Verbrechen

Meschede: Räuber mit Sturmgewehr ein „ganz armes Kerlchen“

Zwei Jahre und acht Monate muss der Mann ins Gefängnis, so das Urteil am Landgericht Arnsberg. Rechts sein Verteidiger Otto Entrup (Meschede).

Zwei Jahre und acht Monate muss der Mann ins Gefängnis, so das Urteil am Landgericht Arnsberg. Rechts sein Verteidiger Otto Entrup (Meschede).

Foto: Jürgen Kortmann

Meschede.  Das Landgericht Arnsberg schickt einen 22-Jährigen ins Gefängnis. Er hat am Mescheder Bahnhof zwei Männer mit einem Sturmgewehr überfallen.

Der Mann mit dem Sturmgewehr muss ins Gefängnis: Der Mann, der in Eslohe aufgewachsen ist, hatte am Bahnhof in Meschede zwei Männer überfallen.

Das Landgericht Arnsberg hat den 22-Jährigen am Freitag wegen schwerer räuberischer Erpressung zu einer Haftstrafe von zwei Jahren und acht Monaten verurteilt. Wie berichtet, hatte der Deutsche im April ursprünglich den asiatischen Kiosk am Bahnhof überfallen wollen, um sich Geld zu besorgen. Als er sich dafür schließlich vermummt hatte, war der Kiosk schon geschlossen.

Zur falschen Zeit am falschen Ort

Kurzerhand überfiel der 22-Jährige stattdessen zwei Rumänen am Pendlerparkplatz an der Lagerstraße – sie waren einfach zur falschen Zeit am falschen Ort. Sie blieben unverletzt. Auf dem Weg in die Innenstadt wurde die Polizei auf ihn aufmerksam, er flüchtete, wurde in einem Garten an der Kolpingstraße geschnappt. Sein Sturmgewehr und auch eine Pistole stellten sich nachher als Softair-Waffen heraus, eigentlich zum Spielen gedacht; echt war allerdings ein Messer mit 14 Zentimeter langer Klinge.

Staatsanwältin Pia Humpert forderte eine um ein Jahr höhere Haftstrafe für den Mann, der seit April bereits in Untersuchungshaft in Hamm sitzt: „Die Waffen sahen täuschend echt aus und wurden von den Opfern für echt gehalten“, sagte sie. Die Waffen wären auch geeignet gewesen, um im Nahbereich erhebliche Verletzungen beizufügen, habe ein Polizeigutachten ergeben: „Die Opfer haben sich ruhig verhalten, aber es hätte auch anders ausgehen können“ – dieser Überfall habe eine „erhebliche Eskalationsgefahr“ gehabt.

Anwalt: „Er ist ein ganz armes Kerlchen“

Das Gericht folgte aber Verteidiger Otto Entrup (Meschede) und stufte dieses Verbrechen als minderschweren Fall ein. Die persönliche Geschichte dürfe nicht vergessen werden: „Er ist ein ganz armes Kerlchen, das in eine blöde Situation geraten ist“, so Entrup. Nicht einmal sein Vater habe sich um ihn gekümmert, als er Hilfe brauchte.

Das sah auch die Zweite Große Strafkammer um Vorsitzenden Richter Johannes Althaus so: Früher Tod der Mutter, der Vater überfordert, dieser Sohn mit deutlichen Lernschwächen, der aus allen Schulen, dann auch aus Fördermaßnahmen fliegt, weil er keine Respektspersonen akzeptiert. Kein Schulabschluss, keine Ausbildung – nichts.

Richter: Lernen, sich etwas sagen zu lassen

Von Eslohe aus versucht er dann, wie berichtet, die JVA Attendorn mit einer Bombendrohung zu erpressen – so etwas hat er in Filmen gesehen, die er liebt, genauso wie seine Playstation.

Der Versuch danach, in Brandenburg auf eigenen Füßen zu stehen, scheitert kläglich. Vom Vater wird er zwar ins Sauerland zurückgeholt, dann aber alleine gelassen. Er kommt bei einer Freundin unter, wird dann am Tag der Tag aber rausgeworfen – da setzt er den Überfallplan in Meschede spontan um.

Das Gericht sah das Motiv darin, dass er sich vor der Obdachlosigkeit bewahren wollte: „Sie brauchten das schnelle Geld, um irgendwo zu bleiben“, so Althaus. Trotz seiner Intelligenzminderung, die ihm auch der Gutachter bescheinigte, sei er zielgerichtet und planvoll vorgegangen: „Keine Frage: Sie wussten, dass Sie Unrecht tun!“ Zumindest hätten die beiden rumänischen Opfer keine psychischen Schäden erlitten – was eigentlich bei solchen Überfällen in der Regel immer so sei, berichtete Althaus aus seiner Erfahrung als Richter: „Es gibt Opfer, die gehen noch Jahre danach nicht nach draußen.“

Strafmildernd wurde ein umfassendes Geständnis gewertet. Zur „erzieherischen Einwirkung“ müsse der Mann aber ins Gefängnis, und lernen, sich dort etwas sagen zu lassen. Der Richter: „Wir alle mussten uns in jugendlichen Jahren etwas sagen lassen. Wir alle mussten da mal durch. Sie jetzt auch! Nutzen Sie das, sonst kriegen Sie langfristig Probleme.“

>>>HINTERGRUND<<<

Von 2000 Euro an Beute hatte der 22-Jährige geträumt , die er im Kiosk machen wollte. Es wurden dann gerade einmal 50 Euro, die er bei dem Überfall von den Rumänen erbeutete – und bei seiner Flucht verlor.

Die Rumänen sprachen kein Deutsch, der 22-Jährige musste auf sein Hollywood-Englisch zurückgreifen und forderte „Money, Money!“ von ihnen.

Der Überfall war teilweise dilettantisch : Die Opfer zeigten nach dem Überfall der Polizei andere 50-Euro-Scheine vor, um zu zeigen, dass ihnen solch ein Schein gestohlen wurde.

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