Wald

Forst Meschede: Probleme mit Borkenkäfer und Klimawandel

Stadtförster Roland Wiese informierte jetzt die Mitglieder des Stadtrates beim jährlichen Waldbegang über die aktuellen Entwicklungen rund um den Stadtforst.

Stadtförster Roland Wiese informierte jetzt die Mitglieder des Stadtrates beim jährlichen Waldbegang über die aktuellen Entwicklungen rund um den Stadtforst.

Foto: Stadt Meschede

Meschede.  Der Stadtforst steht vor zwei Herausforderungen: dem Borkenkäfer und dem Klimawandel. Es gibt Vorschläge für Lösungen.

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Die erste Herausforderung für den Mescheder Stadtforst trägt den Namen „Buchdrucker“ und „Kupferstecher“, ist zwischen zwei und fünf Millimeter groß und vermehrt sich bei Hitze und Trockenheit massenhaft: Es ist der berüchtigte Borkenkäfer, der vor allem der Fichte momentan schwer zu schaffen macht.

Die zweite Herausforderung, die dahinter steckt: Der Klimawandel, der extreme Wetterlagen häufiger werden lässt. Wie man im Mescheder Stadtforst damit umgeht, darüber informierte Stadtförster Roland Wiese jetzt die Mitglieder des Stadtrates beim jährlichen Waldbegang.

Mischen als Rezept

Ein Rezept, das man im Mescheder Stadtforst gegen den Borkenkäfer anwendet: „Mischen ist das Credo“, bringt es Roland Wiese auf den Punkt. Mehr Vielfalt im Wald nutzt nicht nur der Ökologie, sondern erschwert auch dem Borkenkäfer sein „Geschäft“. Wichtig dabei sei, dass die Bäume für den Standort geeignet seien - „und wer dabei nur auf heimische Baumarten setzt, macht einen großen Fehler“, so der Förster.

Bereits in vergangenen Jahrzehnten haben Roland Wiese und seine Vorgänger im Stadtwald mit so genannten „Fremdländern“ experimentiert - und mit Baumarten wie Nobilis, Douglasie, Weißtanne und anderen gute Erfahrungen gemacht. Roland Wieses Einschätzung: „Wir haben bei den Baumarten das Pulver noch nicht verschossen. Im Mescheder Stadtwald wachsen 32 verschiedene Baumarten. Da dürften wohl ein paar passende dabei sein.“

So wie zum Beispiel im Bereich Rümmecke bei Freienohl. Hier sind die Große Küstentanne und die Hemlocktanne Alternativen zur Fichte.. Roland Wiese: „Wir können mit vier bis fünf Nadelbaumarten arbeiten, die auch Ertrag bringen.“ Ebenso entwickle sich die Eiche sehr positiv. Offenbar komme sie mit der Wärme gut zurecht, so Roland Wiese: „Die Eiche kommt wieder.“ Im vergangenen Jahr habe es sogar Neuanpflanzungen im Revier Eversberg gegeben.

1000 Esskastanien-Bäume bestellt

Keine Patentlösung sei es dagegen, bei Aufforstungen fast ausschließlich Laubbäume einzusetzen. „Warum soll man Flächen, die Nadelholz hatten, nicht wieder mit Nadelholz bepflanzen?“, fragt der Stadtförster, „aber niemals nur mit einer Baumart.“ Wenn man bei Neuanpflanzungen zu 60 Prozent auf Nadelhölzer setze und zu 40 Prozent auf Laubbäume, erhalte man „einen wunderschönen Berg-Mischwald.“

Denn auch viele Laubbäume haben mit Trockenheit und Wärme zu kämpfen. Deshalb gelte es auch hier, auf die richtigen Arten zu setzen. Statt der Buche seien dies eher Eiche, Ahorn oder die Esskastanie: „Davon haben wir schon 1000 Stück für nächstes Jahr bestellt. Seit fünf Jahren probieren wir es mit ihr auf kleineren warmen Südrändern. Die Trockenheit beeindruckt sie nicht.“

Ökologie und Wirtschaftlichkeit keine Widersprüche

Für einen modernen Forst seien Ökologie und Wirtschaftlichkeit keine Widersprüche, unterstreicht Roland Wiese. Die Empfehlung, rund zehn Prozent der Flächen „stillzulegen“ und nicht zu bewirtschaften, habe man im Stadtforst lange umgesetzt. Wiese verweist dabei auf das Naturschutzgebiet Hamorsbruch am Stimm-Stamm und die zahlreichen Bachläufe, in deren Umfeld man konsequent auf Laubbäume gesetzt habe. Zum anderen dürfe man aber auch die Bewirtschaftung nicht vergessen.

Holz sei ein wichtiger Rohstoff - für Bauwirtschaft, das produzierende Gewerbe oder mittlerweile auch als Energieträger. „Sollen wir dieses Holz, das wir brauchen, etwa alles importieren?“, so Roland Wiese, „das wäre doch völlig widersinnig.“ Es gehe nun darum, Weichenstellungen vorzunehmen, die nicht nur momentan, sondern für die kommenden Jahrzehnte richtig seien, betont der Stadtförster.

Dazu gehören eine gut strukturierte Durchmischung verschiedener Baumarten, die richtigen Baumarten am richtigen Standort und ebenso die Bereitschaft, auch jüngere Bestände zu verwerten: „Die hohen Vorräte pro Hektar wird es nicht mehr geben.“ Letztlich sei ein Forst ein hochkomplexes System, in dem Ökologie und Wirtschaftlichkeit sogar zusammengehören - Roland Wiese: „Und deshalb wollen wir beides machen.“

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