BERUFSKOLLEG

Drohende Verlagerung aus Meschede abgewendet

Bei der Berufsinfobörse in Meschede zeigen die Auszubildenden Schülern, was ihren Beruf ausmacht. das wäre nicht mehr möglich gewesen, wenn die Bildungsangebote aus Meschede verlegt worden wären.Foto:Jürgen Kortmann

Bei der Berufsinfobörse in Meschede zeigen die Auszubildenden Schülern, was ihren Beruf ausmacht. das wäre nicht mehr möglich gewesen, wenn die Bildungsangebote aus Meschede verlegt worden wären.Foto:Jürgen Kortmann

Meschede.   Die Angebote für Metall, Elektro, Bau und Holz am Berufskolleg Meschede standen auf der Kippe. Doch jetzt kommt es anders.

Erfolg für die Mescheder Wirtschaft: Die Bildungsangebote am Berufskolleg bleiben erhalten, eine drohende Verlagerung nach Olsberg und Arnsberg ist verhindert worden. Gutachter hatten das dem Kreis als Schulträger ursprünglich empfohlen. „Ich gebe der Interessengemeinschaft Mescheder Wirtschaft Recht: Leistungsfähige Branchen müssen hier weiter gestärkt werden“, sagt jetzt Landrat Dr. Karl Schneider. Der Abzug aus Meschede wird nicht stattfinden.

Betroffen von einer Verlagerung wären Schüler der Metall-, der Elektro- sowie der Bau- und Holztechnik gewesen, die derzeit den schulischen Teil ihrer dualen Ausbildung in Meschede absolvieren. „Diese Absicht hat die IMW im höchsten Maße alarmiert“, schreibt Vorsitzender Meinolf Ewers in einem Positionspapier an alle Kreistagsmitglieder.

5000 der 12 500 sozialversicherungspflichtig Beschäftigten arbeiten in diesen gewerblich-technischen Bereichen. Die Sorge: Der Nachwuchs gehe verloren, Mitarbeiter müssten aber weiter unmittelbar am Produktionsort ausgebildet werden.

Anfahrt selbst bezahlen

Ewers verweist im Gespräch zum Beispiel darauf, dass Lehrlinge ihre Zugfahrt zum Berufskolleg selbst bezahlen müssen – bei den schmalen Ausbildungsvergütungen falle das schon ins Gewicht. Es könnte dann ein weiterer Grund sein, warum sich junge Leute eben nicht für eine Ausbildung entscheiden würden. Denn das ist die ganz große Sorge der Mescheder Wirtschaft, die sie umtreibt: Das Fehlen von Fachkräften in der Zukunft.

„Es wird ein dramatischer Fachkräftemangel auf Meschede zukommen“, sagt Ewers: „Viele haben noch keine Vorstellung davon.“ Denn zur demographischen Entwicklung komme hinzu, dass viele sich lieber für höhere schulische Ausbildungen entscheiden, die Hauptschule weniger Schüler habe und immer mehr Jüngere das Sauerland verlassen: „Das Potenzial wird immer geringer.“

Und jetzt komme auch noch das Babyboomer-Problem hinzu: Die geburtenstarken Jahrgänge aus den 60-er Jahren müssen mittelfristig ersetzt werden. Ewers, selbst Jahrgang 1962, macht es an seinem Fahrzeug- und Karosseriebau-Unternehmen fest: Bislang sei alle zwei, drei Jahre ein Mitarbeiter in Rente gegangen, ab diesem Jahr würden es zwei – und das jährlich. Dabei brauche es fünf Jahre an Ausbildung und Gesellenzeit, „bis einer voll einsetzbar ist“.

Auf Roboter setzen

Wo sollen diese Fachkräfte herkommen? Zumal: Was, wenn Betriebe weiter wachsen wollen und noch mehr Personal benötigen? Ewers erkennt erste Anzeichen, dass sich die Unternehmen gegenseitig Mitarbeiter abwerben – „das geht langsam los“. Finden sich nicht genügend Fachkräfte, könnten Betriebe gezwungen sein, sich andere Standorte zu suchen, Arbeiten auszusourcen oder auf Roboter setzen: „Das sind alles keine Ansätze, mit denen das Gewerbesteueraufkommen Meschedes steigen würde.“

Die Wirtschaft setzt darauf, besser zu qualizieren – auch Ungelernte oder junge Leute, die ihre Lehre oder ein Studium abgebrochen haben. In dieser Qualifizierung ist das Berufskolleg für Meschede deshalb so wichtig, sagt Ewers. Jetzt soll der Kreistag (wie berichtet) über weitere Investitionen in Meschede beschließen – „unter Beibehaltung der Bildungsangebote“, lautet dabei die wichtige Ergänzung.

„Da lege ich unheimlichen Wert drauf“, sagt Landrat Dr. Karl Schneider. Er betont, die Ideen des Gutachters zur Schaffung so genannter „Kompetenzzentren“ seien nur Vorschläge gewesen. Man müsse diesen Begriff „auch nicht überhöhen“, schränkt er ein. Eine stärkere Koordination der Berufsschulen sei sinnvoll: „Das ist dann richtig interpretiert.“

Berufsinfobörse vor 15 Jahren gegründet

Ewers sieht für die Wirtschaft die Investitionen als richtigen Weg an. Die Mescheder Unternehmen hatten vor 15 Jahren die Berufsinfobörse am Berufskolleg genau deshalb gegründet, um sich als ausbildungsstarke Betriebe zu positionieren.

In den letzten Jahren habe der Vorstand „sprachlos“ zum Beispiel vor der Außenfassade gestanden, in deren Holzkonstruktion dahinter ungebremst Regenwasser fließen konnte. Mit wenig Geld hätte das verhindert werden können. Unternehmer, sagt er, hätten es niemals zu so einem Investitionsstau kommen lassen.

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Zu den größten Betrieben, die von einer Verlagerung von Bildungsangeboten am Berufskolleg betroffen wären, gehören Martinrea-Honsel mit 1500, Veltins mit 630 und M. Busch mit 520 Mitarbeitern.

Das Berufskolleg Meschede wird aktuell von 2257 jungen Leuten besucht: Unter anderem 960 im Bereich Wirtschaft und Verwaltung, 436 in der Metalltechnik, 191 in der Bau- und Holztechnik sowie 125 in der Elektrotechnik.

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