Erste Hilfe

Keine Angst vor dem Strom der Defibrillatoren

Wiederbelebung mit einem Defibrillator - hier ist eine Szene mit Teilnehmern eines Erste-Hilfe-Kurses in Meschede zu sehen.

Wiederbelebung mit einem Defibrillator - hier ist eine Szene mit Teilnehmern eines Erste-Hilfe-Kurses in Meschede zu sehen.

Foto: Lisa Klaus

Meschede.   Defibrillatoren sind „idiotensicher“. Trotzdem trauen sich viele nicht an die Bedienung heran. Dabei ist die Angst völlig unbegründet.

Auf der Straße bricht eine Person zusammen. Sie ist bewusst- und regungslos, braucht offenkundig sofort Hilfe. Bis ein Rettungswagen da ist, kann es bereits zu spät sein – ein möglicher Lebensretter ist dann ein Defibrillator. Über ein Dutzend davon sind im Mescheder Stadtgebiet frei zugänglich verteilt. Gleichwohl ist die Herzdruckmassage nicht zu unterschätzen oder gar zu vergessen, wenn es darum geht, Leben zu retten, mahnt Michaela Grosche vom Mescheder DRK.

Die Funktion

Defibrillatoren gelten in der Bedienung als „idiotensicher“. Der Ersthelfer muss noch nicht einmal lesen können, um das Gerät zu bedienen: ein Sprachführer leitet den Ersthelfer von Schritt zu Schritt. „Viele Menschen haben Hemmungen, einen Defibrillator zu benutzen, denn er funktioniert mit Strom. Und das macht einigen Menschen Angst“, weiß Michaela Grosche, die regelmäßig Erste-Hilfe-Kurse für Firmen und Führerscheinanwärter leitet.

Sobald der Oberkörper der notleidenden Person entkleidet wurde (auch das wird vom Gerät erklärt), müssen die farblich verschiedenen Elektroden auf den Brustkorb aufgebracht werden. Das Gerät misst zuerst die Herzströme – denn nur bei Kammerflimmern macht ein Stromstoß Sinn. Auch ist es dem Ersthelfer nur in diesem Fall möglich, den Stromstoß auszulösen. Eine einzelne Person kann der Defibrillator nicht bedienen: Mindestens eine Person ist dabei für die Herzdruckmassage und Beatmung zuständig, eine andere für die Bedienung des Defis.

Die Reanimation

Mit der Herzdruckmassage und der Beatmung darf erst aufgehört werden, wenn die Rettungskräfte eintreffen und nahtlos übernehmen, betont Michaela Grosche. Das könne auch schon einmal eine halbe Stunde dauern. Im Idealfall können sich Ersthelfer abwechseln.

„Nach zwei bis drei Minuten hört das effektive Drücken auf, dann kann man sich ablösen lassen. Wenn man alleine ist, muss man da eben durch“, sagt Grosche und fügt hinzu: „Dann hat man normalerweise Adrenalin im Körper, das hilft, um durchzuhalten. Aufhören sollte man nur dann, wenn einem selbst schwarz vor Augen wird.“

Darauf ist zu achten

Zum einen: Der Rettungsdienst muss sofort verständigt werden. Zum anderen: Die hilfsbedürftige Person darf nicht allein gelassen werden. „Jede Sekunde zählt“, betont Grosche. Ist man mit einer Person, deren Herzschlag und Atmung aussetzt, allein, darf sie nicht allein gelassen werden, um einen Defibrillator zu holen. Die Überlebenschance liege in der ersten Minute ohne Reanimation noch bei 90 Prozent, nach zehn Minuten nur noch bei 5 Prozent. Die Herzdruckmassage mit Beatmung gehe daher immer vor, betont Grosche.

Die Defis in Meschede

„Jeder kann einen Defibrillator anschaffen und der Öffentlichkeit zugängig machen“, sagt Jörg Fröhling, Pressesprecher der Stadtverwaltung. Im Rathaus hängt ein solcher kompakter Lebensretter, gebraucht wurde er bislang noch nie.

Wo Defibrillatoren in Meschede zu finden sind

Im Rathaus gibt es einen Defibrillator genau wie der in der Gartenstadt-Apotheke und in der Fachhochschule. Jeweils zu den Öffnungszeiten sind die Geräte erreichbar.

Ebenso hängt ein Gerät im Foyer der Kreishandwerkerschaft (Enster Straße 11) im Gewerbegebiet, der im vergangenen Jahr angeschafft wurde, aber noch nicht zum Einsatz kam.

Zusätzlich gibt es Defibrillatoren u.a. im Erdgeschoss der Bundesnetzagentur (Nördeltstraße 5), im Finanzamt, im Feuerwehrhaus Wallen (Kleine Straße 5), bei der Langer GmbH (Auf dem Lohnsberg 6) sowie in den Volksbanken Eversberg und Freienohl und auch in der Aral-Tankstelle Freienohl und der Bäckerei Kemper.

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