Natur

Stadt Meschede darf Eichen in Remblinghausen nicht fällen

Diese schönen Eichen stehen in Remblinghausen.

Diese schönen Eichen stehen in Remblinghausen.

Foto: Volkmar Brockhaus

Meschede.   In Meschede ist die Zahl der besonders geschützten Bäume in zehn Jahren um zwei Drittel geschrumpft. Jetzt hat der Kreis sein Veto eingelegt.

Es gibt immer weniger prächtige Bäume: Die Zahl an besonders erhaltenswerten Bäumen ist im Kreisgebiet innerhalb von zehn Jahren um 82 auf inzwischen nur noch 142 zurückgegangen. Das geht aus der neuen Naturdenkmalverordnung hervor, die der Kreistag jetzt verabschiedet hat. Durch diese Verordnung werden Prachtbäume geschützt.

Wer dagegen verstößt, kann mit einer Geldbuße von bis zu 7500 Euro pro Baum bestraft werden. Einen Dämpfer bekam die Stadt Meschede vom Kreis: Die Stadt wollte vorsorglich zwei Eichen in Remblinghausen beseitigen, scheiterte damit aber im Kreishaus.

Einzelschöpfung der Natur

Nicht allein das Alter ist das entscheidende Kriterium, wann Bäume zu einem Naturdenkmal werden: Laut Landschaftsgesetz müssen sie „Einzelschöpfungen der Natur“ sein – also besonders schön oder selten und durch ihre Eigenarten die Umgebung prägen.

Die neue Verordnung des Kreises listet alle 142 aktuellen Baumdenkmäler auf. Die Liste ist zuletzt 2007 aufgestellt worden. Seitdem ist sie um 82 Prachtbäume geschrumpft: Weil ihre Kronen zum Beispiel in der Zwischenzeit gekappt werden mussten, sie im Sturm umstürzten, dem Schwefelporling zum Opfer fielen – oder, im Fall einer Linde in Wiemeringhausen, sie sogar vergiftet wurden.

Pflegekosten trägt der Kreis

In der Zwischenzeit hat sich auch gesetzlich etwas getan: Bereits 2009 regelte das neue Landschaftsgesetz in NRW, das die Verkehrssicherungspflicht für ein Denkmal mittlerweile nicht mehr bei einer Kreisverwaltung, sondern bei den Eigentümern liegt. Redaktionell wird das jetzt in die neue Naturdenkmal-Verordnung aufgenommen. Die Pflegemaßnahmen an Naturdenkmälern trägt der Kreis.

Besonders krass fällt die Bilanz im Stadtgebiet von Meschede aus: Die Zahl der Naturdenkmäler ging von 32 auf nur noch zehn zurück – vier Eichen nördlich von Heinrichsthal, jeweils eine Buche und eine Eiche in Heinrichsthal, eine Buche in Wehrstapel, außerdem drei Eichen in Remblinghausen.

Aus der Denkmalverordnung entlassen

Und diese Zahl sollte nach dem Willen der Stadtverwaltung weiter reduziert werden: Sie hatte beim Kreis beantragt, zwei der drei geschützten Eichen in Remblinghausen wegen ihres Gesundheitszustandes schon „vorausschauend“ aus dem Schutz der Denkmalverordnung zu entlassen.

„Vorausschauend“ deshalb, so das Argument der Stadt, weil sich ein offizielles Entlassungsverfahren zwei Jahre hinziehe, die Stadt aber in die Lage versetzt werden möchte, „aus Gründen der Verkehrssicherungspflicht schnell eingreifen zu können und die Bäume rechtzeitig fällen zu können.“

Bäume sind vital

Betroffen gewesen wären die Eichen an der Einmündung Hinterm Saal/Wulsterner Straßen sowie Am Kamphof. Die Kreisverwaltung weigerte sich in beiden Fällen: „Die Eingabe begründet sehr allgemein, dass der Baum keine gute Zukunftsaussicht habe und nicht gesund sei“, heißt es über beide. Sie wären aber vital, zeigten „keine verdächtigen Merkmale, die auf Mängel in der Gesundheit und Sicherheit hindeuten“, argumentierte der Kreis.

>> HINTERGRUND

Im Paragraf 22 des Landschaftsgesetzes NRW heißt es:

Als Naturdenkmale werden Einzelschöpfungen der Natur oder entsprechende Flächen bis fünf Hektar festgesetzt, soweit ihr besonderer Schutz

a) aus wissenschaftlichen, naturgeschichtlichen, landeskundlichen oder erdgeschichtlichen Gründen oder

b) wegen ihrer Seltenheit, Eigenart oder Schönheit erforderlich ist.

Die Festsetzung kann auch die für den Schutz des Naturdenkmals notwendige Umgebung einbeziehen.

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