Kriminalität

In Meschede werden pro Woche zwei Ladendiebstähle angezeigt

Im Einzelhandel wird nach einer Untersuchung des Handelsforschungsinstituts EHI immer mehr gestohlen. Das Bild zeigt den dm-Markt in Meschede.

Im Einzelhandel wird nach einer Untersuchung des Handelsforschungsinstituts EHI immer mehr gestohlen. Das Bild zeigt den dm-Markt in Meschede.

Foto: Katharina Heimeier / picture alliance/dpa

Meschede.  Statistisch gesehen werden pro Woche zwei Ladendiebe in Meschede angezeigt. Was ist über die Täter bekannt? Wie reagieren Händler?

Statistisch gesehen werden pro Woche zwei Ladendiebe in Meschede angezeigt. Was ist über die Täter bekannt? Wie gehen sie vor? Wie reagieren die Händler?

Dreiste Methoden

Mit welchen dreisten Methoden die Ladendiebe vorgehen, ließ sich kürzlich in einem Drogeriemarkt in Meschede beobachten. Eine Verkäuferin ermahnte ihre Kolleginnen an der Kasse eindringlich: „Schaut immer in die Verpackungen! Die stecken teure Produkte in die Kartons der günstigen Waren.“ Offenbar hatte es zuvor wieder einen Diebstahl gegeben.

Die Polizeistatistik

In der Polizeistatistik tauchen logischerweise nur die Fälle auf, die im Geschäft bemerkt und angezeigt wurden. Der gestohlene Lippenstift von Estée Lauder oder das Parfüm von Dior tauchen oft auch erst nach der Inventur am Jahresende auf. Die Anzeigen in Meschede bewegen sich in den vergangenen drei Jahren auf einem konstanten Niveau: pro Jahr um die 100 Fälle. Eine besondere Häufung liegt laut Polizei nicht vor, dafür spricht auch der Blick in die Kriminalstatistik der Ruhrmetropolen. In Mülheim mit seinen 170.000 Einwohnern gab es 2018 knapp 600 registrierte Ladendiebstähle.

Hähnchen-Pfanne und Parfüm

Betroffen sind laut Polizei alle Händler: Drogerien, Boutiquen, Handy-Shops. Supermärkte und Discounter werden von Ladendieben gleichermaßen heimgesucht. „Geklaut wird alles“, sagt Polizeisprecher Holger Glaremin schlicht. Von der Hähnchengrill-Pfanne bei Aldi bis zum Handy oder Parfüm in der Ruhrstraße. Vom Kind bis zum Rentner sei bei den Tätergruppen alles dabei, heißt es seitens der Polizei. Die Zahl der nicht-deutschen Tatverdächtigen lag in den vergangenen drei Jahren bei rund 40 Prozent.

Die Motive

Die Tatmotive seien laut Polizei unterschiedlich. „Kinder stehlen meist für den Eigenbedarf“, sagt Glaremin. Bei Jugendlichen sei oft auch der Nervenkitzel dabei. Hochwertige Produkte würden jedoch auch zum Weiterverkauf entwendet. Gerade bei Kindern sei jedoch noch ein erzieherischer Effekt dabei. Denn diese müssten selbstverständlich von den Eltern abgeholt werden oder würden von der Polizei nach Hause gefahren: „Da ist auch schon so manche Träne geflossen“, so Glaremin.

Das Thema wird im Einzelhandel sensibel behandelt: Woolworth möchte sich gar nicht äußern, Müller reagiert erst gar nicht auf die Anfrage. Francine Piontek, die Gebietsverantwortliche der Drogeriekette dm, erklärt hingegen: „Unsere Inventurverlustquote ist im Lauf der letzten Jahre sogar gesunken und konstant niedrig. Die aufmerksamen Kolleginnen und Kollegen vor Ort sowie die heutzutage besseren technischen Möglichkeiten haben hierzu sicherlich beigetragen.“

Viele Geschäfte wie beispielsweise der Aldi auf der Le-Puy-Straße oder der HIT-Markt arbeiten auch mit Ladendetektiven zusammen. Im Juni 2018 verfolgte dort ein Detektiv zwei Täter durch den Schwarzen Bruch. Beide wurden im Anschluss gefasst und vorübergehend festgenommen.

750 Euro Strafe

Wie viele der angezeigten Tatverdächtigen sich schließlich vor dem Amtsgericht verantworten müssen, ist nicht bekannt. „Eine händische Auswertung aller Diebstahlsverfahren ist nicht zu leisten“, heißt es von der Behörde. Bei der Strafbemessung im Einzelnen komme es vor allem auf den Wert der Beute, die Vorstrafen, die Art der Tatbegehung und das Verhalten des Angeklagten im Verfahren an.

So können bei einfachem Diebstahl Geldstrafen oder auch bis zu fünf Jahren Freiheitsstrafe verhängt werden. Ein Ladendieb, der im Sommer im Aldi in der Le-Puy-Straße Äpfel, Nektarinen, Bananen und eine Hähnchenpfanne im Wert von 9,27 Euro gestohlen hatte, wurde im Amtsgericht Meschede beispielsweise zu einer Geldstrafe in Höhe von 750 Euro verurteilt.

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