Mordprozess

Lebenslänglich für Mord an Ehefrau: BGH hebt Urteil auf

Das Landgericht mit Sitz in Kleve hat nun das Urteil zu lebenslänglich Haft aufgehoben.

Foto: Hans Blossey

Das Landgericht mit Sitz in Kleve hat nun das Urteil zu lebenslänglich Haft aufgehoben. Foto: Hans Blossey

Moers/Kleve.   Ein 50-Jähriger tötet seine Frau mit 67 Messerstichen und wird zu lebenslänglich verurteilt. Das Urteil wird aufgehoben – alles beginnt von vorn.

Lebenslänglich wegen heimtückischen Mordes – so lautete im Juni letzten Jahres das Urteil gegen einen heute 50-Jährigen, der im Mai 2015 an der Keplerstraße in Moers-Vinn seine Frau mit mindestens 67 Messerstichen brutal getötet hatte. Doch der Bundesgerichtshof (BGH) in Karlsruhe hob das Urteil auf, weshalb das Verbrechen vor dem Schwurgericht in Kleve ab Montag zum zweiten Mal verhandelt wird.

Dabei geht es in dem nun beginnenden Prozess nicht um die Frage, ob der 50-Jährige seine getrennt lebende Ehefrau mit dem Messer umbrachte oder nicht. Dass dies geschah, ist unstreitig. Der BGH hob das Urteil aus dem Juni 2016 auf, „weil die Verurteilung wegen Mordes von den Feststellungen im Urteil nicht getragen werde“, so das Landgericht Kleve in einer Pressemitteilung.

Das Scheidungsgespräch eskalierte

Folgendes war am 21. Mai 2015 nach Überzeugung der Klever Richter geschehen: Der 50-Jährige hatte sich mit seiner Ehefrau getroffen, um mit ihr über die Scheidung zu reden. Doch friedlich verlief das Gespräch auf dem Balkon nicht; auch die Getötete soll mit Schimpfworten nicht gespart haben. Schließlich ging der Mann in die Küche, holte ein Messer, das er vor seiner Frau versteckt zurück auf den Balkon brachte, setzte sich, trank einen Tee, rauchte eine Zigarette – und stieß seiner Frau das Messer urplötzlich ins Gesicht.

Der sechsjährige Sohn des Paares rief die Polizei und flehte um Hilfe: „Der Papa sticht die Mama ab, die Mama blutet!“ Die Frau vermochte noch in die Wohnung zu fliehen, hatte aber keine Chance. Das Messer vor dem Opfer zu verbergen, sei heimtückisch gewesen, urteilte das Schwurgericht im Juni 2016, und verhängte gegen den Mann eine lebenslängliche Freiheitsstrafe.

Mord oder nur Totschlag?

Das, was nun in einem zweiten Prozess geklärt werden soll, mutet an wie eine juristische Haarspalterei. Es könnte, so der BGH, auch so gewesen sein: Der 50-Jährige stach auf dem Balkon heimtückisch auf seine Frau ein, ließ aber von ihr ab. Als gesondertes Tatgeschehen betrachtet, könnte dies als Mordversuch gewertet werden, den der Täter indes nicht vollendete und somit „vom Versuch zurücktrat“, was zur Folge hätte, dass er nicht wegen Mordversuchs bestraft werden könnte.

Käme das Gericht nun zu einer solchen Feststellung, wäre möglicherweise die Tötung der Ehefrau in der Wohnung als gesondertes Tatgeschehen und nicht mehr als Mord, sondern als Totschlag zu werten.

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