Konzert

Konzert in Neukirchen-Vluyn rückt Europa in den Blick

Foto: Sivani Boxall

Neukirchen-Vluyn.   Collegium Vocale sang Werke, die einst für Siegesfeiern nach europäischen Kriegen komponiert wurden. Damit wollte der Chor ein Zeichen setzen.

Imposante Trompetenklänge, engelsgleicher Gesang und eine weltbekannte Hymne waren am Sonntag in der Vluyner Kirche St. Quirinus zu hören. Der Chor Collegium Vocale der selbstständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche (SELK) war zu Gast.

Seit mehr als 35 Jahren begeistert der altersgemischte Chor auf Konzertreisen durchs ganze Land sein Publikum. Für Chorleiter Hans-Hermann Buyken war es am Sonntag eine Art niederrheinisches Heimspiel, kommt er doch aus Kamp-Lintfort. Bereits im März letzten Jahres trat er mit den mehr als 30 Sängerinnen und Sängern in der Gemeinde St. Quirinus auf und präsentierte die Matthäus-Passion von Johann Sebastian Bach. Das Konzert bekam großen Zuspruch und so waren auch diesmal wieder alle Sitzplätze in der Kirche gefüllt.

Ein Zeichen gegen Krieg und Populismus

Der Chor hatte sich erneut etwas Besonderes einfallen lassen: „Eine Woche vor der Europawahl wollen wir ein Zeichen gegen Krieg und Populismus setzen“, sagte Buyken. Dazu wählte der Chor zwei Werke von zwei großen europäischen Barockkomponisten aus. Es waren die Kompositionen „Te Deum“ von Marc Charpentier und „Dettinger Te Deum“ von Georg Friedrich Händel. Beide Werke wurden im 17. und 18. Jahrhundert für Siegesfeiern von Armeen nach Kriegen in Europa komponiert. Seit zwei Generationen habe man solche Werke in Europa nicht mehr komponieren müssen, weil es durch die europäischen Vereinbarungen keine Kriege gegeben habe, so Buyken.

Europa als Ort des Friedens und der freien Künste

Europa als Ort des Friedens und der freien Künste war also das gewählte Motiv des Konzerts. Gemeinsam mit dem jungen „Cölner Barockorchester“ und den Solisten Christian Walter (Bassbariton), Alexandra Thomas (Mezzosopran und Alt), Theresa Nelles (Sopran) und Wolfgang Klose (Tenor) legte der Chor los. Majestätische Trompeten- und Paukenklänge ließ das Orchester zur Melodie des Präludium-Werkes von Charpentier erklingen. Viele erkannten die Melodie sofort, ist sie doch als Europahymne aus dem Musikwettbewerb Eurovision Song Contest weltbekannt. Die zarte Barockflöte, tiefkräftige Solistenstimmen und hoffnungsfroher Frauengesang bildeten ein harmonisches und virtuoses Gesamtbild in der Kirche.

Lyrische Vollendung fand das Klangbild in den zwei Vertonungen des altkirchlichen Lobgesangs „Te Deum“, in dessen Fassung nach Charpentier es lobpreisend heißt: „Lass das Licht deiner Barmherzigkeit um uns leuchten, wir hoffen auf dich.“ Die musikalische Botschaft der Hoffnung und der politischen Teilhabe kam an.

Für das Konzert gab es großen Applaus und Sonntag, den 26. Mai, merkten sich viele als Tag der Europawahl vor.

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