Sexuelle Belästigung

#metoo - Tanzschüler haben inzwischen Angst vor Berührungen

Menschen demonstrieren hierin Los Angeles während eines „#MeToo"-Protestmarsches gegen sexuelle Gewalt und Belästigung am Arbeitsplatz.

Menschen demonstrieren hierin Los Angeles während eines „#MeToo"-Protestmarsches gegen sexuelle Gewalt und Belästigung am Arbeitsplatz.

Foto: DAMIAN DOVARGANES / dpa

Meschede/Arnsberg.  Die #metoo-Debatte erreicht die Tanzschulen. Berichtet wird von verunsicherten jungen Leuten, die Angst vor Berührungen haben.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Die Metoo-Debatte stellt auch die Tanzschule Marohn im Unterricht mit Jugendlichen vor neue Herausforderungen. Mehr als 200 Jugendliche feierten jetzt ihre ersten großen Abschlussbälle der Grundkurse in den Gesellschaftstänzen. Groß herausgeputzt mit schicker Frisur, festlichem Kleid und oftmals mit „hohen Hacken“ erwarteten die jungen Männer im Anzug mit Schlips oder Fliege ihre Tanzpartnerinnen zum Discofox, Cha Cha Cha oder Walzer.

Nicht mehr selbstverständlich

Stolze Eltern begleiteten Ihre Sprösslinge, die selbstbewusst ihr tänzerisches Können präsentierten. Paarweise zu Tanzen sei bei der Jugend absolut „in“, berichten die Organisatoren. Doch so selbstverständlich wie auf dem Abschlussball zusammen getanzt wird, ist es in den ersten Unterrichtsstunden nicht.

Klassischer Weise kommen die Schülerinnen und Schüler der Stufe neun der ortsansässigen Schulen zu den Tanzkursen, so Ralph Marohn. „In der Schule haben sie gerade die #Metoo-Debatte intensiv kennengelernt. Doch Theorie und Praxis liegen weit auseinander. Die Jugendlichen lernen in der Tanzfabrik praktisch angewandte soziale Kompetenz. Sie wissen aber oftmals leider nicht mehr, wie sie mit anderen Menschen umgehen sollen und sind eher mit sozialen Netzwerken vertraut, so dass sie verschiedene Situationen noch nicht richtig einschätzen können.“

Türaufhalten noch erwünscht?

Das beginne bei der Unsicherheit, wer wann zu grüßen sei und ende bei der Debatte, ob das Türaufhalten für eine Dame (ein Mädchen), eine von weiblicher Seite unerwünschte Form der männlichen Bevormundung sei. Jungen hätten Angst, dass bereits eine Tanzhaltung als sexuelle Belästigung gewertet wird und Mädchen lernten gar keine Berührungen mehr zuzulassen

Die Kursteilnehmerin Anna (15) aus Oeventrop bemerkte: „Ich persönlich finde das schön, wenn mir ein Junge die Tür aufhält“. Dem Freienohler Lukas fiel auf, dass die Nähe zur Partnerin ein heikles Thema ist. „Mit dem Körperkontakt hatten wir Jungs anfangs Probleme“, hat der 16-Jährige festgestellt. „Manche machen sich Sorgen, dass sie als „Grapscher“ da stehen, wenn sie die Hand auf den Rücken des Mädchens legen“, so die Befürchtung.

Die Beobachtung der Tanzschule: Das, was die Jugendlichen in der Schule und in den sozialen Netzwerken über die „#Metoo-Debatte“ lernen und hören, lasse keine körperliche Nähe oder gar Berührungen des anderen Geschlechts mehr zu. Es bedürfe mittlerweile schon einer großen Überwindung gemeinsam eine Tanzhaltung einzunehmen und den Tanzpartner oder die Tanzpartnerin in den Arm zu nehmen. Daher sei es sehr wichtig zu lernen, eine Situation richtig einschätzen zu können, um dann den entsprechenden Umgang miteinander in dieser Situation abwägen zu können.

Männliches Auftrumpfen

Dabei gehörten höfliches Benehmen und eine gewisse Aufmerksamkeit - gerade bei einem Ball - dazu und hätten nichts mit männlichem Auftrumpfen zu tun. Das sei ein Ausdruck der Wertschätzung und des Respekts.

Tanzkurse könnten hier Selbstsicherheit und soziale Kompetenz geben: „Die jungen Damen und Herren sind heutzutage (viel mehr als früher) verschüchtert und verunsichert. Wir tragen dazu bei, ehrlich und selbstbewusst miteinander umzugehen“, so Ralph Marohn und Edgar Vornweg, Inhaber der Tanzfabriken in Arnsberg und Neheim. „Und wir scheinen dies mit Spaß und Freunde zu vermitteln – auch die Fortschrittskurse sind bereits wieder ausgebucht.“

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben