Serie "24 Stunden"

Von den Ehrenamtlichen zum Groß-Investor

Auf solche Mitbürger wäre wohl jeder Bürgermeister stolz: Martin Wächter nach der Begrüßung der Mendener Heinzelwerker-Abordnung (von links) Prof. Dr. Rolf Puruckherr, Gisela König und Hubert Schmidt. Foto:Thomas Hagemann

Auf solche Mitbürger wäre wohl jeder Bürgermeister stolz: Martin Wächter nach der Begrüßung der Mendener Heinzelwerker-Abordnung (von links) Prof. Dr. Rolf Puruckherr, Gisela König und Hubert Schmidt. Foto:Thomas Hagemann

Menden.   10 Uhr: Reportage zum Tag der Arbeit: Was macht der Bürgermeister am Vormittag? Martin Wächter hat unterschiedlichste Termine.

24-h-Südwestfalen

Reportage zum Tag der Arbeit.
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„24 Stunden Südwestfalen“ – dieses WP-Projekt bedeutet für Menden, dass wir die Stunde zwischen 10 und 11 Uhr morgens mit dem Bürgermeister und die Zeit von 22 bis 23 Uhr mit einer Wirtin verbringen. Beides sollte für einen Reporter nicht sonderlich schwierig sein, sollte man meinen. Doch überhaupt einen Termin beim Bürgermeister zu bekommen, ist schon alles andere als einfach. Und dann noch zu einer bestimmten Stunde? Fast unmöglich! nach einigem Hin und Her klappt’s dann aber doch: „An diesem Donnerstag steht ab 10 Uhr ein Gespräch mit den Mendener Heinzelwerkern an, das müsste hinhauen“, meint Stadt-Sprecher Johannes Ehrlich.

Alles klar also – bis kurz vorher die ehrenamtlichen Seniorenhelfer gefragt werden. Und die wollen mit dem Bürgermeister nicht unbedingt im Beisein der Presse verhandeln. Doch wir finden einen Kompromiss: Zumindest am Anfang bin ich dabei.

Die Begrüßung von Prof. Dr. Rolf Puruckherr, Gisela König und Hubert Schmidt ist freundlich. Man kennt sich, und Leute die Heinzelwerker sind für jeden Bürgermeister ohnehin ein Lichtblick: „Nett, dass Sie sich die Zeit genommen haben“, sagt Wächter beim Shakehands. Und dann: „Menden wäre ein ganzes Stück ärmer, wenn es die Heinzelwerker nicht gäbe!“

Kleine Hilfen für Senioren

Gerade diese rund 20-köpfige Gruppe packt buchstäblich überall mit an, wo ältere und bedürftige Mitbürger Unterstützung brauchen. Die Heinzelwerker haben sich kleine Hilfeleistungen für Senioren in Menden auf die Fahne geschrieben. Sie reparieren klemmende Schubladen, schrauben Glühbirnen rein, helfen beim Ausfüllen unverständlicher Formulare, begleiten beim Gang zum Arzt oder helfen am Computer.

Unterstützt wird die Gruppe von der Mendener Bürgerstiftung – und eben der Stadt, deren höchster Repräsentant Martin Wächter ist. Deshalb fragen sie ihn, wenn sie selbst etwas auf dem Herzen haben, und das ist zum einen der drohende Verlust ihrer Ansprechpartnerin bei der Stadt, Christiane Meißner. Die Bürgerbeauftragte geht bald in den Ruhestand. Außerdem bewegt auch die Heinzelwerker, was viele Menschen in Menden aufregt und von der WP bereits ausführlich aufgegriffen wurde: der allmähliche Niedergang des städtischen Seniorentreffs.

Wächter wird hinter verschlossener Tür sagen, was er sagen kann – denn der eigentliche Bestimmer in jeder Kommune ist nicht der Bürgermeister, sondern der Stadtrat. Aber: Für Christiane Meißner wird es ein neues Gesicht geben, das sich um die Sorgen und Nöte von Ehrenamtlichen wie den Heinzelwerkern kümmert. Gerade erst hat die Politik auf Anregung der Verwaltung die übliche Wiederbesetzungssperre für Meißners Stelle aufgehoben.

Zum Seniorentreff hatte Wächter auch im jüngsten Stadtrat erklärt, dass es keine Soforthilfe geben kann, wohl aber ein umfassendes Konzept für die Seniorenarbeit der Stadt. Darin soll dann auch der Treff seinen Platz finden.

Erst Düsseldorf, dann Gelsenkirchen

Als die Ehrenamtlichen draußen sind, geht es für Wächter mit einer kleinen Delegation nach Düsseldorf, „wegen eines Ansiedlungsprojekts“. Dieser Besuch ist nach dem Empfang der Heinzelwerker und dessen Vorbesprechung der dritte Termin, zugleich der längste und letzte an diesem Tag. Wohin es genau geht, verrät Wächter nicht, allerdings ist anzunehmen, dass in der Landeshauptstadt der Investor des Nordwallcenters warten dürfte.

Auch am Freitagmorgen wartet eine der großen Fragen: Dann fährt Wächter zur Gelsenwasser AG nach Gelsenkirchen. Die ist Investorin des geplanten Windparks in Ostsümmern. Das Projekt ist längst nicht so lange am Start wie das Center, hat aber angesichts ablehnender Bürgerreaktionen hohes Zankapfel-Potenzial: Das Aktionsbündnis „Gegenwind“ hat angekündigt, „notfalls bis in die letzte Instanz klagen“ zu wollen. Kein Wunder, dass sich Martin Wächter eher auf Termine mit den Heinzelwerkern freut.

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