Rückblick

„Unzulänglich“: Oberkreisdirektor in Meschede suspendiert

Die erste Wahl zum Kreistag in Meschede nach dem Zweiten Weltkrieg: Die CDU erhält darin 37 Sitze, die SPD hat 2.

Die erste Wahl zum Kreistag in Meschede nach dem Zweiten Weltkrieg: Die CDU erhält darin 37 Sitze, die SPD hat 2.

Foto: Jürgen Kortmann

Meschede.  In Meschede wird der Oberkreisdirektor suspendiert, es fehlt Wohnraum, ein Schnapsbrenner in Wenholthausen empört sich - die Woche vor 74 Jahren.

Über diese Themen berichteten wir vor 74 Jahren im Lokalteil.

„Für den einfachen Mann“

In Meschede kommt die frei gewählte Amtsvertretung nach dem Krieg zu ihrer ersten Sitzung zusammen. Amtsbürgermeister Engelbert Dick wird wiedergewählt. Der britische Kreiskommandant Major Christian sagt: „Sie müssen sich bei Ihrer Arbeit stets vor Augen halten, dass Sie die Vertreter des einfachen Mannes von der Straße sind.“

OKD wird suspendiert

Gewählt wird auch ein neuer Kreistag: Die CDU erhält 37 Sitze, die SPD 2. Die Militärregierung in Arnsberg suspendiert den Oberkreisdirektor des Kreises Meschede, Jakob Kloos, wegen „Unzulänglichkeit“ vom Dienst.

Neuanfang bei Gewerkschaft

Ein Jahr besteht jetzt der Deutsche Gewerkschaftsbund im Kreis Meschede: Zwölf Männer hatten ihn 1945 im Lokal Bertram gegründet. Seitdem sind die einzelnen Industrieverbände organisiert worden. 350 Sparten aus den Jahren vor 1933 stehen jetzt 14 gegenüber. Ein Drittel der etwa 10.000 Beschäftigten ist bereits im DGB organisiert.

Strafe für Schwarzbrenner

300 Mark Strafe muss ein Mann aus Wenholthausen zahlen, der nachweislich bis 1945 Branntwein hergestellt hatte. Auch seine Brennapparate werden beschlagnahmt. Er behauptet, doch nur 5 Liter Schnaps aus Rüben oder Himbeeren gebrannt zu haben.

Heimatmuseum zieht um

Das Heimatmuseum in Eversberg ist bisher in einem provisorisch hergerichteten Schulraum untergebracht. Künftig soll es in das Bauernhaus Dolle umziehen, das dafür bereits 1939 gekauft worden war.

Undankbarer Posten

Den undankbarsten Posten in der Verwaltung in Meschede hat der Leiter des Wohnungsamtes, Goeke: Es gibt zu wenig Wohnraum - umgerechnet stehen jedem in Meschede gerade 5 Quadratmeter zur Verfügung. 3800 ausgebombte Mescheder, 1700 Flüchtlinge, 1500 Evakuierte und 200 Soldaten aus dem Osten müssen zusätzlich untergebracht werden.

Kuh stirbt an Stromschlag

In Bremke muss eine Familie einem Arbeiter dessen einzige Kuh ersetzen: Sein Tier hatte auf einer Weide auf ein schlecht isoliertes Starkstromkabel getreten und wurde getötet.

Neuer Krankentransport

Im Kreis Meschede wird der Kranken- und Unfalltransport den Freiwilligen Feuerwehren übertragen. In Meschede, Bestwig und Schmallenberg werden dafür eigene Meldestellen eingerichtet, die Tag und Nacht erreichbar sind.

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