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Die letzten Mescheder Clemensschwestern: Beruf als Berufung

 Die Clemensschwestern arbeiten bis heute im  St.-Walburga-Krankenhaus,  von rechts Konventsoberin Sr. Irmlinde, Sr. Hiltrudis. Sr. Margarethe, Sr. Magdalis.

 Die Clemensschwestern arbeiten bis heute im St.-Walburga-Krankenhaus, von rechts Konventsoberin Sr. Irmlinde, Sr. Hiltrudis. Sr. Margarethe, Sr. Magdalis.

Foto: Sabina Butz

Meschede.   Sie gehören bis heute fest zum Bild des Mescheder St.-Walburga-Krankenhauses: die Schwestern Irmlinde, Hiltrudis, Margarethe und Magdalis. 

Sie wohnen zusammen, sie leben zusammen, sie arbeiten zusammen. Sie haben inzwischen alle das Rentenalter erreicht, aber sie denken nicht daran, aufzuhören, sie können es gar nicht: „Unser Beruf ist unsere Berufung.“, formuliert es die Konventsoberin Sr. Irmlinde. „Wir sind alle ausgebildete Krankenschwestern und haben jahrzehntelang als solche gearbeitet. Jetzt, im Alter bringen wir uns in der Bibliothek, der Seelsorge, der Krankenhauskapelle und in der Patientenaufnahme ein.“ Das bedeutet nach wie vor einen Achtstundentag.

Der Tagesablauf

Das Wochenende ist nicht automatisch frei, wenn Arbeit ansteht, ist die Tages- und Uhrzeit egal. Dazu kommen die Verpflichtungen aus der Ordensgemeinschaft: Um 6.30 Uhr beginnt der Tag mit dem Morgenlob (Laudes) und endet, nach getaner Arbeit, mit täglicher Vesper und heiliger Messe um 18 Uhr. „Wir sind den Mönchen der Benediktiner Abtei sehr dankbar, dass sie uns in seelsorglicher und persönlicher Hinsicht zur Seite stehen, vor allem durch die täglichen abendlichen Gottesdienste. Dazu kommt die gemeinsame Gestaltung der besonderen Feiern für unsere Patienten (Krankensalbung und Gedenkgottesdienste), wobei der hauptamtliche Krankenhausseelsorger Pater Erasmus sich mit großem Einsatz einbringt.“

Die Geschichte

Die Ordensgemeinschaft der Clemensschwestern wurde 1808 von dem späteren Erzbischof von Köln Klemens August Droste zu Vischering gegründet und vom Bischof zu Münster anerkannt. Erste Generaloberin wurde Maria Alberti, Konvertitin und Tochter eines protestantischen Pfarrers.

1854 kamen die ersten beiden Clemensschwestern nach Meschede. Sie arbeiteten als Krankenschwestern im Krankenhaus, der „Ernestinischen Stiftung“. Als das Krankenhaus zu klein wurde, plante, organisierte und finanzierte das Mutterhaus der Clemensschwestern in Münster einen Neubau, der 1936 eingeweiht wurde und den Namen St.-Walburga-Krankenhaus erhielt.

Als sich 2014 die 17 Clemensschwestern des Euthymia-Seniorenheims verabschiedeten, blieb der Konvent der Clemensschwestern im St.-Walburga-Krankenhaus in Meschede: er besteht aus der Konventsoberin Sr. Irmlinde, die am kommenden Sonntag, 28. April, ihr 60-jähriges Profess-Jubiläum, als Erinnerung an ihr Ordensgelübde, feiert und ihren Mitschwestern, Sr. Margarethe, Sr. Hiltrudis und Sr. Magdalis.

Die Aufgaben

„Wir haben einfach mehr Zeit als andere Berufstätige,“ umschreibt Sr. Irmlinde die Tatsache, dass sie dem Krankenhaus gern und mit Freude in jeder Beziehung zur Verfügung stehen. „Wir wissen, dass wir nicht die Welt verändern können, aber wir können versuchen, unserer Ordensschwester, der Seligen Schwester Maria Euthymia nachzueifern.“ Diese habe gesagt: „Der Herr soll mich brauchen, ein Sonnenstrahl zu sein, der alle Tage leuchtet.“ Sr. Irmlinde: „Diesem Vorbild an Barmherzigkeit, der liebevollen, gütigen und aufregend barmherzigen Schwester Euthymia eifern wir auch in unserer Lebensgemeinschaft nach. Wir halten uns an unsere Ordensregeln, vor allem an die Vorgaben für das Gebetsleben. Das Gemeinschaftsgebet bindet uns eng aneinander.“

Alle Schwestern bekräftigen ihren Glauben, dass der Mensch auf Liebe angelegt sei, die es immer wieder zu entdecken und zu stärken gilt. Natürlich wissen die Schwestern auch, dass die Menschen diesem Ideal nicht immer gewachsen sind. „Wir akzeptieren, dass es Menschen gibt, die anders denken, Menschen, die andere oft auch kontroverse Ansichten vertreten. Das gilt es zu beachten, auszuhalten und wenn möglich auszugleichen.“

Der Lohn

Die Schwestern erfahren viel Wertschätzung der Mescheder Bevölkerung, sie sind bekannt und geachtet. Sie fühlen sich wohl in Meschede. „Wo man gebraucht wird, ist es schön“, schränkt Sr. Irmlinde ein, wobei es in Meschede allen ganz besonders gut gefällt. Sie betrachten das als Gottesgeschenk, das sich in kleinen Begegnungen manifestiert: „Da war dieser kleine Knirps im Fahrstuhl, dem ich vor ein paar Monaten nach seiner Operation ein kleines Kinderbuch geschenkt hatte, er strahlte mich an und erklärte vor allen anderen: ‚Du bist die Beste hier im Krankenhaus, weil du mir ein Buch geschenkt hast‘“, erinnert sich Sr. Irmlinde.

Sr. Margarethe fügt hinzu: „Erinnert ihr euch noch an den kleinen Kerl, der richtig rausgeputzt einen Lichterkranz mit in die Kapelle tragen durfte? Die Gemeinde war gerührt über diese festliche Prozession und der kleine Junge flüsterte vor sich hin ‚Bin ich nicht schön?‘“ Die Mitschwestern bestätigen, dass man dieses Geflüstere laut und deutlich in der ganzen Kapelle verstehen konnte. Ein schöner Lohn.

>>>HINTERGRUND

Schwester (Sr.) Irmlinde, Konventsoberin, Jahrgang 1936, Sr. Margarethe, Jahrgang 1935, Sr. Magdalis, Jahrgang 1937 und Sr. Hiltrudis, Jahrgang 1940 gehören „den „Barmherzigen Schwestern von der Allerseligsten Jungfrau und Schmerzhaften Mutter Maria“ (Clemensschwestern) an.

Alle sind gelernte Krankenschwestern und haben jahrzehntelang in diesem Beruf gearbeitet: Sr. Irmlinde als Lehrschwester und Pflegedienstleiterin, Sr. Margarethe, Sr. Hiltrudis und Sr. Magdalis als Stationsleiterinnen.

Heute arbeiten sie in der Bibliothek, der Seelsorge, der Krankenhauskapelle und der Patientenaufnahme des Krankenhauses. Sr. Magdalis lebt seit 1977 in Meschede, die anderen Schwestern seit 1991, 2006 und 2008. Alle Schwestern sind sich einig, dass sie gern weiter in Meschede leben und arbeiten möchten.

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