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Meschederin absolviert Kulturelles Jahr am Staatstheater

Druckreif-Autorin Hanna Schnier beim Radio-Interview über das Projekt "Das Publikum" mit Moderator Sebastian Schäfer.

Druckreif-Autorin Hanna Schnier beim Radio-Interview über das Projekt "Das Publikum" mit Moderator Sebastian Schäfer.

Foto: Abd Alrahman Alqalaq

Ihr habt noch keine Idee, was ihr nach dem Abschluss machen wollt? Wie wäre es mit einem Freiwilligen Kulturellen Jahr?

N ach dem Abschluss heißt es „Eine Entscheidung treffen“. Man fragt sich, was man später einmal machen will und vielen fällt diese Entscheidung nicht leicht. Ich habe ein FSJ Kultur am Badischen Staatstheater in Karlsruhe gemacht und vieles erlebt.

Die Entscheidung

Für mich war bereits auf der Realschule klar, dass ich einmal am Theater oder im Film arbeiten möchte. Damals haben mir viele eingeredet, dass diese Branche viel zu schwer sei und es sich nicht lohnen würde. Während unserer Theaterproduktion im Abitur wurde mir aber klar, dass es das ist, was ich wirklich machen will. Doch in welchem Bereich? Schauspiel? Regie? Oder doch Dramaturgie? Oder einer der vielen anderen Bereiche?

Bei der Internetrecherche bin ich so auf das Freiwillige Soziale Jahr gestoßen, das man nicht nur im sozialen und ökologischen, sondern auch im kulturellen Bereich machen kann.

Für mich war das die ideale Lösung, mir die Arbeit im Theaterbetrieb anzuschauen und einen Blick hinter die Kulissen zu werfen. Nach einer langen Bewerbungsphase und mehreren Vorstellungsgesprächen an den unterschiedlichsten Theatern Deutschlands bekam ich eine Zusage vom Badischen Staatstheater Karlsruhe in der Sparte Volkstheater. Das Volkstheater ist eine Bürgerbühne, bei der auch „Hobby-Schauspieler“ auf der Bühne stehen. Im Dorf bin ich mit Laientheater groß geworden und so war das für mich die perfekte Kombination aus Bürgerpartizipation und der großen Bühne.

Die Ankunft

Die Ankunft in Karlsruhe war erst einmal sehr schwer. Mit fünf Stunden Autofahrt ist ein Umzug nicht gerade einfach. Auch in eine der teuersten Städte Deutschlands zu ziehen, sorgt für Probleme. Man muss eine bezahlbare Wohnung finden, die zentral liegt, sodass man sich die Bahnfahrt sparen kann und in meinen Fall auch staatliche Finanzunterstützung beantragen, da man im FSJ nur ein monatliches „Taschengeld“ bekommt.

Im Süden angekommen, hatte ich noch ein paar Tage frei, in denen ich erst einmal die Stadt erkundet habe, bevor ich zum ersten Arbeitstag antreten durfte. Neue Leute kennenzulernen war für mich jedoch kein Problem. Das Theater war schnell wie eine Familie für mich!

Meine Aufgaben

Da ich lediglich einer Sparte und keiner besonderen Abteilung, wie z.B. der Kostümabteilung, zugeteilt war hatte ich viele Aufgaben und durfte ein bisschen von allem machen. Am Anfang der Spielzeit hieß es für mich oft Flyer in der Stadt verteilen oder Protokoll schreiben, was später weniger wurde. Meine Hauptaufgabe waren die Theaterlabore. Das sind Theatergruppen, die sich wöchentlich treffen und mit einer Leitung, z.B. einem Schauspieler oder Theaterpädagogen, ein Projekt erarbeiten, das am Ende des Jahres auf der Bühne präsentiert wurde. Meine Aufgabe war es, die Anmeldungen zu organisieren, den Leitungen von drei Laboren zu assistieren und bei einem durfte ich auch selbst mitspielen. Neben den Theaterlaboren hatte ich viele Büroaufgaben, wie Mails schreiben oder etwas über ein Stück zu recherchieren. Ber der Produktion „Instant Integration – Anruf genügt“ durfte ich die Regieassistenz übernehmen und oft hatte ich Abendspielleitung. Das bedeutete, dass ich vor der Vorstellung schauen musste, dass alle Requisiten an Ort und Stelle sind und dass die Vorstellung reibungslos abläuft. In meinem FSJ musste ich außerdem ein eigenes Projekt machen, dass ich komplett selbst auf die Beine stellen musste. Ich habe nach langem Überlegen einen Improtheater-Workshop gemacht, den ich organisieren, protokollieren und durchführen musste. Außerdem hatte ich viermal im Jahr ein Seminar mit anderen FSJlern, mit Workshops und vielem mehr.

Das war besonders toll

Für mich waren zwei Dinge besonders toll. Einmal mein Impro-Projekt, auf das ich unheimlich stolz war und das mir sehr viel Spaß bereitet hat und außerdem das Volkstheater-Festival, bei dem ich selbst auf der Bühne stand. Es war schön zu sehen, was man mit den Theatergruppen erarbeitet hat. Besonders stolz war ich auf ein Theaterlabor, das wir in Kooperation mit einer Schule für geistig behinderte Kinder und Jugendliche gemacht haben. Die Kinder auf der Bühne zu sehen, war grandios und mit den Kindern zu arbeiten hat mir viel zurückgegeben.

Das war schwierig

Was genau schwierig war ist so pauschal nicht zu sagen. Im Theaterbetrieb gibt es stets Höhen und Tiefen. Es ist oft stressig und man hat viel Verantwortung. Es herrscht ständig Trubel und eigentlich ist es nie wirklich ruhig. Schwierig sind die Arbeitszeiten. In den Schulferien konnte ich nicht einfach nach Hause fahren. Um an Weihnachten zu Hause zu sein, habe ich Überstunden gesammelt und musste zusätzlichen Urlaub beantragen. Oft war ich erst abends um 23 Uhr wieder in meiner WG oder musste um 7 Uhr schon im Büro sein. Teilweise wusste ich erst am Tag zuvor, wann ich am nächsten Tag arbeiten muss oder habe es zeitlich nicht geschafft eine Mittagspause zu machen und habe 12 Stunden durchgearbeitet.

Im Rückblick

Rückblickend kann ich mich nicht beschweren. Die Arbeit am Theater ist anstrengend, stressig und nichts für Zartbesaitete, aber es lohnt sich. Man sieht, was man zustande gebracht hat und trifft Menschen, die man nie wieder missen will. Man kann kreativ sein, einen Blick hinter die Kulissen werfen, Kontakte knüpfen und vieles mehr. Und selbst, wenn man nach zwei Monaten merkt, dass man diesen Beruf vielleicht doch nicht sein ganzes Leben machen will, kann man das Beste daraus machen und das Jahr genießen!

>>>HINTERGRUND

Wenn ihr euch auch für ein FSJ im Kulturbereich interessiert findet ihr alle Infos unter: https://freiwilligendienste-kultur-bildung.de/

Die Bewerbung läuft über ein Onlineportal. Zurerst bewirbt man sich bundeslandweit (meist ab 1. Januar), im März kann man dann Wunschstellen und Wunschbereiche angeben. Zeugnisse sind nicht von Belang. Persönliche Daten, wie z.B. Namen und Geschlecht werden an die Einsatzstellen erst herausgegeben, wenn diese sich entschieden haben, die Person zum Vorstellungsgespräch einzuladen, sodass der erste Eindruck nicht von Alter, Herkunft, Geschlecht u.Ä. beeinflusst wird.

Ein FSJ Kultur kann man machen, wenn man die Vollzeitschulpflicht erfüllt hat (also auch mit Hauptschulabschluss) und noch keine 27 Jahre alt ist (oder in dem Jahr 27 Jahre alt wird).

Ein FSJ Kultur kann man am Theater, im Museum, in Stadtarchiven, in der Bibliothek und ähnlichen kulturellen Einrichtungen machen.

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