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Grafschaft: Von der Chemie-Ingenieurin zur Ordensschwester

n die Anno-Kapelle zieht Generaloberin Schwester Juliana sich gerne zurück. Hier liegen auch Reliquien des

Foto: Katrin Clemens

n die Anno-Kapelle zieht Generaloberin Schwester Juliana sich gerne zurück. Hier liegen auch Reliquien des Foto: Katrin Clemens

Grafschaft.   Schwester Juliana ist neue Generaloberin im Kloster Grafschaft. Per Whatsapp Kontakt zu den Mitschwestern aufzunehmen, ist für sie völlig normal.

Vor einigen Jahrzehnten noch hat sie als Ingenieurin in einer rumänischen Chemiefabrik gearbeitet, jetzt ist Schwester Juliana als Generaloberin im Kloster Grafschaft für die Borromäerinnen in aller Welt verantwortlich. Im Interview erzählt die 56-Jährige, wie wichtig das Internet für die Arbeit im Kloster ist und wie dem Problem der Alterung der Ordensgemeinschaft begegnet.

Sie sind nicht nur Theologin, sondern auch Chemie-Ingenieurin – wie kommt es zu dieser ungewöhnlichen Kombination?

Schwester Juliana: In Rumänien konnte man seinen christlichen Glauben vor der Wende nicht so ausüben wie man wollte, deshalb war ein Theologie-Studium für mich zunächst nicht möglich. Ich bin deshalb Ingenieurin geworden und habe auch Betriebswirtschaft studiert. Nach der Wende wurden Religionslehrerinnen dringend gesucht und dann konnte ich Theologie studieren.

Diesen Weg sind Sie noch weiter gegangen und in die Kongregation in Israel eingetreten. War das schon vorher Ihr eigentlicher Wunsch?

Ja, schon. Es ist eine Berufung, die von Gott kommt. Jeder Ordensmensch fühlt sich berufen, denke ich. Es ist aber ganz schwierig in Worte zu fassen, wie genau sich das anfühlt. Es ist auf jeden Fall ein großer Wunsch, für Gott zu leben und natürlich für die Menschen. Wir sind ein tätiger, ein karitativer Orden.

Außer in Grafschaft sind die Borromäerinnen in Israel, Ägypten und Ihrer Heimat Rumänien tätig. Worum geht es bei der Arbeit in Rumänien?

Wir haben dort ein Tageszentrum für Schüler, die sich mit dem Lernen schwer tun und zu Hause niemanden haben, der sie dabei unterstützen kann. Das geht vielen Kindern und Jugendlichen so, die bei ihren Großeltern leben, weil ihre Eltern im Ausland Geld verdienen. Ihnen helfen wir beim Lernen und beim Erledigen ihrer Hausaufgaben, damit sie ihren Schulabschluss schaffen und eine Perspektive haben. Der Freundeskreis unterstützt das Projekt von Grafschaft aus mit der Finanzierung einer Sozialarbeiter-Stelle. Außerdem werden die Mittel für die Hilfe für Arme und Kranke in Ägypten und Israel eingesetzt. Für diese Unterstützung bin ich den Mitgliedern sehr dankbar.

Unterscheidet sich die Arbeit der Borromäerinnen in Rumänien von der in Grafschaft?

Nach außen wirkt es vielleicht so. Die Arbeit hier erfolgt mehr im Haus und im Fachkrankenhaus, in Rumänien sind die Schwestern durch ihre Arbeit zum Beispiel in Schulen und in der ambulanten Krankenpflege präsenter in der Öffentlichkeit. Aber im Geiste ist es die gleiche Einstellung.

Sind Sie schon ganz angekommen im Sauerland?

Ja, ich fühle mich sowieso überall dort wohl, wo Borromäerinnen sind. Aber das Sauerland ist auch wirklich sehr schön, es ist sehr grün, die Landschaft ist schön und die Architektur gefällt mir. Es gibt gute Luft und alles ist sehr sauber – allerdings regnet es viel. (lacht)

Wie schwierig ist es, junge Schwestern zu gewinnen?

Es ist schwieriger geworden. Wir werden leider weniger, aber das gilt nicht nur für uns Borromäerinnen. Diese Berufungskrise ist kennzeichnend für ganz Europa, wenn nicht darüber hinaus. Es gibt immer weniger Schwestern und die Ordensgemeinschaften altern. Natürlich hat das Folgen für die Arbeit. Das ist ein weiterer Grund, warum wir so dankbar für die Unterstützung des Freundeskreises sind –so können unsere Werke auch mit Unterstützung von weltlichen Kräften fortgeführt oder sogar weiterentwickelt werden.

Was glauben Sie, worin diese Entwicklung begründet ist?

Ich glaube, die Gesellschaft hat sich verändert. Die jungen Leute haben andere Ziele, sie legen viel Wert auf ihre persönliche Freiheit, wollen reisen und Geld verdienen. Es liegt sicherlich auch im Allgemeinen an der Säkularisierung, die Menschen sind nicht mehr so eng mit der Kirche verbunden. Was mir Sorgen macht, ist die Beobachtung, dass gerade junge Menschen immer mehr auf ihre Handys und Computer fixiert sind als auf soziale Kontakte im realen Leben.

Gibt es hier im Mutterhaus W-Lan?

Ja, das gibt es. Jede Schwester nutzt es eigenverantwortlich. Heutzutage geht es nicht mehr ohne Internet. Die Verbindung zu den Schwestern im Ausland besteht auch per E-Mail und Whatsapp. Das ist schon eine Erleichterung in der Kommunikation. Aber es kommt eben auf das richtige Maß an.

Was unternehmen Sie gegen die Tendenz, dass die Ordensgemeinschaft altert und kleiner wird?

Dagegen können wir nichts tun, außer ein gutes Vorbild zu sein, zu beten und weiter zu hoffen, dass sich die Entwicklung irgendwann wieder umkehrt. Denn das hat es in der Geschichte schon mehrfach gegeben.

HEERESMUSIKKORPS SPIELT BENEFIZKONZERT

  • Schwester Juliana ist in Rumänien geboren und aufgewachsen.
  • Sie arbeitete zunächst als Chemie-Ingenieurin und unterrichtete später Religion an einem Gymnasium, bevor sie sich für den Eintritt in die Ordensgemeinschaft entschied.
  • Weltweit gibt es aktuell 131 Borromäerinnen – sie sind in Ägypten, Israel und Rumänien aktiv sowie im Mutterhaus in Grafschaft.
  • Schwerpunkt ihrer Arbeit ist die Hilfe für Arme und Kranke.
  • Finanzielle Unterstützung bekommen die Borromäerinnen unter anderem durch den Freundeskreis des Klosters Grafschaft.
  • Er veranstaltet am Dienstag, 27. Februar, in der Stadthalle Schmallenberg ein Benefizkonzert mit dem Heeresmusikkorps der Bundeswehr aus Kassel. Nähere Informationen gibt es unter
    www.kloster-grafschaft.com

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