Stalking

Stalkerin wird von Pfarrer auch keine Kommunion erhalten

Die Stalkerin im Amtsgericht Meschede: Über sich gab die 76-Jährige nichts preis.

Die Stalkerin im Amtsgericht Meschede: Über sich gab die 76-Jährige nichts preis.

Foto: Andreas Buck

Freienohl.  Nach dem Prozess gegen seine Stalkerin bleiben bei Pfarrer Michael Hammerschmidt in Freienohl die Sorgen: „Es nimmt und nimmt kein Ende.“

Am Tag 1 nach dem Urteil gegen seine Stalkerin ist nichts passiert auf dem Grundstück von Pfarrer Michael Hammerschmidt in Freienohl. Sorgen macht er sich dennoch für die Zukunft: Er rechnet damit, dass die 76-Jährige weitermachen und ihm nachstellen wird – auch wenn das Amtsgericht Meschede sie, wie berichtet, zu einer Bewährungsstrafe von neun Monaten und einem Kontaktverbot verurteilt hat.

Anwalt rät zum Runden Tisch

Hammerschmidt fühlt sich durch das Urteil nicht sicher. Denn der Verteidiger der Frau, Michael Babilon aus Arnsberg, hat noch während des Prozesses angekündigt, dass er Rechtsmittel dagegen einlegen werde: Damit muss das Landgericht Arnsberg das Mescheder Urteil überprüfen. Und bis dahin ist das Urteil auch nicht rechtskräftig: Solange würde die Frau also auch keinen Verstoß gegen die Bewährungsauflagen aus dem Urteil begehen, wenn sie erneut aktiv würde. Der Pfarrer verzweifelt juristisch: „Es nimmt und nimmt kein Ende. Wir werden uns also vor Gericht wiedersehen.“ Der Anwalt hatte gegenüber Medien gesagt, der Pfarrer könne doch beispielsweise ein Gespräch am Runden Tisch mit der Frau suchen. Gegenüber unserer Zeitung sagt Hammerschmidt dazu: „Was soll ich mit der am Runden Tisch sitzen? Die weiß doch, dass ich keinen Kontakt mit ihr will.“

Den Auslöser für ein erneutes Gerichtsverfahren gegen die Stalkerin, die bisher als schuldunfähig eingestuft wurde, hat offenbar ein Vorstoß des Pfarrers im vergangenen Herbst bewirkt. Denn Hammerschmidt hatte sich an den Petitionsausschuss des Landtags gewendet, und seinen Fall dort ungeschminkt schildern dürfen. Für den Verteidiger ist das „kein faires Verfahren“.

Störung der Gottesdienste

Der Pfarrer sagt, er werde sich auch nach dem Urteil immer noch ständig umsehen und nach der Frau Ausschau halten müssen. Offen ist auch, wie es in den Kirchen bei Gottesdiensten weitergehen wird. Die Stalkerin hat bisher regelmäßig die Messen besucht, die Hammerschmidt zelebrierte. „Sie stört permanent“, sagt der Pfarrer – allerdings auf subtile Art und Weise: Sie komme permanent zu spät, singe und antworte bei Fürbitten beispielsweise immer versetzt zu den anderen Gottesdienstbesuchern, um aufzufallen und stelle sich bei der Kommunion grundsätzlich dort an, wo er sie austeile; auch wenn es einen anderen Kommunionhelfer gebe.

Hammerschmidt weigert sich, ihr die Kommunion zu erteilen – auch künftig: „Sie missbraucht das Heiligste, was wir Katholiken haben, für ihre Darstellung.“

Dazu kommt: Der Pfarrer fürchtet, dass sie ihm zu nahe kommt – er sieht sich als attentatsgefährdet an, weil ja nicht vorhersehbar sei, ob sie womöglich eines Tages auch ein Messer zücken könnte. Er sieht immer zu, Abstand zu halten: „Die Frau ist unberechenbar.“ Die provokante Art des Auftritts im Gottesdienst passt zu der Form der Persönlichkeitsstörung, die Gutachter Dr. Josef Leßmann bei ihr attestiert: „Menschen mit dieser Störung präsentieren sich gerne in der Öffentlichkeit. Sie können sich gut in Pose bringen und gut darstellen.“ Bis zuletzt verstreute die Frau auch immer Rosen auf der Kirchentreppe.

Die Frau schweigt

Beim Schützenfest und beim Neujahrsempfang, an denen der Pfarrer auch teilnimmt, wird darauf geachtet, dass die Frau nicht in die Schützenhalle gelangt. Über die Frau wurde vor Gericht wenig bekannt, weil sie selbst nichts von sich preisgeben wollte: Sie ist gebürtig aus dem Ruhrgebiet, lebt in Freienohl, ist geschieden. Sie gab an, Rentnerin zu sein, sie verweigerte auch die Aussage, von wieviel Geld sie lebe.

>>>HINTERGRUND<<<

Von Anfang an hatte Pfarrer Michael Hammerschmidt auch das Generalvikariat in Paderborn über die Belästigungen durch die Frau informiert.

Den Beginn gab es, als der Pfarrer an das Sterbebett des Vaters der Frau gerufen wurde.

Danach sei ihm die Frau auffallend oft begegnet, als er joggte. Dann begannen die vielen sexuellen Anzüglichkeiten.

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