Theater

Schlosstheater Moers macht die Loveparade-Tragödie zum Thema

Schlosstheater Moers zur Loveparade 2010: ein Stück, das nur aus Zitaten besteht

Schlosstheater Moers zur Loveparade 2010: ein Stück, das nur aus Zitaten besteht

Foto: Kristina Zalesskaya, Schlosstheater / NRZ

Moers.  Zehn Jahre nach der Loveparade-Katastrophe mit 21 Toten stellt das STM Fragen nach Verantwortung und Schuld. Der Text besteht nur aus Zitaten.

Es ist ein Balanceakt, sich dem Thema Loveparade mit theatralischen Mitteln zu nähern. Darüber sind sich Intendant Ulrich Greb und Dramaturgin Larissa Bischoff einig. Aber spätestens, als es im vergangenen Februar hieß, der Prozess wird in diesem Juli verjähren, ohne dass jemand zur Verantwortung gezogen werden kann, wurde es „unerträglich“: „Es war diese Fassungslosigkeit. So viele Hoffnungen lagen auf dem Prozess und nun sollte das Thema erledigt sein?“, erklärt Ulrich Greb. Juristisch habe es funktioniert: Man verteile die Verantwortung auf so viele Schultern, bis sie atomisiert. „Aber das befriedet nicht“, sagt Greb.

In „24/7“, dem Datum des Unglücks am ehemaligen Duisburger Güterbahnhof vor zehn Jahren, bei dem 21 junge Menschen starben und 600 verletzt wurden, verwendet das Schlosstheater ausschließlich Zitate aus dem wohl „best-dokumentierten Prozess“ und Aussagen aus eigenen Recherchen, die seit vergangenen Mai laufen. „Wir haben mit Augenzeugen und Betroffenen gesprochen.“

Sie sind es auch, die das Schlosstheater von Anfang an mit ins Boot geholt habe. „Sie wollten wissen, was wir vorhaben. Wissen, dass wir keine Show auf ihre Kosten machen. Die Rückmeldungen jetzt: Sie finden es gut, dass das Thema nicht aus dem Bewusstsein verschwindet. Denn es ist mitnichten abgeschlossen“, betont Greb, der Regie führt.

Wie konnte es zur Loveparade-Tragödie kommen?

Und so werden diejenigen aus der Initiative Lopa 2010, die es zehn Jahre nach der Loveparade aushalten, sich in Räumen mit vielen Menschen aufzuhalten, schon am kommenden Freitag unter Ausschluss der Öffentlichkeit das Stück sehen können. Das gebiete der Respekt, findet Greb.

Inhaltlich will „24/7“ den Fragen nachgehen, wie es zu dem Unglück kommen konnte, wie man mit Schuld umgeht, wer verantwortlich ist und „was das über die Gesellschaft sagt und ob es wieder passieren kann“, fasst Larissa Bischoff zusammen. Bleibt die Verführbarkeit?

Das Stück bedient sich dokumentarischen Materials, ist aber kein Dokumentartheater. Das Publikum sei die Öffentlichkeit, sechs Sprecher berichten über das, was schließlich zur Katastrophe führte, und „teilweise groteske Widersprüche“. Der Zugriff aufs Stück erfolge durch die Montage und Verdichtung. „Überforderung und Erschöpfung sind Teil des ästhetischen Konzepts“, erklärt Greb. Der ehemalige Improviser in Residence, Emilio Gordoa, untermalt musikalisch, Bewegung sei ein wichtiges Element im Stück. Gleichwohl geht es nicht um Rave-Musik oder Tanz.

Niemand habe in Duisburg vorsätzlich gehandelt, sagt Greb. Es seien ganz viele kleine Fehler gewesen, nicht zuletzt ein eingesackter Gullydeckel. Gleichzeitig werfe das die Frage auf, welche Erwartungen an das Event gestellt worden sind. „Der ehemalige Bürgermeister Adolf Sauerland sprach im Vorfeld von einem ,Giga-Ereignis’ und hinterher im Prozess davon, dass seine ,Aufgabe keine Aufgabe’ bei der Love-Parade gewesen sei“, erinnert Greb.

<< Info und Termine >>

„24/7“ hat am 19. Februar, 19.30 Uhr, Premiere. Weitere Termine: 23., 28.,29. Februar, 13. und 15. März. Matinee zum Stück ist am Sonntag, 16. Februar, 11.30 Uhr, im Schloss. Öffentliche (und kostenlose) Proben am 17. und 18. März. Anmeldung: info@schlosstheater-moers.de Weiter plant das STM verschiedene Veranstaltungen zum Thema.

Das Duisburger Kom’ma Theater auch ein Stück zur Loveparade. Infos: www.kommatheater.de/loveparade.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben