Finanzen

Mehrere Millionen Euro schlummern auf vergessenen Konten

Auf sogenannten nachrichtenlosen Konten liegen allein bei der Sparkasse Niederrhein insgesamt zwei Millionen Euro. Ein Verein möchte solche Gelder nach einer gewissen Zeit in einen Sozialfonds investieren.

Auf sogenannten nachrichtenlosen Konten liegen allein bei der Sparkasse Niederrhein insgesamt zwei Millionen Euro. Ein Verein möchte solche Gelder nach einer gewissen Zeit in einen Sozialfonds investieren.

Foto: Daniel Karmann / dpa

Moers/Niederrhein.  Ein Verein möchte Geld von vergessenen Konten in einen Sozialfonds investieren. Bei der Sparkasse am Niederrhein wären das rund zwei Millionen.

In jeder Bank, in jeder Sparkasse gibt es Konten, die seit Jahren, wenn nicht Jahrzehnten nicht mehr angerührt wurden – weil ihre Inhaber nicht mehr leben und die Erben nichts von der Existenz dieser Konten wissen oder weil sie einfach vergessen worden sind. Allein bei der Sparkasse am Niederrhein beläuft sich der Betrag nach Anfrage dieser Redaktion auf rund 2 Millionen Euro, die auf bis zu 30.000 vergessenen Konten verteilt sind.

Der Verein Social Entrepreneurship Network Deutschland (Send) fordert nun, dass die Gelder auf solchen Konten in einen Fonds fließen, der für soziale Zwecke genutzt wird. Bislang fallen die Summen laut Send nach 30 Jahren den Banken zu. Das Netzwerk fordert eine gesetzliche Regelung, nach der das Geld nach einer Frist von zehn Jahren automatisch an den zu gründenden Fonds gehen soll. Als Beispiel führt es Großbritannien an. Dort fließen 60 Prozent in einen Sozialfonds. Der Rest wird risikoarm investiert für den Fall, dass sich doch noch Erben melden sollten.

Manche Konten bei der Sparkasse am Niederrhein sind mehr als 80 Jahre alt

Das Bundesfinanzministerium plant derzeit nicht, eine solche gesetzliche Regelung einzuführen. Und auch die Banken und Sparkassen am Niederrhein sehen dafür keine Notwendigkeit. Weil sie das Geld nach eigener Aussage nicht der eigenen Bilanz zuführen – egal, wie alt die Konten auch seien.

„Das Geld wird treuhänderisch betreut und fällt nicht der Bank zu“, sagt der Sprecher der Sparkasse Niederrhein, Jörg Zimmer. Es gebe Konten, die seien mehr als 80 Jahre alt, so Zimmer, und auch diese würden weiter verwaltet. Etwa 30 Mal im Jahr lösten Nachfahren solche Konten plötzlich auf, weil sie im Nachlass noch ein Sparbuch gefunden hätten. Einige, so der Sparkassensprecher, seien noch in Sütterlin verfasst.

Bei der Sparkasse Duisburg liegen 5,1 Millionen Euro auf vergessenen Konten

Andreas Vanek von der Sparkasse Duisburg, die auch für Kamp-Lintfort zuständig ist, hat unterdessen ein grundsätzliches Problem mit dem Vorstoß des Send-Netzwerkes. Die Behauptung, dass das Geld nach 30 Jahren den Banken zufällt, sei falsch, weil die Forderung der Kontoführung „nie erlischt“. Der Rechtsanspruch darauf sei unbefristet. „Wir müssen das Geld verwahren.“ Die Summe beläuft sich laut Vanek bei der Sparkasse Duisburg inklusive Kamp-Lintfort auf rund 5,1 Millionen Euro, die auf etwa 336.000 Konten verteilt sind.

Wie hoch die Summe solcher nachrichtenloser Konten bei der Volksbank Niederrhein ist, konnte Sprecherin Stephanie Rieck gestern nicht sagen. Allerdings bleibt das Geld anders als bei den Sparkassen nicht auf unbestimmte Zeit bei der Volksbank. Zunächst, so Rieck, versuche die Bank selbst, die Erben eines verstorbenen Kontoinhabers zu ermitteln. Gelinge dies nicht, wende man sich an das Amtsgericht. Führe auch das nicht zum Erfolg, so die Volksbank-Sprecherin, „geht das Geld an den Staat“.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben