Königsblau

S04-Fans: „Als Schalker musst du leiden können“

Die Mannschaftsaufstellung von links: Michael Struwe. Günter Nowak, Nils Kerstholt, Jana Demandt, Christoph Ullrich, Ben Vieth, Volkmar Vieth und Michael Demandt.  

Die Mannschaftsaufstellung von links: Michael Struwe. Günter Nowak, Nils Kerstholt, Jana Demandt, Christoph Ullrich, Ben Vieth, Volkmar Vieth und Michael Demandt.  

Foto: Ilka Trudewind

Wennemen/Oeventrop.   Warum ein Schalke-Fanclub aus dem Sauerland derzeit immer Mitglieder gewinnt, obwohl die Fußball-Profis momentan fast alles verlieren.

Diese Atmosphäre bei den Freitagsspielen. Wenn es langsam dunkel wird, Handys und Feuerzeuge die Arena mit Sternen fluten und dann das Steigerlied erklingt... Glückauf, Glückauf... „Da bekomme ich Gänsehaut. Jedes Mal“, sagt Jana Demandt (24). Sie reibt sich den Arm unter ihrem Königsblauen-Kapuzenpulli. Denn von dieser Stelle breitet sie sich aus, diese S04-Gänsehaut. Wie ihr Vater Michael, Vorsitzender des Fanclubs „Königsblaue Treue Wennemen“, ist sie glühende Anhängerin des Fußballvereins aus Gelsenkirchen.

„Schalker wirst du nicht. Als Schalker wirst du geboren“, sagt Michael Struwe. Sein Schnauzbart schmunzelt. Vor ihm steht ein frisches Pils. An

diesem Abend in der Fankneipe Wennemer Treff fallen viele solcher Sätze. Wenige Worte, große Gefühle. „Einmal Schalke, immer Schalke“ steht auf Michael Demandts Koffer, aus dem er den Fanclub verwaltet. Einer der größten im Verband der S04-Fanclubs (SFCV), und mit seinen aktuell 512 Mitgliedern zu den größten des Sauerlandes. Die Mitgliederzahlen steigen konstant, auch in diesem schwierigen Schalkejahr. „In schweren Zeiten musst du Schalker sein, in guten haben wir genug davon“, sagen sie in der Nordkurve.

500. Mitglied kommt aus Oeventrop

In der letzten Versammlung zeichnete Michael Demandt, den alle Mike nennen, das 500. Mitglied aus. Ben Vieth (13) aus Oeventrop. In der

Grundschule war er mal kurz für Bayern. „Ich weiß auch nicht, was da mit mir los war“, sagt er und grinst in die Runde. Ben ist nach einer Fahrt mit dem Fanclub gleichzeitig mit Papa Volkmar (Mitgliedsnummer 499) eingetreten. Noch im Bus. 3:1 gegen Hannover. Ein Sieg. Das waren noch Zeiten. Im vergangenen November ahnte noch keiner, welche Unter-Tage-Fahrt vor den Schalkefans liegt. Die Stimmung im Bus sei nach Niederlagen kurz gedrückt. Schnell kehre der Spaß zurück.

Ein stolzer Familienverein

„Bei uns geht es zivilisiert zu“ , sagt Mike Demandt. Mit Stolz erzählt er von seinem Fanclub für alle. Die Preise seien human, der gegenseitige Vertrauen enorm, der Auftritt im nationalen Veltins-Werbespot unvergessen, die Vereinsfeste mit Hüpfburg der Knaller. Auch 16 Bewohner des Josefsheims in Bigge gehören selbstverständlich dazu. Noch bevor irgendwer von Inklusion sprach. Regelmäßig fahren die Menschen mit Behinderungen mit zu Spielen. Demandt: „Ihr Herz schlägt nicht anders für Schalke als unseres.“ Gründungsmitglied Günter Nowak knüpfte damals den Kontakt nach Bigge. Er wollte nach einem schweren Unfall etwas zurück geben.

Erinnerungen an die verpasste Meisterschale 2001

„Als Schalker musst du leiden können“, sagt Christoph Ullrich (57), ein breitschultriger Typ vor Kopf. Über ihn sagen sie, dass er immer für den Fanclub da ist. Tag und Nacht. Zusammen habe man schon so viel durchgemacht. Allein diese verpasste Meisterschaft 2001. Jeder am Tisch (Ben ausgenommen), weiß noch, wo er war, als Schalke für 4 Minuten und 38 Sekunden deutscher Meister war. Struwe guckte das Spiel damals in der Schützenhalle in Oeventrop und hielt nachher seinen schluchzenden Sohn Daniel im Arm. Struwe winkt ab. Vorbei. Bringt ja nix.

Kramer-Zwillinge, Theo Bücker, Rüdiger Abramczik

Wir sind eine gute Mannschaft, wenn man das nur vom Verein sagen könnte“, sagt Nils Kerstholt, Kassierer, über den Fanclub. Zu sagen, er wäre mit der Leistung der Profis unzufrieden, wäre höflich. Das Gespräch am Tisch überschlägt sich, Zitate sind nicht mehr zuzuordnen. Die Spieler seien einfach keine Schalker mehr. Sie spielten für Geld, nicht für den Verein. Jeder kämpfe für sich. Die Kramer-Zwillinge, Theo Bücker, Rüdiger Abramczik – das seien noch Schalker gewesen. Niederlagen seien nicht schlimm, wenn wenigstens gekämpft würde. Themenwechsel, Revier-Derby gegen Lüdenscheid.

„Freitags haben alle den Kopf oben, montags den Kopf unterm Arm“, sagt Mike Demandt. So sei das nach den Derbys. Der Name des schwarz-gelben Mitbewerbers fällt nur ein Mal an diesem Abend. Als einer sagt: „Meine beiden Söhne sind Dortmunder.“ Wird diskret behandelt. Versprochen.

Der Fanclub in Zahlen:

  • 4 Auswärtsfahrten. Der Fanclub fährt jährlich gemeinsam zu vier Auswärtsfahrten. Darunter auch eine längere Tour mit zwei Übernachtungen wie zuletzt nach Nürnberg.


  • 83 Jahre. Das älteste Mitglied fährt auch regelmäßig mit ins Stadion. Zuletzt auch mit nach Nürnberg.


  • 65-70 Karten (inklusive Dauerkarten). Pro Spiel kann der Fanclub für seine Mitglieder viele Karten organisieren. Zwei Drittel dieser Plätze befinden sich in der Nordkurve.
  • 6 Euro. Der Jahresbeitrag für Jugendliche liegt bei sechs Euro. Erwachsene zahlen 18 Euro.


  • 2 Pausen. Am Haarstrang und an der A2 (Hohenhorst) stoppt der Bus auf dem Weg in die Arena.


  • 80 Cent. Mehr kosten die Getränke – mit und ohne Alkohol – im Bus nicht.


  • 30 Jahre. Am 16. Februar 2020 wird der Fanclub Königsblaue Treue Wennemen bereits 30 Jahre alt. Das wird groß gefeiert.

Kontakt zum Fanclub: https://www.koenigsblauetreue.de/

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