Studie

Wie sich der Online-Handel auf ländliche Regionen auswirkt

Nina Hangebruch, Wissenschaftliche Angestellte an der Technischen Universität Dortmund, befasst sich mit dem Einkaufsverhalten im HSK – unter anderem in Eslohe und Schmallenberg

Nina Hangebruch, Wissenschaftliche Angestellte an der Technischen Universität Dortmund, befasst sich mit dem Einkaufsverhalten im HSK – unter anderem in Eslohe und Schmallenberg

Foto: Uwe Grützner / TU Dortmund

Schmallenberg/Eslohe.  In einer Studie wird das Einkaufsverhalten im Hochsauerlandkreis untersucht. Was sind Auswirkungen vom Onlinehandel auf Eslohe und Schmallenberg?

Der Onlinehandel entwickelt sich zu einer großen Herausforderung für viele Kommunen: „Immer mehr Menschen kommen zum Einkaufen nicht mehr in die Ortskerne, sondern kaufen im Internet ein. Auch an den Kommunen im Hochsauerlandkreis geht dieser Trend nicht vorbei“, sagt Nina Hangebruch von der Fakultät Raumplanung an der Technischen Universität Dortmund. Die Veränderungen im Einkaufsverhalten und die Auswirkungen auf die Regionen werden nun zum Thema für die Wissenschaft. Sie werden im Projekt „Digitalisierung und Onlinehandel – Fluch oder Segen für ländliche Räume“ von Hangebruch und ihren Kollegen vom Institut für Landes- und Stadtentwicklungsforschung und dem Geographischen Institut der Universität Bonn untersucht. Die Forscher haben unter anderem Eslohe und Schmallenberg ausgewählt. Nina Hangebruch erklärt im Interview die Hintergründe.

Onlinehandel - Fluch oder Segen für den ländlichen Raum, was denken Sie dazu?

Nina Hangebruch: Es trifft beides zu. Ein Fluch, weil der Onlinehandel die Einzelhändler beispielsweise massiv unter Druck setzt und sich zu einer Herausforderung für die Ortskerne entwickelt. Mit dem Onlinehandel ist ein zusätzlicher Konkurrent entstanden, den es vorher nicht gab. Beispielsweise werden in der Warengruppe „Bekleidung“ 20 bis 25 Prozent, in den Warengruppen „Bücher bzw. Elektronik“ 25 bis 30 Prozent der Umsätze online erzielt.

Für die Regionen kann es aber auch ein Segen sein?

Vor allem für die Menschen, die in Städten oder Orten wohnen, in denen das Angebot schon ausgedünnt ist oder noch nie umfassend war, bietet der Onlinehandel Chancen. Der Einkauf im Internet schafft gleichwertige Einkaufsmöglichkeiten in allen Teilen des Landes. Für Einzelhändler kann es eine Chance sein, neue Kunden anzusprechen.

Warum haben Sie Städte und Kommunen im HSK ausgewählt? Ist dort die Situation besonders drastisch?

Ausschlaggebend war der Index für Ländlichkeit vom Thünen-Institut für ländliche Räume, der auf fünf Indikatoren basiert. Dazu zählen unter anderem die Siedlungsdichte oder die Erreichbarkeit der nächsten fünf Großstädte. Für die Untersuchung haben wir die drei ländlichsten Landkreise in NRW und darin jeweils die fünf ländlichsten Kommunen ausgewählt.

Wie viele Haushalte sollen befragt werden?

Insgesamt 500 im HSK. Bedeutet: 100 in jeder Gemeinde.

Was wollen Sie von den Leuten wissen?

Vorweg: Die Befragung ist natürlich anonym. Die Haushalte werden zufällig ausgewählt, wir können nach den Gesprächen, die um die 15 Minuten dauern, keine Rückschlüsse auf die Interviewpartner ziehen, außer dem Alter und dem Ortsteil, in dem sie leben. Rückschlüsse auf einzelne Personen sind nicht möglich – und werden auch nicht angestrebt. Alle Altersgruppen - ab 18 - möchten wir gerne befragen. Es geht um das Einkaufsverhalten, die Online-Affinität oder auch um Gründe für den Besuch in den Stadtzentren. Man muss also nicht zwingend „Online-Shopper“ sein, um mitzumachen.

Welche Besonderheiten haben speziell Orte wie Schmallenberg und Eslohe?

Sie bieten für den ländlichen Raum eine hohe städtebauliche Attraktivität mit vielseitigen Angeboten im Handel und darüber hinaus. Dazu kommen ein attraktives landwirtschaftliches Umfeld und eine ausgeprägte touristische Funktion.

Gibt es Erfahrungen mit solchen Untersuchungen in anderen Regionen? Wie waren die Ergebnisse?

In der Vergangenheit haben wir bereits eine ähnliche Befragung im Bereich von Großstädten durchgeführt. Ziel ist es, ausgewählte Ergebnisse im Anschluss zu vergleichen. Denn auch in den Großstädten steht der Einzelhandel vor Herausforderungen. Aus den Erkenntnissen können wir ableiten, welche Faktoren für das Online-Shopping eine Rolle spielen - zum Beispiel welche Rolle die Entfernung zu Großstädten, das Angebot vor Ort oder Alter und Lebenssituation spielen. Für den ländlichen Raum gibt es eine solche Befragung bisher noch nicht.

Wann rechnen Sie mit ersten Ergebnissen für den HSK?

Wir hoffen, dass wir die Befragungen bis Anfang/Mitte Oktober abgeschlossen haben. Die Auswertung wird sich bis ins nächste Jahr ziehen. Wir hoffen, davor schon ausgewählte Ergebnisse vorstellen zu können.

Und dann? Wie können die Regionen von dem Projekt profitieren?

Wir wollen im Anschluss gemeinsam mit Akteuren aus den Kommunen Rückschlüsse darauf ziehen, wie ländliche Zentren gestärkt werden können. Parallel zur Befragung schauen wir nach innovativen Geschäftsmodellen, die derzeit bereits anderswo im ländlichen Raum erprobt werden und auch für die Kommunen im HSK in Frage kommen könnten. Auch Kommunen im Umkreis können profitieren und werden zu Diskussionen eingeladen. Das ist uns sehr wichtig.

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