Alter

W-Lan und Tattoos – "Junge" Senioren verändern Altenheime

Ein Mann sitzt an einem Laptop - was früher daheim in der Wohnung möglich war, wird heute zum Teil schon in den Altenheimen verlangt. Dort wird mit W-Lan aufgerüstet.

Ein Mann sitzt an einem Laptop - was früher daheim in der Wohnung möglich war, wird heute zum Teil schon in den Altenheimen verlangt. Dort wird mit W-Lan aufgerüstet.

Foto: Ingo Otto

Meschede.   Eine neue Generation von Senioren kommt in die Altenheime. Sie hat andere Wunsche - auch in Meschede sind erste Auswirkungen zu spüren.

Altenheime müssen sich auf eine neue Generation von Bewohnern vorbereiten. Die Senioren von morgen wollen via W-Lan im Internet surfen. Die ehemals jungen Wilden haben teilweise Tattoos und manche hören nicht mehr Klassik oder Schlager, sondern Rock oder Punk. Auch im Hochsauerland beginnt der Umbruch - wenn auch langsam.

"Alter, was geht?" – Alle Folgen der Serie Seit Anfang dieses Jahres hat Andrea van der Lugt, Leiterin des Altenzentrums Lindenhofs in Meschede, eine Veränderung beobachtet: Zunehmend fragen neue Bewohner nach dem W-Lan-Passwort. Sie wollen von ihrem Zimmer aus im Internet surfen. Und: Sie schreiben Whats-App-Nachrichten, fast wie Jugendliche, nur etwas seltener.

Geburtsdatum aus den 60er-Jahren

Der Lindenhof ist einer der ersten Einrichtungen in der Kreisstadt, der eine neue Generation von Pflegebedürftigen erlebt. Zuletzt wurden mehrere vergleichsweise junge Menschen mit einem Geburtsdatum in den 60er-Jahren aufgenommen. Auch wenn dieser Zeitpunkt für ein Leben in einer Senioreneinrichtung früh ist: Diese Jahrgänge werden auf kurz oder lang überall zu Bewohnern.

„Das hat auch Auswirkungen auf die Küche“, hat van der Lugt festgestellt. Die Generation davor bevorzugt klassische deutsche Hausmannskost. Die danach findet Kartoffeln eher langweilig, wenn sie zu oft auf dem Speiseplan stehen. Es wird bei den Essenswünschen plötzlich nach Pasta gefragt - man war es gewohnt, beim Italiener zu essen oder sich selbst ein Gericht mit Nudeln zuzubereiten.

Tablett angeschafft

Zuletzt hat die Einrichtung an der Arnsberger Straße auch ein Tablet angeschafft - nutzbar für alle Bewohner. Der Effekt: Auch an Demenz erkrankte haben Freude an dem kleinen Computer, sie nutzen die Spiele, die darauf verfügbar sind. Das W-Lan-Netz ist ausgebaut - van der Lugt rechnet fest damit, dass die Nachfrage anhält und immer weiter steigen wird.

„Wir erleben auch diese Anfänge“, sagt Pflegeleiterin Alexandra Gierse vom Seniorenzentrum St. Elisabeth in Meschede. Die Frage nach dem W-Lan - noch ist sie selten, aber sie kommt vor. Und noch etwas: Sky ist auf einmal ein Thema. Bewohner wollen den Bezahlsender in ihrem Zimmer sehen, dort beispielsweise Fußball schauen wie früher.

Bundesliga und Kinofilme

Finanzieren müssen sich die Bewohner das kostenpflichtige Programm wie daheim selbst, aber möglich gemacht wird es, dass die Bundesliga und Kinofilme auf dem Bildschirm zu sehen sind. Auch die Internet-Verbindungen sind inzwischen aufgerüstet, beim letzten Umbau wurde darauf geachtet.

„Ja, diese Entwicklung kommt“, davon ist auch Pflegedienstleitung Bettina Westerkamp im DRK-Seniorenzentrum Bernhard-Salzmann-Haus in Meschede fest überzeugt. Doch an der Hünenburg geht der Generationswechsel noch gemächlich vonstatten. Bewohner, die 80 Jahre und älter sind, bringen dort noch keinen Computer mit, und sie haben auch kein Smartphone dabei. „Mit den nächsten Generationen“, weiß Westerkamp, „wird sich das ändern.“

Auch im Haus Velay in Meschede wird W-Lan angeboten, wie in allen Häusern der Korian-Gruppe. „Für das Haus Velay Meschede kann ich feststellen, dass die Annahme bisher im Promillebereich liegt“, sagt Einrichtungsleiter Dirk Witte. „Ich würde vermuten, dass die Nachfrage erst in zehn Jahren nennenswerte Zahlen erreicht“, meint er. Jüngere Kurzzeitpflegegäste und Angehörige fragten momentan nach W-Lan.

Jugendlich in den 50ern

Auch der Musikgeschmack bleibe noch beim deutschen Schlager - da die aktuelle Generation in Seniorenheimen in den 50er-Jahren jugendlich war. „Am ehesten ist eine Veränderung bei der Speisenversorgung zu verzeichnen“, berichtet Witte. „Hier steigen die Ansprüche, während man sich vor 10 bis 15 Jahren noch mit allem zufriedengegeben hat. Die Generation wird selbstbewusster im Artikulieren ihrer individuellen Wünsche.“

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