülheimer SPD im Ringlokschuppen.

Foto: Martin Möller / Martin Möller / Funke Foto Services

Mülheim.  Der erste Hut ist im Ring: Rodion Bakum (28) will Chef der zerstrittenen Mülheimer SPD werden. Er bringt Erfahrungen aus der Psychologie mit.

Eine Woche nach der Verzichtserklärung von Cem Aydemir hat am Montagabend Rodion Bakum (28) parteiintern seine Kandidatur für den Parteivorsitz der Mülheimer SPD bekannt gegeben. Der Kandidat, ein Arzt für Psychiatrie und Psychotherapie, sieht in der Aufgabe, die tief zerstrittene Partei wieder zu einen, ein Langfristprojekt.

Bakum verkündete seine erwartbare Kandidatur am Montagabend bei einer Sitzung der Vorsitzenden der SPD-Ortsvereine und -Arbeitsgemeinschaften. Der 28-Jährige, seit 2014 für die SPD im Stadtrat und sozialpolitischer Sprecher der Fraktion, gilt als Vertrauter von Cem Aydemir. So wird er als Kandidat insbesondere um das Vertrauen derjenigen in der Partei werben müssen,

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„Ich habe die Zeit, Ausdauer und mentale Stärke“

Allen voran wäre da die Gruppe rund um Fraktionschef Dieter Spliethoff und Fraktionsgeschäftsführer Claus Schindler zu nennen. Im Gespräch mit dieser Zeitung sagte Bakum zur Bekanntgabe seiner Kandidatur, dass er mit allen in der Partei Gespräche führen will.

„Ich habe die Zeit, Ausdauer und mentale Stärke“, gibt sich Bakum selbstbewusst, auch mit seinen jungen Jahren die Herausforderung meistern zu können, die sich Cem Aydemir zuletzt nicht mehr zugetraut hatte.

Bei vergangenen Parteitagen fuhr Bakum sehr gute Ergebnisse ein

„Ich verpflichte mich für ein Jahrzehnt“, sagt Bakum gar. „Es wird nämlich Zeit brauchen, bis die Mülheimer SPD Vertrauen nach innen sowie nach außen aufbauen und die Verantwortung in dieser Stadt an entscheidenden Stellen wieder übernehmen kann.“

Bakum galt schon vor Jahren als Hoffnungsträger der Partei, im Mentoren-Programm von 2012 stellte ihm die Partei keinen Geringeren als den damaligen Fraktionschef Dieter Wiechering als Mentor zur Seite. Bei Parteitagen der vergangenen Jahre erzielte Bakum bei seiner Wahl in den Parteivorstand (er ist Beisitzer) zunächst das zweitbeste und zuletzt stets das beste Ergebnis aller Kandidaten.

Bakum will nicht beim ersten Hauch von Gegenwind die Segel streichen

Dass er den Mut hat, im Haifischbecken der Mülheimer SPD den Bademeister geben zu wollen, liegt wohl auch darin begründet. Bakum reklamiert auch aus seiner Arbeit unter anderem in der Notfallpsychatrie heraus für sich, stressresistent und belastbar zu sein. Er sei niemand, der „beim ersten Hauch von Gegenwind die Segel streichen“ werde.

„Reden statt schießen“ – so laute, angelehnt an Worte des Ex-Bundeskanzlers Helmut Schmidt, sein Konzept, um die Partei endlich wieder zu befrieden, sagte Bakum. Viele Gespräche will er führen, das Schweigen in der Partei überwinden. Ein solcher Kulturwandel, hin zu einem anständigen Miteinander, brauche aber Zeit.

Appell an die Parteimitglieder, Situation nicht noch zu verschärfen

In der parteiinternen

appelliert Bakum an die Genossen, dies „nicht zur Sollbruchstelle bei der Wahl des Parteivorstands“ am 28. September werden zu lassen. Es gelte, weitere Verschärfungen zu vermeiden.

In der SPD gibt es dem Vernehmen nach nicht Wenige, die Bakum den Parteivorsitz zutrauen. Der 28-Jährige besitze politisch-inhaltlichen Instinkt, könne strategisch denken und pflege „eine Diskussionskultur, von der sich manche was abschneiden könnten“. Bakum stehe für einen Generationswechsel, den die SPD jetzt brauche, sagt mancher.

Mit einem Gegenkandidaten ist zu rechnen

Selbst Bakum dürfte aber mit einem Gegenkandidaten rechnen. Der Name von Ex-Sozialamtsleiter Klaus Konietzka fiel zuletzt mal in SPD-Kreisen. Gegenüber der Redaktion hat Konietzka für sich eine Kandidatur allerdings ausgeschlossen.

Am Montagabend bei der SPD-Versammlung soll Sascha Jurczyk, Vorsitzender des Ortsvereins Styrum, seine Kandidatur nicht ausgeschlossen, sich wegen der Tragweite einer Entscheidung aber noch Bedenkzeit erbeten haben. Jurczyk war am Abend nicht mehr für die Redaktion erreichbar.

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