Orgelbau

Lisa Oppel als Orgelbauerin bald in Neuseeland im Einsatz

Lisa Oppel ist Orgelbauerin aus Schmallenberg-Bad Fredeburg. Sie ist bald in Neuseeland im Einsatz.

Lisa Oppel ist Orgelbauerin aus Schmallenberg-Bad Fredeburg. Sie ist bald in Neuseeland im Einsatz.

Foto: Katja Voss

Bad Fredeburg/Gellinghausen.  Die 23-jährige Bad Fredeburgerin hat ihre Ausbildung als Jahrgangsbeste abgeschlossen. Warum der Beruf nicht aussterben wird.

Wie ein unlösbares Puzzle aus fast identischen Holzteilen - so sieht eine auseinandergebaute Orgel für Laien aus. Für Lisa Oppel ist das kein Problem - die junge Bad Fredeburgerin kennt sich aus. Schon als Mädchen hat sie viel Zeit in der Werkstatt ihres Vaters in Gellinghausen verbracht und zusammen mit ihrer Schwester geholfen. Mittlerweile ist die 23-Jährige selbst Orgelbauerin - ihre Ausbildung hat sie als Beste ihres Jahrgangs abgeschlossen.

Besondere Stücke selbst gemacht

„Total peinlich“, erzählt Lisa Oppel mit einem Lachen, während sie in der Werkstatt ihres Vaters Stephan Oppel die Deckel für Holzpfeifen beledert. Nur wenn die Deckel absolut dicht sitzen, stimmt der jeweilige Ton. Schuld am Erfolg ist ihr Gesellenstück: ein Portative, also eine tragbare Orgel. Stolz nimmt sie es in die Hand - sogar die Pfeifen hat sie selbst gemacht. Dass sie so ein besonderes Stück einmal selbst baut, war viele Jahre undenkbar. Lisa Oppel wollte nicht „so etwas Spießiges“ werden.

Individuelle und komplizierte Instrumente

In Deutschland denken viele beim Begriff Orgel nur an Kirche. „In Amerika stehen Orgeln zum Beispiel auch im Stadion und kommen für die Nationalhymne zum Einsatz. Das ist schon toll.“

Die Bad Fredeburgerin hat die Vorteile des Berufs schnell zu schätzen gelernt: mit verschiedenen Materialien arbeiten, die Ergebnisse sehen und hören können und viel unterwegs sein für den Aufbau und die Pflege der sehr individuellen und komplizierten Instrumente.

Ausbildung weit weg vom Sauerland

Auch ihre Ausbildung führte Lisa Oppel weit weg vom Sauerland: Wer Orgelbauer werden will, kann das nur in einer Schule in Deutschland - und die ist in Ludwigsburg. Der Unterricht findet auf Schwäbisch statt. „Die Schule und wir deutschen Orgelbauer genießen einen guten Ruf - für die Ausbildung sind während meiner Zeit sogar Leute aus Argentinien, Korea und China gekommen.“

Rosige Zukunftsaussichten

Eine Frau in dem recht seltenen Beruf ist aber keine Seltenheit - in ihrer Klasse waren ein Drittel der Schüler weiblich. Und die Zukunftsaussichten sind für viele Absolventen rosig: „Die meisten Orgelbauer in Deutschland haben alle Hände voll zu tun“ - mit Neubau, Restauration oder Reparatur. „Der Beruf stirbt nicht aus“, betont Lisa Oppel. Alle 15 Jahre sollte eine Orgel gereinigt werden. Dafür muss sie komplett auseinander gebaut werden. Außerdem kann das Musikinstrument beim Orgelbauer auch in Pflege gegeben werden. Das bedeutet, sie wird einmal im Jahr gewartet und gestimmt.

Klimawandel Problem für Instrumente

Den empfindlichen Instrumenten macht mittlerweile immer öfter der Klimawandel zu schaffen - da fast alle Teile aus Holz sind, können größere Temperaturschwankungen die Luftfeuchtigkeit beeinflussen und damit quillt das Holz auf oder schrumpft. Bei den sehr kleinen Teilen in der Mechanik ist ein Millimeter mehr oder weniger schon ein großes Problem: „Das klemmt sofort.“ Umso öfter müssen Orgelbauer aushelfen. In der Szene kennt man sich - und hilft man sich. „Wenn bei meiner Orgel in Süddeutschland etwas klemmt, dann hilft jemand aus der Gegend aus“, erklärt Oppel. Sie schätzt die Kollegialität sehr. „Wir sind keine erbitterten Konkurrenten.“

Halbes Jahr im Einsatz in Neuseeland

Auch die Zusammenarbeit in der Familie klappt gut. Wenn es nach ihrem Chef und Vater geht, soll seine Tochter in der Firma bald mehr Verantwortung übernehmen. Doch vorher geht es in die weite Welt: Ab November wird Lisa Oppel für ein halbes Jahr bei einem Orgelbauer in Neuseeland im Einsatz sein. Der Kontakt ist über die internationalen Azubi-Kollegen entstanden. „Einen Großteil der Zeit werde ich mit Reisen verbringen.“ Natürlich steht auch der Besuch der ein oder anderen Orgel auf der To-Do-Liste. „Da gibt es viel Inspiration.“

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