Barrierefreiheit

Meschede gilt über den HSK hinaus als Vorzeigeobjekt

Bei der Stadtbegehung konnten auch Sehende erleben, wie es ist, wenn man sich als Blinder in der Stadt zurechtfinden muss.

Bei der Stadtbegehung konnten auch Sehende erleben, wie es ist, wenn man sich als Blinder in der Stadt zurechtfinden muss.

Foto: Brigitta Bongard

Meschede.  Die Stadt Meschede hat viel getan für die Barrierefreiheit. Zum „Tag des weißen Stocks“ konnten sich Bürger davon überzeugen.

Wie problematisch es sein, kann als Blinder durch die Stadt zu gehen, das konnten jetzt auch Nichtbehinderte am eigenen Leib erfahren. Mit Verzerrbrille und einem weißen Langstock ausgestattet ertasteten sie sich den Weg über das Leitsystem.

Zum „Tag des weißen Stocks“ fand in der Mescheder Innenstadt eine Begehung statt, um Blinden, Sehbehinderten, anderweitig behinderten und eingeschränkten Menschen, aber auch der restlichen Bevölkerung das Leitsystem mit seinen weißen Streifen näherzubringen.

Vereinbarung aus dem Jahr 2007

Bereits im Jahr 2007 hatten Behinderten-Interessen-Vertretung Meschede und Stadt Meschede eine Vereinbarung getroffen, um die Stadt für menschenfreundlicher und lebenswerter zu machen. Benachteiligungen von Menschen mit Behinderungen sollen beseitigt und verhindert werden, damit deren Teilhabe gewährleistet wird. Barrierefreiheit hilft nicht nur Behinderten, sondern auch älteren Mitbürgern oder Familien mit Kinderwagen.

Seit einiger Zeit befinden sich daher bereits die weißen Leitstreifen auf dem Boden. Bei der Begehung wurden sie erklärt: Die Felder mit Noppen sind Aufmerksamkeitsfelder, die sehbehinderte Menschen darauf hinweisen, dass an dieser Stelle etwas Besonderes passiert. Das kann ein Richtungswechsel sein, ein Straßenübergang oder auch ein Eingang in ein öffentliches Gebäude. Die gestreiften Felder halten die Nutzer auf ihrem Weg. Den gleichen Zweck erfüllen auch die Rinnen in der Fußgängerzone. die zusätzlich zur Absenkung auch unterschiedliche Pflasterfärbungen haben.

Gabriele Borutzki, Vorsitzende des Blinden- und Sehbehindertenvereins Meschede, richtet diesbezüglich eine Bitte an die Bevölkerung: „Für uns sind diese Streifen sehr wichtig. Daher ist es immer ein Problem, wenn sie vor Geschäften oder auf Bürgersteigen verstellt werden. Daher lautet mein Appell: Bitte Weg frei!“

Heinz Arenhövel, ehrenamtlicher Behindertenbeauftragter des HSK, lobte die ausgesprochen gute Zusammenarbeit mit den Vertretern der Stadt. „Es gibt regelmäßige Treffen, und wir werden in jegliche bauliche Maßnahmen einbezogen.“

Braille-Schrift seitenverkehrt

Bei der Führung wurde auch der Eingang des Rathauses begutachtet, erläutert und gelobt. Ein barrierefreier Zugang ist hier für alle problemlos möglich. Lediglich der Schriftzug in Braille-Schrift auf dem Treppengeländer wurde seitenverkehrt angebracht. Dies zeigt allerdings auch, wie groß die Probleme bei der Verständigung sein können, wenn sich Nicht-Behinderte mit den Problematik behinderter Menschen beschäftigen müssen.

Michael Klauke, der als Vertreter der Stadt an der Führung teilnahm, bestätigte: „Wenn wir einen neuen Auftrag vergeben, zeigen wir fast immer Fotos, übergeben Schreiben mit den DIN-Normen und erklären ausführlich, wie alles zu laufen hat. Dennoch gibt es immer mal wieder Schwierigkeiten bei der Umsetzung. Aber wir bleiben dran und geben unser Bestes, um die behindertengerechte Gestaltung der Stadt zu erreichen.“ Die Neugestaltung des Bahnhofs mit den erhöhten Bahnsteigen sowie der Winziger Platz waren weitere Ziele des Rundgangs durch die Stadt.

Stadt Meschede als Vorzeigeobjekt

Außer dem Leitsystem auf dem Boden gehören Ampeln mit akustischem Signal und Blindenschrift auf Schaltknöpfen oder an Sehenswürdigkeiten zu einer Behindertengerechten Gestaltung der Stadt.

Das Stadtrelief am Eingang der Mescheder Fußgängerzone in der Ruhrstraße ermöglicht sehbehinderten Menschen ebenfalls eine Orientierung in der Umgebung.

Bei vielen Punkten einer Behindertengerechten Gestaltung gilt die Stadt Meschede auch über den Hochsauerlandkreis hinaus als ein Vorzeigeobjekt in Sachen Barrierefreiheit.

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