Kneipen-Serie

Im Gasthaus Droege in Eversberg wird seit 1845 Bier gezapft

Raimund Droege (60) betreibt eine der ältesten Kneipen im Mescheder Stadtgebiet.

Raimund Droege (60) betreibt eine der ältesten Kneipen im Mescheder Stadtgebiet.

Foto: Ilka Trudewind

Eversberg.  In der Mittelstraße in Eversberg steht eine der ältesten Kneipen der Stadt: Das Gasthaus Droege. Raimund Droege ist Dorfwirt in 5. Generation.

Über der Theke leuchtet eine Werbung für Warsteiner Pilsener: „Ein Bier, das man mit guten Freunden trinkt“. Oder auch zwei, drei, viele. Unzählige Liter haben die Wirte dort schon gezapft, denn die Konzession zum Ausschank wurde erstmals am 4. Dezember 1845 ausgestellt. Der Gasthof Droege in Eversberg gehört damit zu den ältesten Kneipen in Meschede.

Früher standen die Leute Schlange, im Gastraum bekam man kaum einen Fuß an die Erde. Der Stammtisch „Kleine Millionäre“ bekam 1953 nur noch mit Glück einen der begehrten Tische. „Auch in Markes war keiner mehr frei war“, erzählt Wirt Raimund Droege, vor kurzem 60 Jahre alt geworden. Er kennt sie alle, diese Dönekes. Und die urigen Typen dazu. Sein Elternhaus, der Gasthof Droege, hat die Geschichte des Ortes geprägt.

Noch drei Stammtische sonntags zu Gast

Die Kleinen Millionäre kommen heute noch alle vier Wochen sonntags. Dann gibt’s noch Caligula, der Stammtisch trifft sich seit 40 Jahren bei Droegen. Den ältesten Stammtisch gibt’s schon seit 60 Jahren. „Die sitzen immer vor der Heizung.“ Die Zeiten des klassischen Frühschoppens nach der Kirche am Sonntag sind aber vorbei. „Das machen ja auch die Familien heute nicht mehr mit“, sagt Raimund Droege. Auch das Feierabendbier gibt’s kaum noch. Bedauern schwingt in den Erzählungen des Wirtes mit. Weil er natürlich sein Geld damit verdient, aber auch weil, das Gesellige abhanden kommt. „Wenn Du nicht rausgehst, erfährst Du auch nichts. Erlebst Du nichts.“

Raimund Droege ist ein aufmerksamer Wirt mit Humor, einer der seine Gäste mit Namen anspricht und sich merkt, was der Gast trinkt.

Hochzeiten, Geburtstage, Pinkelfeten

Regelmäßig kommen die Fußballer der SG Eversberg/Heinrichsthal/Wehrstapel vorbei. So auch am letzten Wochenende. „Die kommen auch, wenn sie verloren haben“, hebt Droege hervor und lacht, er selbst hat viele Jahre für Eversberg gespielt. In seiner Kneipe sind schon so einige Geburtstage und Pinkelfeten gefeiert worden. Zuletzt auch eine Hochzeit. Und auch Liebesbeziehungen nahmen im Gastraum ihren Anfang. Droege zählt gleich mehrere Paare auf.

Eine feste Größe sind die Bundesligaspiele. So weiß der Wirt jetzt schon, dass die Bude zum Martinsmarkt rappelvoll wird. Am 9. November spielt Dortmund gegen Bayern. Auf einem Schild an der Wand steht Säbener Straße. Es soll in der Familie aber auch Dortmund-Anhänger geben. Aber so einen Klassiker gibt es nicht an jedem Wochenende.

Hoffenheim gegen Mainz guckt niemand.

„Dicht machen, Ferienwohnungen draus machen“

„Als wir 1991 vor der Übernahme den Betriebsberater da hatten, fragte er: Was habt ihr mit der Kneipe vor? Wir sagten: Hobbymäßig nebenbei. Er riet uns: Dicht machen, Ferienwohnungen draus machen.“ Er habe prophezeit, dass sich die Wirtschaft nicht rentieren werde. Aber Droegen betrachten ihren Betrieb als Mischkalkulation – Lebensmittelgeschäft, Verkaufswagen, Kneipe. „So war das ja auch früher schon. Viele Wirtschaften hatten zum Beispiel eine Bäckerei dabei.“

Immer im weißen Kittel

Mit dem Wagen fährt Kaufmann Droege schon seit 1988 über die Dörfer – immer im weißen Kittel. Der ärztlichen Schweigepflicht wegen, flachst Droege an dieser Stelle gern. Von fünf Wagen (Vogt, Menke, Kotthoff, Holteberth und Droege) fährt nur noch der Eversberger. „Im Laden warte ich auf die Leute, so fahre ich zu den Leuten“, erzählt er, warum er den Wagen so gern fährt.

In einem WDR-Beitrag antwortete er kürzlich auf die Frage, wie lange er noch fahren wolle: „Bis das Auto nicht mehr fährt.“ Leider blieb das Frischemobil vor 13 Tagen liegen. In Heinrichsthal. Motorschaden nach 545.000 Kilometern. Weil er allerdings noch nicht in Rente gehen möchte, kaufte er einen neuen Wagen. In Schlangen. Tante Emma steht in gelber Schrift drauf. „Im Vergleich zum alten Wagen ein Luxusgefährt.“ Droege überlegt nun, dem WDR eine Rechnung zu schicken.

Die lange Geschichte eines Hauses

  • Haus Sieverings (so wird das Haus in der Mittelstraße 7 genannte) wurde am 22. Mai 1683 erbaut von den Eheleuten Johannes Bekker und Anna Knippick.
  • Den Namen Dröge/Droege brachte Kartoffelbrandweinbrenner, Bierbrauer, Wirt und Bäcker Johann Christian Dröge (1821-1874) ein. Er heiratete Margaretha Eickhoff (Erbtochter des Tuchfabrikanten Franz Eickhoff aus Heinrichsthal. Auch die Anfänge der Fabrik liegen in Haus Sieverings).

  • Es folgte 1889 der Sohn Johann Franz Anton mit seiner Frau Maria Sophia, geb. Trudewind.
  • 1927 übernahm Anton Droege mit seiner Frau Maria Katharina, geb. Scheer. Vorgesehen war, dass der älteste Sohn Anton Haus und Backstube übernimmt. Im Krieg wurde Anton 1943 jedoch so schwer verwundet, dass er seinen Beruf aufgeben musste.

  • Sein Bruder Werner Droege, der spätere Obermeister der Bäckerei-Innung, übernahm mit seiner Frau Hildegard, geb. Gierse-Sassen. Raimund und Dorothee Droege führen den Betrieb nun seit 1991 in der fünften Generation. Geplant war das nicht. Sein Bruder und Bäckermeister Werner hatte Haus und Backstube bereits übernommen. Er starb jedoch bei einem tragischen Verkehrsunfall in Eversberg, den niemand vergessen hat.

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