Serie "24 Stunden"

Wenn Meschede schläft, ist sie unterwegs

Zeitungsbotin Christa Lütke Wöstmann bei der Arbeit.

Zeitungsbotin Christa Lütke Wöstmann bei der Arbeit.

Foto: Brigitta Bongard

Meschede.   4 Uhr: Frühmorgens ist es still in Meschede - dann ist die Arbeitszeit von Christa Lütke Wöstmann. Sie ist als Zeitungsbotin unterwegs.

Ein Toast mit Marmelade oder eine Schale Müsli, dazu eine Tasse Kaffee und die Tageszeitung - so sieht das übliche Frühstück in Deutschland aus. Kaum einer macht sich Gedanken darüber, wie die Zeitung früh morgens in den Briefkasten gekommen ist. Wir haben eine unserer Zeitungsausträgerinnen auf ihrem Weg begleitet.

Es ist 2.40 Uhr, als sich Christa Lütke Wöstmann auf den Weg zum Pressehaus macht. Beinahe ganz Meschede ist in tiefem Schlaf versunken, es ist still in der Stadt. Einige wenige Schaufenster sind hell erleuchtet - zu der Zeit eher vergeblich, es gibt noch keine Kunden, die die Auslagen beachten.

Nur 43 Minuten Zeit

Beim Sammelpunkt am Pressehaus liegen stapelweise die Zeitungen, und mehrere Austräger sind damit beschäftigt, die Pakete nach Nummern sortiert in ihre Wagen zu packen. Es wird wenig gesprochen. Bei leichtem Nieselregen ziehen alle los, um ihre jeweiligen Gebiete zu versorgen. Christa Lütke Wöstmann macht sich im strammen Marsch auf den Weg in Richtung Beringhauser Straße. Es muss schnell gehen, denn für ihre Tour hat sie nur 43 Minuten Zeit. „Das ist schon knapp“, sagt sie.

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Reportage zum Tag der Arbeit.
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Gleich am ersten Haus hat sie eine Zeitung in der Hand, bei der die Hälfte der ersten Seite fehlt. „Da muss ich dann hoffen, dass am Schluss eine Zeitung übrig bleibt. So kann ich die ja nicht in den Briefkasten stecken.“ Es geht weiter von Tür zu Tür. An einigen ist ein Bewegungsmelder angebracht, aber der größte Teil der Strecke liegt in tiefster Dunkelheit.

Aufpassen auf Treppen

Bei den Treppen und Zugängen muss sie gut aufpassen, dass sie nicht stolpert. Die gelernte Zytologie hat ihren festen Job verloren, als ihr Mann krank wurde. „Klar ist das hier kein Traumberuf, aber irgendwo muss das Geld ja herkommen. Positiv ist: Ich bin sozialversichert und bekomme bezahlten Urlaub.“

Auf die Frage, ob sie keine Angst hat, mitten in der Nacht allein durch die dunklen Ecken zu laufen, sagt sie: „Mir ist zum Glück noch nie etwas Schlimmes passiert. Wenn man Angst hat, kann man den Job nicht machen.“

Noch eine Vertretungsrunde

Untere und obere Beringhauser Straße, Schederweg, Bernhard-Wilking-Straße, Am Scharfen Stein - dann wieder zurück zum Pressehaus, denn Lütke Wöstmann hat noch eine Vertretungsrunde angenommen und muss dafür die Zeitungen abholen. Noch fehlt ihr die Laufliste mit den zu beliefernden Kunden, aber sie hofft, dass die zeitnah per Mail geschickt wird.

Es ist noch immer stockdunkel, und es nieselt. Doch der Mai naht, sie sagt: „Wenigstens wird es jetzt wärmer und ich muss mich nicht mehr durch Schnee und Glatteis kämpfen.“

>>>HINTERGRUND<<<

Christa Lütke Wöstmann wohnt in Meschede. Sie ist verheiratet und hat drei erwachsene Töchter.

Vor etwa 15 Jahren begann sie mit dem Austragen der Zeitungen. Gelernt hat die 59-Jährige den Beruf der Zytologin.

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