Natur

Wo die Schafe in Neukirchen-Vluyn zum Friseur gehen

Manfred Borstelmann schor die Schafe von Horst Manja. Fotos:

Manfred Borstelmann schor die Schafe von Horst Manja. Fotos:

Foto: Markus Joosten

Neukirchen-Vluyn.  Kinder und Senioren aus Neukirchen-Vluyn schauen Manfred Borstelmann beim Scheren der Schafe zu und erleben, wie die Tiere anschließend rangeln.

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Gespannt schauten die Kinder des Familienzentrums Lindenstraße, die Schüler der Gerhard-Tersteegen-Schule und die Bewohner des Matthias-Jorissen-Hauses zu, als Manfred Borstelmann zur Schermaschine griff, sich den Schafbock unter den Arm klemmte und das Tier von der vielen Wolle befreite. „Das Schaf war beim Frisör“, rief eines der Kindergartenkinder. Und irgendwie hatte der Junge ja auch recht. Gerade einmal zehn Minuten dauerte es, bis Borstelmann das Tier komplett geschoren hatte.

Rüdiger Eichholtz, Kulturbeauftragter der Stadt und Vorsitzender des Vereins Kulturprojekte Niederrhein, organisierte am Mittwoch im Rahmen des Förderprojekts „Landkultur“ zum ersten Mal die große Schafschur in der Parkanlage des Altenheims. „Kultur ist für mich nicht nur Kunst, sondern auch Handwerk. Zur Landkultur gehören Schafe, Wolle und Stricken einfach dazu“, erklärte er.

Horst Manja, Mitglied der Interessengemeinschaft Grau Gehörnte Heidschnucken, brachte sechs seiner 30 Schafe der gleichnamigen Rasse mit, die geschoren werden mussten. Zur Wehr setzten sich die Tiere kaum. Sie kennen die Prozedur – einmal im Jahr werden sie geschoren, zweimal im Jahr werden die Klauen gepflegt. Die frische Wolle durften die Kinder direkt anfassen. Drei bis vier Kilogramm Wolle gibt ein Schaf. Actionreich wurde es in dem Gehege, als die ersten Schafe geschoren waren. Zwischen den Böcken entstand ein Kampf. „Die erkennen sich im Moment untereinander nicht wieder. Das ist normal“, erklärte Horst Manja. Ruhiger ging es neben dem Gehege zu. Viktoria Eichholtz sowie Mechthilde Heimbach und Helga Stach von der Neukirchener Dorfmasche verarbeiteten die frische Wolle am Spinnrad und mit Stricknadeln. Gezeigt wurde also der Werdegang vom Scheren bis zum fertigen Produkt. „Wenn man sich dranhält, braucht man vier bis fünf Stunden für eine Mütze“, erzählte Heimbach.

Mit der Aktion sollte den Kindern auch vermittelt werden, dass Kleidung nicht immer nur gekauft, sondern auch selber gemacht werden könne, so Rüdiger Eichholtz. Die Wiese des Altenheims war für den Kulturbeauftragten genau der richtige Ort für die Schafschur. „Hier kommen Jung und Alt zusammen. Die älteren Bewohner kennen das Schafscheren noch von früher, die Kinder sehen so etwas wahrscheinlich zum ersten Mal.“

Bestens vorbereitet

Die zwei Klassen der Gerhard-Tersteegen-Schule waren auf die Aktion bestens vorbereitet. Im Rahmen einer Projektwoche lernten sie vorab schon jede Menge über das Tier, die Wolle und die Verarbeitung kennen. Auch 50 Kinder des Familienzentrums Lindenstraße waren dabei. „Das ist eine tolle Gelegenheit für die Kinder, so etwas hautnah mitzuerleben“, sagte Mitarbeiterin Antje Klein.

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