Trickbetrug

Warum Betrüger den Polizei-Chef als Opfer auswählen wollten

Landrat Dr. Karl Schneider an seinem Schreibtisch im Kreishaus in Meschede.

Landrat Dr. Karl Schneider an seinem Schreibtisch im Kreishaus in Meschede.

Foto: Jürgen Kortmann

Schmallenberg/Hochsauerlandkreis.  Dass Betrüger versuchen einen Polizei-Chef zu linken, zeigt: Es kann jeden treffen. Die Beamten sehen den Fall als Mahnung. Die Hintergründe.

Ausgerechnet den Chef der Polizei im Hochsauerlandkreis haben Betrüger versucht auszutricksen. Mittwoch, kurz nach 22 Uhr: Landrat Dr. Karl Schneider kommt gerade nach einem langen Arbeitstag nach Hause. Das Telefon klingelt. Am anderen Ende: die Polizei - allerdings die falsche Polizei. So werden bestimmte Trickbetrüger von den wirklichen Beamten bezeichnet.

Die Täter wenden eine besonders fiese Masche an, die schon lange läuft, aber immer wieder verfängt: Sie geben sich als Polizisten aus, erzählen eine erfundene Geschichte und am Ende wollen sie ihre Opfer dazu bringen, Wertsachen persönlich zu übergeben. Angeblich „aus Sicherheitsgründen“ - tatsächlich sind Bargeld und Schmuck danach weg.

Einbrecher in der Nachbarschaft

Dass die Betrüger geschickt vorgehen, bestätigte auch der Landrat. Er räumte im Gespräch mit unserer Zeitung ein: Im ersten Moment habe er geglaubt, dass ihn seine eigene Behörde anrufe, um ihn über eine aktuelle Lage zu informieren. Denn: Die Täter behaupteten, man habe in seiner Nachbarschaft in Schmallenberg drei Einbrecher festgenommen und bei ihnen seine Kontoauszüge gefunden. Vier Täter seien noch auf der Flucht. Schon nach kurzer Zeit wurde der Landrat allerdings skeptisch. Er fragte den Anrufer: „Wer sind Sie überhaupt genau?“

Bald darauf beendet der Polizei-Chef das Gespräch, er legte kurzerhand auf. Und wählte den echten Notruf. Damit habe er alles richtig gemacht, bestätigten ihm seine Mitarbeiter. „Wir empfehlen aufzulegen und die echte Polizei unter 110 zu alarmieren“, sagt Pressesprecher Sebastian Held.

Vermeintlich mitzuspielen und die Täter in eine Falle zu locken - davon rät Held ab. Eine damals 88-jährige Seniorin hatte einmal auf diese Weise in Meschede vor ein paar Jahren einen Betrüger beim Enkel-Trick zurück aufs Kreuz gelegt.

Der Mann wurde von der Polizei an ihrer Haustür festgenommen und später vom Amtsgericht zu einer Haftstrafe ohne Bewährung verurteilt. Die Sache ging seinerzeit gut aus - jedoch: „Man weiß nie, wie die Täter vor Ort reagieren“, warnt der Polizei-Pressesprecher.

Niemand kann sich schützen

Dass dieses Mal ausgerechnet der Polizei-Chef das Opfer einer Straftat werden sollte, sehen sowohl Dr. Schneider als auch seine Kollegen als Mahnung für alle in der Bevölkerung: „Es kann jeden treffen“, so Held. „Niemand kann sich vor solchen Anrufen schützen.“

Nach Erkenntnissen der Ermittler nutzen die Täter die Einträge in Telefonbüchern: Sie schauen nach Vornamen, die auf ältere Menschen schließen lassen. Sie suchen nach vierstelligen Rufnummern, weil diese schon lange vergeben sind. Und sie achten auf Berufsbezeichnungen im Eintrag - weil das früher angesagter als heute war.

An jenem Abend verzeichnete die Polizei zwei weitere Versuche mit dieser Masche in Schmallenberg und zwei in Sundern. Die Täter zu ermitteln, gilt als schwierig: Sie verschlüsseln ihre Anrufe sehr geschickt und befinden sich in der Regel im Ausland.

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