Staatsanwaltschaft

Klinikum: Verfahren wegen fahrlässiger Tötung eingeleitet

Arterien werden hier auf dieser Aufnahme dargestellt. Sie sind in einem MRT aufgezeichnet worden - wie im Fall des verstorbenen Jungen aus Freienohl.

Arterien werden hier auf dieser Aufnahme dargestellt. Sie sind in einem MRT aufgezeichnet worden - wie im Fall des verstorbenen Jungen aus Freienohl.

Foto: Michael Korte

Freienohl/Hüsten.  Nach dem Tod eines sechsjährigen Jungen aus Freienohl prüft die Staatsanwaltschaft eine fahrlässige Tötung. Im Blick: Das Klinikum Hochsauerland.

Ist ein Kind deshalb gestorben, weil es im Klinikum Hochsauerland unzureichend oder zu spät behandelt worden ist? Die Staatsanwaltschaft Arnsberg hat jetzt ein Ermittlungsverfahren wegen fahrlässiger Tötung eingeleitet. Es richtet sich zunächst gegen Unbekannt - in den Blick genommen wird aber die Arbeit der behandelnden Ärzte.

Es ist Samstag, der 18. Mai: Beim Spielen stürzt ein Sechsjähriger daheim in Freienohl auf den Kopf. Bald darauf geht es dem Kind nicht mehr gut. Die Eltern lassen es in der Notaufnahme in Hüsten untersuchen. Im MRT wird eine Hirnblutung festgestellt. Was danach geschieht - oder nicht geschieht - wird zu einem Fall für die Staatsanwaltschaft.

In Dortmund notoperiert

Fest steht: Der Junge wird per Rettungswagen in die Klinik nach Dortmund verlegt und dort notoperiert. Sechs Tage später ist er tot. Hätte das Kind gerettet werden können, wenn der Eingriff unmittelbar im Klinikum Hochsauerland vorgenommen worden wäre? Wieso kam es nicht dazu? Warum dauerte die Verlegung nach Dortmund? Waren tatsächlich zunächst kein Rettungswagen und kein Hubschrauber verfügbar? Es sind Fragen, denen nun nachgegangen wird.

Staatsanwalt Klaus Neulken hat ein medizinisches Gutachten in Auftrag gegeben, bestätigte er dieser Zeitung auf Anfrage. Es soll Aufschluss darüber geben, ob der Junge korrekt behandelt worden ist - oder ob sich Hinweise auf eine fahrlässige Tötung ergeben. Der Gutachter soll die gesamte Akte durcharbeiten und Stellung zum Ablauf beziehen. Danach entscheidet die Staatsanwaltschaft, wie es mit dem Verfahren weitergeht.

Über mögliche Fehler geäußert

Hinweise aus der Klinik in Dortmund, wo der Junge gestorben war, hatten zu den weiteren Prüfungen geführt. Dort war eine ungeklärte Ursache in der Todesbescheinigung angekreuzt worden. Gegenüber der Polizei äußerten sich Mitarbeiter danach über mögliche Fehler ihrer Kollegen in Hüsten. Es folgte eine Obduktion. Auch deren Ergebnisse wird sich der Gutachter anschauen.

Das Klinikum Hochsauerland hatte nach Bekanntwerden des Falls im Juni eine detaillierte Stellungnahme mit Hinweis auf die laufenden Ermittlungen der Staatsanwaltschaft abgelehnt. „Auch den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ist dieses schreckliche Ereignis sehr nahe gegangen. Die genauen Umstände werden sorgsam aufgearbeitet“, teilte die Pressestelle damals mit.

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