Diebstähle an Lkw

Spritdiebe: Mescheder Polizei beweist richtigen Riecher

Am Amtsgericht Meschede ist ein Spritdieb verurteilt worden. Der Sprit soll für den eigenen Gebrauch gewesen sein.

Am Amtsgericht Meschede ist ein Spritdieb verurteilt worden. Der Sprit soll für den eigenen Gebrauch gewesen sein.

Foto: Jürgen Kortmann / WP

Meschede.  Eine ganze Reihe von Diesel-Diebstählen an Lkw im Gewerbegebiet Enste beschäftigte die Polizei in Meschede. Der Täter kommt aus Eslohe.

Für diese Geldstrafe hätte er auch reichlich Sprit an einer Tankstelle kaufen können. 2000 Euro muss ein 35 Jahre alter Mann aus Eslohe nach Diesel-Diebstählen bezahlen. Ende 2018/Anfang 2019 beschäftigte eine Reihe von Treibstoff-Diebstählen im Stadtgebiet die Mescheder Polizei. Zumindest für vier davon ist der 35-Jährige verantwortlich gewesen, zusammen mit einem 21-Jährigen aus Meschede.

Tanks nicht verschlossen

Lkw-Fahrer hatten es dem Duo leicht gemacht: Die beiden zapften den Diesel an Lastwagen ab, deren Tanks nicht verschlossen gewesen waren. Zwei gemeinschaftliche Diebstähle im Gewerbegebiet Enste waren ihnen nachzuweisen, in zwei weiteren Fällen waren es versuchte Diebstähle, so das Urteil von Richter Dr. Sebastian Siepe am Amtsgericht Meschede. Der 35-Jährige räumte die Taten ein. Der Diesel, mit Schläuchen aus den Tanks von ihnen abgesaugt und in kleine Kanister gefüllt, sei zur eigenen Verwendung gewesen. Das Verfahren gegen seinen jüngeren Komplizen war vom Jugendgericht gegen Zahlung einer Geldauflage vorläufig eingestellt worden.

Die Polizei bewies mehrfach den richtigen Riecher. Erstens hier: Frühmorgens Anfang Januar fuhr ein 41 Jahre alter Polizist mit seiner Kollegin Streife in Enste. An der Straße Am Steinbach hatten sich zuvor mehrere Diesel-Diebstähle ereignet: Hier stehen häufig Lkw, die zum Abfallentsorger Rabe wollen. Eingangs am Kreisverkehr kam ihnen ein BMW entgegen, dessen Fahrer sich auffällig verhielt, als er die Polizei sah: Er fuhr denselben Weg wieder zurück. Er wurde beim Sporthaus Pilz angehalten. Am Steuer saß der 35-Jährige. Im Auto fand sich zwar ein Meißel, aber nichts weiter Verdächtiges wie Schläuche oder Kanister: „Es war eine komische Situation, aber es gab nichts Konkretes“, so der Polizist. Möglicherweise wollte der 35-Jährige am Steinbach den nächsten Tatort auskundschaften.

Der zweite Beweis für den richtigen Riecher: Weil die Polizei ohnehin beim Sporthaus war, schaute sie gegenüber bei Fahrzeugbau Dünschede vorbei. Dort standen auch Lastwagen. An einem Fahrschul-Lkw entdeckten beide Polizisten einen geöffneten Tank. War das Zufall?

Sie fuhren hinter das Gelände, kontrollierten weitere Fahrzeuge. Als sie wieder nach vorne kamen, war da plötzlich ein Mann am Fahrschul-Lkw: Der heute 21-Jährige. Hier war kein besonderer Riecher erforderlich: Der Mann stank nach Diesel. Er leugnete zunächst, etwas mit Diebstählen zu tun zu haben - er sei beim Pinkeln über einen Kanister gestolpert. Zwischen den Lkw fand sich aber ein Kanister, getarnt: Von den Dieben schwarz gestrichen und direkt neben dem schwarzen Reifen.

Sein Handy war ihm wichtiger

Hier fand sich auch ein Absaugschlauch. Jetzt war nichts mehr mit Leugnen: Der junge Mann gestand, angestiftet habe ihn der 35-Jährige - den die Polizei ja zuvor angehalten hatte und der offenbar von diesem Tatort gekommen war. Richtig Sorge hatte der junge Mann nachher davor, dass für weitere polizeiliche Untersuchungen sein Handy beschlagnahmt werden sollte. Denn erfahrungsgemäß werden Straftaten über das Handy besprochen. „Wie lange dauert das denn?“, fragte er die Polizei. „Das kann länger dauern“, sagte man ihm. So lange wollte er aber nicht aufs Handy verzichten. Deshalb wies er die Polizei von sich aus auf den Chat mit dem 35-Jährigen hin. Die gewann dadurch auch Hinweise auf andere Diebstähle. Und der Jüngere bekam sein ihm so wichtiges Handy zurück.

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