Personalnot

Gewerkschaft der Polizei fordert mehr Beamte im Kreis Wesel

Die Polizei im Kreis Wesel kämpft seit Jahren mit Personalknappheit. Die GdP übt nun Kritik an der Landesregierung.

Die Polizei im Kreis Wesel kämpft seit Jahren mit Personalknappheit. Die GdP übt nun Kritik an der Landesregierung.

Foto: Andreas Bartel / WAZ FotoPool

Moers/Kreis Wesel.  Seit 2014 hat die Kreispolizei Wesel 50 Beamte eingebüßt. GdP-Vorsitzender Nils Krüger nennt die Situation mittlerweile „dramatisch“.

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) schlägt Alarm. Erneut soll die Kreispolizei Wesel weniger Personal zugewiesen bekommen. Und das, obwohl sie schon seit fünf Jahren mit einem regelrechten Beamtenschwund kämpfen muss, wie GdP-Kreisgruppenvorsitzender Nils Krüger betont. Seit 2014 habe man rund 50 Beamte eingebüßt, ohne dass sie kompensiert worden seien. Dies entspreche zwei bis drei Kriminalkommissariaten oder ganzen vier Dienstgruppen, so Krüger weiter, der die Personalsituation im Kreis mittlerweile „dramatisch“ nennt und endlich ein Signal aus Düsseldorf erwartet.

Der Kreisgruppenchef fordert Landrat Dr. Ansgar Müller dringend auf, sich bei der Landesregierung dafür einzusetzen, die personellen Defizite auszugleichen, die dadurch entstanden sind, dass Polizistinnen und Polizisten in den Ruhestand gingen oder in andere Behörden versetzt wurden. Der Kampf gegen den Terror und die Bildung von Schwerpunktbehörden zum Kampf gegen Clankriminalität, etwa in Duisburg oder Essen, nennt Krüger im Gespräch mit der NRZ unter anderem als Gründe.

Aufgaben auf immer weniger Schultern verteilt

Der Ausbau sei auch sinnvoll und notwendig gewesen, dennoch dürfe dies nicht dazu führen, „dass Landratsbehörden wie die Kreispolizeibehörde Wesel bei immer knapper werdendem Personal Gefahr laufen, dass die Aufgaben auf immer weniger Schultern verteilt werden und womöglich nicht mehr wahrgenommen werden können“.

Die Personalnot schlage sich mittlerweile auch auf den Wach- und Wechseldienst nieder. Die Zahl der angefallenen Überstunden sei gewaltig, allerdings liege diese bereits seit rund 30 Jahren auf gleichbleibend hohem Niveau, sagt Krüger, ohne genauer werden zu können. Dass mittlerweile 20 beim Kreis angestellte Regierungsbeschäftigte zum Teil Polizeiaufgaben übernehmen, begrüßt er sehr, allerdings entspreche die Zahl bei weitem nicht den 50 weggefallenen Beamten. „Außerdem sind sie kein Ersatz für Polizisten“, sagt Krüger, der sich vor allem um die Gesundheit der Kollegen sorgt. Zum einen vor dem Hintergrund der Arbeit, die auf immer weniger Schultern verteilt werde, zum anderen hinsichtlich der Einsätze. Denn zwar dokumentierten die Kriminalitätsstatistiken einen allgemeinen Rückgang, allerdings habe sich die Qualität der Straftaten verschoben, so Krüger, der eine „generelle Verrohung“ in der Gesellschaft wahrnimmt. So habe bei vielen Taten die Brutalität zugenommen, zum Beispiel bei Übergriffen auf Rettungskräfte und Polizisten.

Das Innenministerium reagiert

Ob und inwiefern sich die Mehrarbeit und die Qualität der Einsätze auf den Krankenstand niedergeschlagen haben, konnte die Kreispolizei Wesel am Mittwoch nicht sagen. Auch die Zahl der Berufsanfänger, die ab September ihren Dienst im Kreis Wesel antreten, konnte sie nicht nennen, da sich erst im September herausstellt, ob wirklich alle Polizeianwärter die Prüfung geschafft haben. Dagegen sollen laut NRZ-Informationen bis September 2020 rund 25 Beamte in den Ruhestand gehen. Im vergangenen Jahr hatte die Kreispolizei Wesel 667 Mitarbeiter, davon versehen rund 110 Kollegen ihren Dienst in Moers.

Landrat Ansgar Müller ist im Urlaub, er äußerte sich nicht. Das Innenministerium sagte auf NRZ-Anfrage, dass die Verteilung der Polizeikräfte auf die insgesamt 50 Behörden im Land auf Grundlage der belastungsbezogenen Kräfteverteilung (BKV) geschehe, die sich seit mehr als 20 Jahren bewähre. Dies geschehe unter Berücksichtigung der Kriminalitätsstatistiken und der Verkehrsunfälle aus den vergangenen zehn Jahren. Außerdem habe man 2017 und 2018 jeweils 2300 Polizeianwärter eingestellt. In 2019 würden es gar 2500 sein, genauso wie in den kommenden zwei Jahren. Von diesen Zahlen werde auch die Kreispolizei Wesel langfristig profitieren.

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