Prozess

Missbrauch: „Ich musste es über mich ergehen lassen“

Der angeklagte Mescheder muss sich wegen sexuellen Missbrauchs seiner Stieftochter verantworten. Bisher streitet er die Taten ab.

Der angeklagte Mescheder muss sich wegen sexuellen Missbrauchs seiner Stieftochter verantworten. Bisher streitet er die Taten ab.

Foto: Volker Hartmann

Meschede/Warstein/Arnsberg.   Seit ihrem achten Lebensjahr soll eine heute 16-Jährige von ihrem Stiefvater, einem Mescheder, mehrmals pro Woche vergewaltigt worden sein.

Der vierte Verhandlungstag vor dem Landgericht Arnsberg wegen sexuellen Missbrauchs seiner minderjährigen Stieftochter verlief nicht zu Gunsten des 51-jährigen angeklagten Mescheders.

Zum einen wurde sein Antrag zurückgewiesen, ihn von seinem Pflichtverteidiger zu entbinden, und zum anderen wurde er durch die Zeugenaussage der Vernehmungsbeamtin der Kriminalpolizei belastet.

Sein pauschaler Antrag, den Pflichtverteidiger von seinem Amt zu entbinden, weil das Vertrauensverhältnis gestört sei, reiche nicht aus, so der Vorsitzende Richter. Die dafür notwendigen konkreten Gründe habe der Angeklagte nicht vorgebracht. Zudem habe er sich bereits während des Ermittlungsverfahrens von einem Anwalt getrennt. Den jetzigen habe er sich selbst ausgesucht.

Stieftochter erneut vernommen

Das Gericht sah es als erforderlich an, das mutmaßliche, heute 16-jährige Opfer ein zweites Mal als Zeugin zu hören. Wie schon beim ersten Mal wurde die Öffentlichkeit ausgeschlossen. Der Angeklagte wurde aus dem Gerichtssaal entfernt und verfolgte die Übertragung von einem Nebenraum aus. „Es muss befürchtet werden, dass die Jugendliche in Gegenwart des Angeklagten keine Angaben machen wird“, so der Vorsitzende.

Polizeibeamtin sagt aus

Nach Wiederherstellung der Öffentlichkeit sagte die Kriminalbeamtin als Zeugin aus, die die Jugendliche nach Bekanntwerden des Vorfalls vernommen hatte. Sie hatte damals den Angeklagten, ihren Stiefvater, einen Busfahrer aus Meschede, belastet. Ihr Schicksal habe mit acht Jahren schon begonnen, etwa jeden zweiten Tag habe sie ihm zu Willen sein müssen. Er habe sie in Abwesenheit der Mutter im Bad, Wohn- und Schlafzimmer und zweimal im Pkw entkleidet und vergewaltigt. „Ich musste es über mich ergehen lassen, es schnell zu Ende bringen“, sagte das Mädchen zur Polizeibeamtin.

Häusliche Gewalt in der Familie an der Tagesordnung

„In der Familie, die zur Tatzeit in Warstein lebte, hat es häufig häusliche Gewalt gegeben. Um den vier Kindern den nötigen Schutz zu geben, hat sich das Jugendamt eingeschaltet“, gab ein Vertreter dieser Behörde als Zeuge an. Im Verlauf der Betreuung habe man im Jugendamt im Oktober 2017 erstmals von den sexuellen Übergriffen gehört.

Wahrscheinlich wird am fünften Verhandlungstag ein weiterer Zeuge vernommen. Sodann könnten auch die beiden Sachverständigen zu Wort kommen. Sie werden ein Wahrheitsgutachten über das mutmaßliche Opfer und ein Gutachten über die Schuldfähigkeit des Angeklagten abgeben.

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