Kirche

Gäste aus Tansania in Meschede: Wünschen uns mehr Austausch

Brüder aus Tansania der Missionsbenediktiner, Kongregation St. Otilien, zu Gast in der Benediktinerabtei Königsmünster Meschede, von links: Br. Cyprian Ratsimu (Benediktinerabtei Ndanda), Pater Maurus Runge  betreut die beiden Brüder aus Ostafrika),

Brüder aus Tansania der Missionsbenediktiner, Kongregation St. Otilien, zu Gast in der Benediktinerabtei Königsmünster Meschede, von links: Br. Cyprian Ratsimu (Benediktinerabtei Ndanda), Pater Maurus Runge betreut die beiden Brüder aus Ostafrika),

Foto: Frank Wiesemann (FW)

Meschede.  Zwei junge Mönche aus Tansania sind Gäste der Benediktinerabtei. Warum sie sich über Autobahnen wundern und was sie den Deutschen wünschen..

Bruder Cyprian Ratsimu und Bruder Victor Chambi sind zwei junge Benediktinermönche aus Tansania. Aktuell sind die beiden Gäste in der Benediktinerabtei Königsmünster. In Meschede und Hannover trainieren sie ein Jahr lang die deutsche Sprache, um später in St. Augustin Theologie studieren zu können. Die Ausbildung junger Mitbrüder aus den Klöstern in Afrika ist ein neues Projekt der Kongregation. Für beide Seiten, Gäste und Gastgeber, eine Gelegenheit, im interkulturellen Dialog mehr über sich selbst zu erfahren.

Wie stellten Sie sich vor Ihrer Abreise das Leben in Deutschland und die Deutschen vor?

Bruder Cyprian: In Tansania habe ich bereits einige deutsche Missionare getroffen. Meine Vorstellung war, dass hier in Deutschland viele Benediktinermönche leben. Über die Deutschen dachte ich, dass diese viel arbeiten.
Bruder Victor: Mein Abt war Kongregationssekretär in St. Ottilien und er hatte einiges erzählt. Ich habe gehört, dass es in Deutschland viele schöne Kirchengebäude gibt und dass viele Migranten nach Deutschland kommen.

Was hat Sie in Deutschland am meisten überrascht? Welche prägende Erfahrung haben Sie hier gemacht?

Bruder Cyprian: Überrascht haben mich die vielen Autobahnen, denn vergleichbare Straßen gibt es in Tansania nicht.
Bruder Victor: Richtig, Tansania ist noch nicht so weit entwickelt wie Deutschland. Ich habe die Menschen hier als sehr freundlich erlebt.

Bruder Cyprian: Natürlich ist auch das Wetter hier ist ganz anders, vor allem der viele Schnee im Winter.

Welche Fragen beschäftigen aktuell die Menschen in Ihrem Heimatland?

Bruder Victor: In Tansania gibt es viele Geflüchtete aus dem Kongo sowie Burundi und Ruanda aber auch Somalia. In der Nähe meines Ortes gibt es ein Flüchtlingslager. Zudem gibt es viel Binnenmigration.

Bruder Cyprian: Auch Priestermangel, ein Mangel an Berufung zum Priesteramt, ist ein Thema, besonders in Mittel- und Südtansania, den mehrheitlich muslimisch geprägten Regionen.

Sind Mitgliederschwund der Kirchen, Mitbestimmung für Frauen und Abschaffung des Zölibat Themen auch in Ihrer Heimat? Welchen Stellenwert hat die katholische Kirche in Tansania?

Bruder Victor: Auch diese Themen werden in meinem Land diskutiert. Allerdings haben Frauen in Tansania aufgrund des Matriarchats schon per se einen höheren Status in der Gesellschaft, weshalb das Thema Mitbestimmung nicht prominent ist. Die katholische Kirche hat einen wichtigen Status, denn sie betreibt alle Arten von Schulen, von Grundschulen bis hin zu Berufsschulen. Viele Kinder und Jugendliche erhalten hier ihre Ausbildung. Hinzu kommen viele Gesundheitsstationen und große Krankenhäuser, welche Arbeitgeber für viele Menschen sind. Daher ist das Verhältnis zwischen den Katholiken und der Regierung sehr gut.

Wie erleben die Menschen in Tansania die Debatte um Geflüchtete, Migration und die Dramen auf dem Mittelmeer?

Bruder Cyprian: Die Menschen, die sich nach Europa auf den Weg machen, denken, dass man in Deutschland gute Arbeit findet. Ich empfinde Mitleid mit denen, welche auf dem Weg zu Tode kommen. Vielleicht machen die Menschen, die bereits in Europa sind, den Menschen in ihren Heimatländern zu viele Verheißungen, zum Beispiel, dass Arbeit in Europa leicht zu finden wäre. Die Regierungen der afrikanischen Länder, aber auch von Europa müssen die Bevölkerung in Afrika besser über die Gefahren der Reise, die Notwendigkeit von Personalunterlagen und die Chancen in Europa informieren.

Wenn Sie sich etwas von den Menschen in Deutschland wünschen könnten, um was würden Sie fragen?

Bruder Cyprian: Ich wünsche mir, dass Gastfreundschaft und gute Beziehungen erhalten bleiben. Die Menschen in Deutschland sollten nicht nur arbeiten, sondern gemäß der Regel des Heiligen Benedikt „ora et labora“, „bete und arbeite“, auch mehr beten und Ruhe finden.

Bruder Victor: Ich interessiere mich für die Gottesdienstliturgie in Deutschland. Ich möchte mehr darüber lernen, damit ich dieses Wissen in Tansania weitergeben kann. Mein Wunsch ist, dass in Deutschland mehr Lieder unterschiedlicher Kulturen im Gottesdienst gesungen werden, ganz wie in meiner Heimat. Die Gottesdienste in Tansania sind viel farbenprächtiger und stimmungsvoller. Gut wäre, wenn die Menschen sich mehr austauschen und mehr voneinander lernen.

Was möchten Sie unbedingt noch in Deutschland kennen lernen?

Bruder Cyprian: Ich möchte meine Deutschkenntnisse verbessern und mehr Erfahrungen vom Leben im Kloster machen. Ich möchte aber auch noch Berlin und die dortigen Sehenswürdigkeiten wie die Berliner Mauer sehen. Und ich möchte den Kölner Dom besuchen.

Bruder Victor: Auch ich möchte einmal nach Berlin und dort das Deutsche Historische Museum besuchen. Denn Tansania war einst eine deutsche Kolonie und während dieser Zeit gab es den großen Maji-Maji-Aufstand. Dieses Ereignis ist für die Geschichte meiner Kongregation wichtig.

HINTERGRUND

Bruder Cyprian Ratsimu ist 26 Jahre alt. Er ist seit dem Jahr 2014 Mönch der Benediktinerabtei Ndanda im Süden Tansanias, wo die Missionsbenediktiner von St. Ottilien seit mehr als 100 Jahren tätig sind.

Bruder Victor Chambi ist 24 Jahre alt. Er lebt seit dem Jahr 2013 in der Benediktinerabtei Mvimwa im Südwesten Tansanias. Dabei handelt es sich ebenfalls um ein Kloster der Missionsbenediktiner, das 1979 gegründet wurde.

In Meschede betreut Pater Maurus Runge die beiden Gäste. Die meiste Zeit leben die beiden in der „Cella“ der Abtei in Hannover. Die Benediktinerkongregation von St. Ottilien, der auch die Mescheder Abtei Königsmünster angehört, ist weltweit vertreten.

Mittlerweile gibt es vier Abteien in Tansania, die alle eine einheimische Führung haben. Die europäischen Missionsprokuren unterstützen die Klöster finanziell. Die Abtei in Meschede hat für die Ausbildung der beiden Brüder ein Spendenkonto bei der Bank für Kirche und Caritas eingerichtet: IBAN: DE96 4726 0307 0011 5609 00, BIC: GENODEM1BKC, Stichwort: Ausbildung in Deutschland

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