Rückblick

Mädchen bei Schmallenberg von Grabstein erschlagen

Vier schwere Unfälle in Meschede Ende November 1948 in kurzer Zeit: Die Reichsstraße 7, später Bundesstraße 7, als Durchgangsstraße ist die gefährlichste in der Region.

Vier schwere Unfälle in Meschede Ende November 1948 in kurzer Zeit: Die Reichsstraße 7, später Bundesstraße 7, als Durchgangsstraße ist die gefährlichste in der Region.

Foto: Jürgen Kortmann

Meschede.  Meschedes Bürgermeister ausgelost, Wohnungsnot in Bestwig und Schmallenberg, Unfall bei Honsel, tragisches Unglück auf Friedhof - vor 72 Jahren.

Über diese Themen berichteten wir vor 72 Jahren im Lokalteil.

Wohnungsnot in Bestwig

Überall herrscht Wohnungsnot: Im Amt Bestwig gibt es aktuell 377 Wohnungssuchende für insgesamt 729 Zimmer. Karl Momper aus Velmede, nennt das die wichtigste Aufgabe, die jetzt zu lösen sei: Er wird mit acht zu sieben Stimmen von der Amtsvertretung zum neuen Amtsbürgermeister gewählt.

Grabstein fällt auf Kind

Auf dem Friedhof in Westfeld ereignet sich ein tragisches Unglück. Eine Mutter macht dort die Pflege eines Grabes, dabei lehnt sich ihr Kind gegen einen Grabstein - der plötzlich umfällt und auf die Sechsjährige stürzt. Ein zufällig vorbeikommender Mann hilft, das Mädchen zu befreien. Das Kind stirbt im Krankenhaus Fredeburg an seinen schweren inneren Verletzungen.

Dick gewinnt Wahl

In Meschede entscheidet das Los, wer neuer Bürgermeister wird: Der Gewinner beim Losentscheid ist dann der bisherige Amtsinhaber Engelbert Dick (CDU). Vorher gibt es in der Amtsvertretung Stimmengleichheit von 9:9 Stimmen. Dicks Gegenkandidat Klewer vom Zentrum wird auch von der SPD unterstützt.

Dachdecker stürzt zu Tode

Schwere Arbeitsunfälle: Bei den Honsel-Werken in Meschede stürzt ein 23 Jahre alter Dachdecker aus Velmede aus zwölf Metern Höhe ab und stirbt. In Fredeburg gerät ein Flüchtling bei Arbeiten in einem Sägewerk in eine Kreissäge und verliert seine linke Hand.

Bucheckern gegen Öl

Vor dem Winter schwärmen die Meschede in die Wälder aus, um Bucheckern zu sammeln. Vor den Ablieferungsstellen bilden sich lange Schlangen: Dort werden säckeweise Bucheckern gegen Öl eingetauscht.

Sorgen um Waisen in Schüren

In Meschede leben noch 650 Menschen in Lagern. Die Caritas ruft dazu auf, für die Armen zu sammeln: Sie sorgt sich aktuell besonders um 60 Waisenkinder aus Schlesien, die im Kinderheim Schüren untergebracht sind.

Wohnen: Menschenunwürdige Umstände

Engpässe auch in Schmallenberg: Bürgermeister Belzer-Lönzen berichtet, 13 Flüchtlingsfamilien würden in menschenunwürdigen Wohnverhältnissen leben. Abhilfe soll der Bau von Siedlungshäusern schaffen. Stadtrat Falke kündigt an, acht Wohnungen für Arbeiter seines Werkes zu errichten.

Lok stürzt Böschung hinunter

Auf der Bahnstrecke zwischen Brilon-Wald und Nuttlar stürzt eine Lokomotive eine Böschung hinunter. Die Lok war durch eine falsch gestellte Weiche auf ein noch totes Gleis geraten, das kurz vor der noch in Bau befindlichen Brücke bei Antfeld endete. Die vier Mann in der Lok kommen unverletzt davon.

Gefährlichste Straße in Region

Die gefährlichste Straße in der Region ist die Reichsstraße 7, die später zur Bundesstraße 7 wird – besonders gefährlich sind dabei nach Angaben der Polizei die Abschnitte zwischen Nuttlar und Velmede sowie zwischen Wehrstapel und Laer. In Meschede ereignen sich in kurzer Zeit vier schwere Unfälle: Bei der Pension Abshoff schleudert ein englischer Militär-Lkw gegen einen Baum, beim Sägewerk Wiese prallen ein englischer und ein deutscher Lkw zusammen, an der Briloner Straße überschlägt sich ein Lkw an einer steilen Böschung. Ein Pkw prallt in Höhe der Mallinckrodtstraße gegen einen Baum, ein Beifahrer stirbt dabei.

100 Sprengsätze im Monat

Zwei Feuerwerker mit 17 Mann Unterstützung kümmern sich in der Region beim Sprengdienst um die Entschärfung von Blindgängern aus dem Krieg. Jeden Monat werden etwa 100 Sprengsätze gemeldet.

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