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Die Bahn in Meschede: Züge kommen dreieinhalb Jahre später

Die Bahnhöfe, wie hier in Meschede, werden inzwischen mit viel Aufwand modernisiert. Auf modernere Züge dagegen müssen Fahrgäste mindestens bis Ende 2019 warten.

Die Bahnhöfe, wie hier in Meschede, werden inzwischen mit viel Aufwand modernisiert. Auf modernere Züge dagegen müssen Fahrgäste mindestens bis Ende 2019 warten.

Foto: Jürgen Kortmann

Meschede.   Erst ab Dezember 2019 ist mit neuen modernen Zügen im Sauerland-Netz zu rechnen. Hinter der Verspätung steckt eine Posse.

Das ist auch für Bahn-Verhältnisse eine außerordentliche Verspätung: Dreieinhalb Jahre. Denn erst ab Dezember 2019 ist mit neuen modernen Zügen im Sauerland-Netz zu rechnen. Und auch dann kommen die 36 Züge erst nach und nach bis Mitte 2020 zum Einsatz. Das bestätigt der Zweckverband Nahverkehr Westfalen-Lippe auf Anfrage. Eigentlich hätten die komfortableren Züge schon seit 11. Dezember 2016 unter anderem auf der Oberen Ruhrtalbahn rollen sollen. Die Bahn ist deswegen schon abgemahnt worden.

Wegen der Probleme um die ausstehenden Eisenbahnen kommt der Kreis-Wirtschaftsausschuss am morgigen Dienstag in Meschede zu einer Sondersitzung zusammen. Hauptthema dabei ist die Frage, wie der Kreis als Mitglied im Zweckverband mit dem Vertrag umgehen will, der mit der Deutschen Bahn für das Sauerland-Netz abgeschlossen worden ist. Die Bahn hatte die modernere Fahrzeugflotte im Sauerland-Netz zugesagt.

Dieselmarkt auch hier rückläufig

Geliefert werden der Bahn die Züge des Typs „Pesa Link“ vom polnischen Hersteller Pesa. Wie berichtet, entsprechen deren Maße und Normen aber gar nicht deutschen Standards. Dadurch verzögert sich die Auslieferung. Inzwischen ist die Bahn nach Informationen des Zweckverbandes mit eigenem Personal in Polen in den Fertigungsprozess eingebunden.

Bis zur Auslieferung der neuen Züge setzt die Bahn im Sauerland ältere ein. Hier kommen aufgearbeitete dieselangetriebene Züge aus dem Kölner Netz zum Einsatz, die bislang zum Beispiel in die Eifel fuhren, außerdem Neigetechnikzüge sowie Triebwagen aus den 90er-Jahren. „Es gibt inzwischen ein Ersatzkonzept der Deutschen Bahn, aber es gibt nicht die Qualität“, sagt der Sprecher des Zweckverbandes, Uli Beele. Wegen ihres Alters bieten sie wenig Komfort, der hohe Einstieg vom Bahnsteig aus ist für Reisende schwierig: „Man muss klettern.“

Wegen der vielen Tunnel auf der Strecke ist die Obere Ruhrtalbahn nicht elektrifiziert. Deshalb werden Dieselfahrzeuge benötigt. Der Zweckverband beobachtet aber, wie beim Automarkt, dass sich im Bereich der Züge der Dieselmarkt rückwärts entwickle: „Die Zahl der Hersteller sinkt, der Markt wird dünner“, so Uli Beele. Inzwischen verfolgen die Hersteller sogar den Wasserstoffantrieb: „Die Anbieter sind da optimistisch.“

Gleicher Anbieter, höhere Kosten?

Wegen der Verzögerungen hat der Zweckverband die Deutsche Bahn inzwischen abgemahnt, bestätigt Beele. Über einen längeren Zeitraum müsse auf die Gebrauchtfahrzeuge ausgewichen werden: „Dadurch kommt es zu massiven Qualitätsbeeinträchtigungen in der Betriebsleistung, die im Sinne der Fahrgäste und der geschuldeten Vertragsverpflichtung nicht hingenommen werden können“, heißt es in der Abmahnung. Mit Fristsetzung zum 1. Juni wird die Bahn aufgefordert, ihre Leistungspflicht zu erfüllen – wenn nicht, wird die außerordentliche Kündigung angedroht.

Druck auf die Bahn ausüben

Und damit beschäftigen sich am Dienstag die Kreispolitiker. Die Kreisverwaltung allerdings empfiehlt der Politik, den Vertrag mit der Deutschen Bahn dennoch fortzusetzen. Denn sonst müsste ein neuer Vertrag ausgehandelt werden. Dazu heißt es in der unserer Zeitung vorliegenden Empfehlung: „Die finanziellen Konditionen eines in diesem Fall neu zu schließenden Verkehrsvertrages können nicht benannt werden.“

Es sei nicht auszuschließen, dass die Bahn sich dann erneut als Bediener des Schienennetzes bewerben werde – dann aber „den Preis diktiert“. Sprich: Für den Kreis bleibe es beim gleichen Anbieter, aber zu höheren Kosten. Die Kreisverwaltung rät deshalb, lieber weiterhin Druck auf die Bahn auszuüben, „damit die zugesagten Fahrzeuge schnellstmöglich geliefert werden“.

Umfang von 1,2 Milliarden Euro

Deutsche Bahn und der polnische Hersteller Pesa haben im Jahr 2012 einen Rahmenvertrag abgeschlossen, der die Lieferung von bis zu 470 Pesa-Link-Dieseltriebwagen umfasst. Das gesamte Geschäft hat einen Umfang von 1,2 Milliarden Euro.

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