"24 Stunden"

Arbeiten unter Schmallenberger Hobbygolfern

Der Golfplatz ist zugleich sein Arbeitsplatz: Marvin Buschmann unterrichtet Hobbygolfer in Winkhausen.  

Der Golfplatz ist zugleich sein Arbeitsplatz: Marvin Buschmann unterrichtet Hobbygolfer in Winkhausen.  

Foto: Katrin Clemens

Winkhausen.  16 Uhr: Der Golfplatz in Winkhausen ist sein Arbeitsplatz: Marvin Buschmann hat seine Leidenschaft für den Golfsport zum Beruf gemacht.

Kurz nach 16 Uhr auf dem Golfplatz. Die Sonne scheint, die Vögel zwitschern. Das Gras rund um die Löcher – „Green“ heißt es hier natürlich – ist auf die perfekte Länge getrimmt, die Bäume treiben schon aus. In einigen Wochen wird der größte Sauerländer Platz in seiner vollen landschaftlichen Pracht daliegen. Wer bis dahin noch an seinem Handicap feilen will, wendet sich an Marvin Buschmann.

Der 30-Jährige trainiert auch Bundesligisten, hauptsächlich aber die Hobbygolfer in Winkhausen. Seit neun Uhr ist er heute schon auf dem Platz unterwegs, jetzt steuert der junge Mann in Polo-Shirt, leuchtend roter Hose und Turnschuhen auf die Küche des Clubs zu. Zeit für einen Kaffee vor der nächsten Unterrichtseinheit.

Im Clubhaus geht es ein und aus, ein Smalltalk ergibt den nächsten. „Hier kennt sich fast jeder, der Golfplatz ist ein kleines Dorf“, sagt Marvin Buschmann, der sich mit der Kaffeetasse in der Hand an einen großen Tisch platziert hat. „Die meisten sind auch per du.“

In Kindertagen angesteckt

Die Bodenständigkeit sei das, was er am Schmallenberger Golfclub besonders schätze. So elitär wie sein Ruf sei der Golfsport ohnehin nicht. „Mittlerweile ist Golf ein erschwingliches Hobby“, sagt Buschmann. Unter seinen Schülern reihen sich Handwerker, Polizisten, Landwirte und Unternehmer nebeneinander.

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Reportage zum Tag der Arbeit.
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„Es wird nicht langweilig, die Leute sind so unterschiedlich.“ Egal welchen Beruf oder welches Alter ein Golfer allerdings habe – Buschmann unterrichtet 4-Jährige genauso wie 84-Jährige – eines hätten sie alle gemeinsam: „Wenn man einmal infiziert ist, wird man golfverrückt.“

Er selbst hat sich als Neunjähriger angesteckt. Das Golfvirus hatte schnell ihn im Griff und er den Schläger. Sein Talent wollte er nutzen, um einen Beruf daraus zu machen. Heute arbeitet er als selbstständiger Golflehrer und ist während der Saison von April bis Oktober abgesehen von den Sonntagen täglich auf dem Platz zu finden.

„Heute zum Beispiel gebe ich insgesamt elf Stunden Unterricht, danach ist man schon kaputt“, sagt Buschmann und zieht den letzten Schluck Kaffee aus der Tasse. Der muss genug Konzentration für die nächste Unterrichtsstunde liefern. Denn die Uhr an der Wand zeigt 16.27 Uhr und der Schüler ist schon da.

Achtung, Golfball!

Heinz Fischer steht mit Golftrolley und Bällen bereit. Der Schmallenberger Unternehmer ist Gründungsmitglied des Vereins, hat sein Büro bisher aber eher selten gegen den Golfplatz getauscht und will jetzt mit Marvin Buschmann an seiner Technik arbeiten. Bergauf schlagen steht für die kommende halbe Stunde auf dem Programm.

„Du musst die Schulter etwas dem Hang anpassen und dann den Schläger laufen lassen“, kommentiert Buschmann nach dem ersten Probeschlag, den er mit den Händen in den Hosentaschen und konzentriertem Blick beobachtet hat.

Der ein oder andere Löwenzahn musste hier wohl schon den Kopf lassen. Damit die der Spieler keinen Schaden nehmen, sind in regelmäßigen Abständen Schilder in den Boden gerammt mit der rot aufgedruckten Warnung „Achtung! Fliegende Golfbälle – Lebensgefahr!“. Heinz Fischer setzt jetzt zum nächsten Schlag an. Er holt aus, mit einem lauten „Klack!“ prallt der metallene Schläger gegen den Ball und einige Augenblicke später landet er mit einem dumpfen Ploppen auf dem Boden. „Guuuut!“ Buschmann ist zufrieden mit seinem Schützling, der rein altersmäßig auch sein Vater sein könnte. „Der war perfekt! Denk immer an die Handgelenke.“

Einige Schläge später sind sowohl Lehrer als auch Schüler zufrieden mit dem heutigen Fortschritt. Das komme nicht allzu häufig vor, sagt Buschmann. Viele Golfer seien vom Ehrgeiz getrieben und von der Hoffnung, der nächste Schlag könnte ihr Bester sein. Ihm sei es in seiner aktiven Zeit nicht anders gegangen.

Heute greift er selbst allerdings nur noch selten zum Schläger. „Ich spiele vielleicht drei Mal im Jahr eine Runde Golf“, sagt er. „Ich habe schlicht keine Zeit.“ So wie auch jetzt, denn die nächste Schülerin wartet.

Zeit für die Familie ist knapp

Drei Stunden wird Buschmann heute noch unterrichten und dann zu seiner Familie nach Lennestadt fahren. Seine beiden Kinder, die er morgens vor der Arbeit in den Kindergarten gebracht hat, werden dann schon schlafen. Während der Saison kommt die Familie etwas kurz, muss Buschmann eingestehen. Das versuche er im Winter wieder gut zu machen.

Davon abgesehen aber habe er den richtigen Job für sich gefunden. Driving Range und Schläger würde er nicht gegen Schreibtisch und Kugelschreiber eintauschen wollen.

>> CLUB HAT MEHR ALS 600 MITGLIEDER

  • Neben Golflehrer Marvin Buschmann arbeiten Greenkeeper, Büro- und Gastronomiepersonal auf dem Golfplatz, der zwischen Winkhausen und Holthausen liegt.
  • Gegründet wurde der Schmallenberger Golfclub bereits 1984.
  • Heute hat er mehr als 600 Mitglieder.
  • 2013 erweiterte der Club seinen Platz von 18 auf 27 Löcher und hat damit drei Neun-Loch-Plätze im Angebot, die nach den Himmelsrichtungen West, Nord und Ost benannt sind.

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