Senioren-Technik-Treff

So fährt Oma per Tablet mit in den Urlaub

Gut besucht ist der Mescheder Bürgertreff Campus: Senioren lernen beim Mescheder Technik-Treff den Umgang mit Smartphone, Tablet und Co.

Gut besucht ist der Mescheder Bürgertreff Campus: Senioren lernen beim Mescheder Technik-Treff den Umgang mit Smartphone, Tablet und Co.

Foto: Privat

Meschede.  Wie bediene ich ein Tablet? Was kann ich beim Smartphone einstellen? Senioren bekommen hierbei Hilfe in Meschede - beim Technik-Treff.

Das iPad ist Renate Hebbemanns bestes Stück. Gekonnt öffnet die 85- jährige Meschederin mit einem Klick die Foto-App auf dem handlichen Computer. „Schau mal, das Foto hat mir meine Tochter aus dem Urlaub geschickt. Ich hab nur ein Schild wegretuschiert und dafür Schrift eingesetzt“, sagt sie, als ob das nichts wäre. Freundin und Tischnachbarin Margarete Grunz ist begeistert. „Das möchte ich auch können“, sagt sie. Und genau deswegen ist sie ja auch an diesem Tag in den Mescheder Bürgertreff Campus gekommen.

Jeden zweiten Mittwoch im Monat findet dort nämlich ab 16 Uhr der Senioren-Technik-Treff statt. „Senioren erklären Senioren die Technik“, ist das Motto der Veranstaltung, die laut Franz Brieden bei den Mescheder Senioren gut ankommt. Er organisiert gemeinsam mit Klaus Leskau den Treff, zu dem die Teilnehmer Smartphones, Tablets oder auch schon mal Navigationsgeräte mitbringen, mit denen sie nicht zurecht kommen. Im Bürgertreff bekommen sie dann Hilfe.

Über Stammkunden

„Die Senioren bekommen die Geräte oft von ihren Kindern geschenkt. Die haben dann aber meist nicht die Geduld die Technik in Ruhe zu erklären. Den Part übernehmen daher wir“, erklärt Brieden. Entstanden ist der Techniktreff übrigens vor ein paar Jahren aus einer Gruppe von Funkamateuren. „Wir haben uns damals getroffen, um den Frauen die Technik zu erklären, dann kamen immer mehr Leute, und so ist irgendwann der Techniktreff entstanden“, sagt Brieden. Getroffen hat sich die Gruppe damals noch am Lörmecke-Turm. Die Anreise war für die Senioren aber zu umständlich, so wurde der Treff ins Mescheder Bürgerzentrum verlegt.

Seit dem ist auch Renate Hebbelmann dabei. „Sie ist sozusagen unsere Stammkundin“, sagt Brieden. Wobei Stammkundin nicht ganz richtig ist, denn die Veranstaltung ist kostenlos. Die technische Hilfe bieten Freiwillige an, oder man hilft sich gegenseitig. Für die allein lebende Renate Hebbelmann hat der Technik-Treff eine neue Welt eröffnet, denn per I-Pad ist sie jetzt ständig in Kontakt mit Kindern und Enkelkindern, die weit weg wohnen. Sogar auf Reisen der Familie ist sie jetzt virtuell dabei. „Das I-Pad ist das, was mich am leben hält. Sonst wäre ich schon längst im Heim. Es gibt mir einfach Lebensqualität“, sagt sie.

Und selbst die anderen Teilnehmer staunen, wie sicher die 85-Jährige im Umgang mit dem Tablet ist. E-Mails schreiben, Fotos bearbeiten, Videos aufnehmen und zu kleinen Filmen verarbeiten, Textnachrichten verfassen — für Hebbelmann kein Problem mehr. Gelernt hat sie das alles im Technik-Treff. Beate Sommer (75) ist an diesem Tag zum ersten Mal zu Gast beim Treffen im Bürgerzentrum. Mit dabei hat sie ihr Tablet. „Ich kann noch nicht so viel, aber ich möchte das hier lernen“, sagt sie. Im Alltag hat Sommer gemerkt, das es ohne moderne Technik einfach nicht mehr so gut geht. „Ich treffe mich zum Beispiel regelmäßig mit alten Arbeitskollegen, die haben eine WhatsApp-Gruppe. Mich müssen sie immer anrufen, um mich über Termine oder Ähnliches zu informieren. Ich kriege dann aber trotzdem einfach die Hälfte nicht mit“, so die Rentnerin. Und genau das soll sich eben jetzt ändern.

Die beiden Organisatoren Franz Brieden und Klaus Leskau gehen gemeinsam mit anderen freiwilligen Helfern von Tisch zu Tisch, um Fragen zu beantworten und Probleme zu lösen. Beate Sommers Tablet ist schon recht alt und langsam. Ein neues soll her. Aber welches? Auch in solchen Fragen geben die Organisatoren Rat. Das schätzt auch Jost Brockmeier. Der Rentner ist von Anfang an dabei und kommt immer dann, wenn er technische Probleme hat, die beseitigt werden müssen. „Ich hatte Probleme mit meinen E-Mails, sie liefen einfach nicht mehr ein“, sagt er. Das Problem war beim Technik-Treff schnell gelöst.

So sind Franz Brieden und Klaus Leskau übrigens auch nicht enttäuscht, wenn jemand mal nicht mehr zu den Treffen kommt. „Das bedeutet ja in der Regel nur, dass sie dann gut mit ihrem Gerät klarkommen“, sagt Brieden und lächelt. Das Konzept baut ganz auf Freiwilligkeit auf. Jeder darf kommen, keiner muss. Renate Hebbelmann lässt übrigens in der Regel kein Treffen aus - auch wenn sie schon ein Profi am Tablet ist. Der Treff ist auch Geselligkeit. So backt sie für jedes Treffen einen Kuchen. Nach eineinhalb Stunden Technik-Hilfe geht es nämlich zum gemütlichen Teil des Treffs über, dann wird bei Gebäck und Kaffee gemütlich geschnackt - wie früher, ganz ohne technische Hilfsmittel.

>>> Weitere Informationen

Der Senioren-Technik-Treff findet jeden zweiten Mittwoch im Monat von 14 bis 16 Uhr im Bürgertreff Campus statt, Kolpingstraße 20. Die Organisatoren suchen immer freiwillige Helfer, die Lust haben, Senioren die Technik zu erklären. „Das dürfen auch gerne Schüler sein“, sagt Franz Brieden. Wer Interesse hat, kann sich unter E-Mail: mail@igtec.info oder unter 02903/41064 bei dem Organisator melden.

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