Comedy Arts Festival

Comedy-Arts-Festival in Moers: der politische Freitag

Wutbürger suchen ein Zuhause: Onkel fisch nahmen die Populisten aufs Korn.

Wutbürger suchen ein Zuhause: Onkel fisch nahmen die Populisten aufs Korn.

Foto: Ulla Michels / FUNKE Foto Services

Moers.  Özgur Cebe zeigt, wie Versöhnung geht, Onkel Fisch machen eine migrationspolitische Küchenschlacht, Jacqueline Feldmann ist blond, jung und klug.

. Die künstlerische Leiterin Betti Ixkes begrüßte das Publikum am Freitag zum zweiten Comedy-Arts-Tag und dankte für dessen Weltoffenheit und Freundlichkeit. Das war schon sehr passend zum großen Thema des Abends: Ausgrenzungen aller Art – humorvoll, feinsinnig und pointenreich aufs Korn genommen.

Die Moderatoren Onkel Fisch starteten, nachdem sie mit einem rasanten Hüftschwung die Bühne geentert

hatten, mit einer politischen Küchenschlacht, in der überall „braune Soße drüber“ gegossen wurde, angefangen in Sachsen, aber selbst vor den Franzosen und Italienern mache das nicht halt: „Von wegen Frutti di Mare, die Italiener lassen doch nicht Lebendiges mehr aus Meer.“ Klare Kante, die für Raunen im Saal sorgte. Die Suche nach einem politischen Zuhause für sicherheitshalber an die Leine genommene Wähler war da folgerichtig: „Die Zuschauer rechts müssen keine Angst haben.“ Die links schon, denn der „Doofermann“ oder der „Golden Naiver“ zeigten sich recht bissig.

Vom Dilemma, in Bielefeld geboren zu sein

Özgur Cebe berichtete von seinem Dilemma: „Man sieht es mir an, wo ich geboren wurde. In Bielefeld.“ Der „deutsche Staatsbürger“, wie ihn ein Beamter bei der Einbürgerung feinsinnig vom „Deutschen“ unterschied, zeigte sich mit fairen und ausgewogenen, aber keineswegs weichgespülten Hieben gegen Vorurteile und Ungerechtigkeiten von allen Seiten als der wahre Kosmopolit. „Ich vermisse die Kinderfreundlichkeit in diesem Land“, gestand er – das Klischee bedienend. Um es gleich zu zerstören: „Viele Kinder sind nicht freundlich.“ Er schäme sich

für die Situation in der Türkei, sagt Cebe. Wusste aber auch, wie Frieden zu erlangen wäre: „Einfach keine Waffen an kriegstreibende Länder verkaufen.“ Auch wenn er manchmal schnappt – letztlich verkörpert er die Versöhnung, die zwischen Deutschen und Türken manchmal schwer erscheint.

Ein Vorname, der Asi-ziationen weckt

Eine schwere Kindheit hatte auch Jacqueline Feldmann: „Bei dem Namen, haben Sie da nicht auch Asi-ziationen?“ Sie wollte nach der Schule was mit Menschen machen und sie zum Lachen bringen: „Da hab ich eine Ausbildung beim Finanzamt Lüdenscheid angefangen.“ Überraschende Pointen setzen kann die 25-jährige, auch wenn die Themen noch so alltäglich erscheinen: Thermomixe der Männer sind Webergrills, Zickenkrieg auf dem Schulhof, rasende Rentner auf E-Bikes ohne Helm, mit Hut: „Die haben nix mehr zu verlieren.“ Und am Ende wird auch sie versöhnlich, die mit ihrer Jugend kokettiert. Der E-Bike-Rentner, der sie am Berg so frustrierend rasant überholt hatte: „Er hatte gar kein E-Bike. Der war so fit.“ Soll es ja geben.

Den poetischen Teil des Abends übernahmen Don Gnu mit ihren dänischen Lichtspielen.

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