Behelfsbrücke in Lasbeck

Zweimal 18 Tonnen schweben durch die Luft

Hier wird der zweite 18 Tonnen schwere Träger eingeschwebt. 

Hier wird der zweite 18 Tonnen schwere Träger eingeschwebt. 

Foto: Michael May / IKZ

Lasbeck.  In einer nächtlichen Mammut-Aktion entsteht die Behelfsbrücke über die Bahnlinie in Lasbeck.

Man kann wohl in jeder Beziehung von einer schwergewichtigen Angelegenheit sprechen, die sich in den Nachstunden des Wochenendes in Lasbeck abgespielt hat. Ziel der „Übung“ war es, eine Behelfsbrücke über die Ruhr-Sieg-Strecke der Deutschen Bahn zu spannen. Das ist Voraussetzung dafür, dass die alte Brücke abgerissen und durch eine neue ersetzt werden kann.

Schwergewichtig: Der Autokran, der die alte Brücke passieren musste, um auf Lasbecker Seite Position beziehen zu können, bringt es auf ein Eigengewicht von 60 Tonnen. Wieder „festen Boden“ unter den Rädern, wurde der Kran noch mit 72 Tonnen Ballast verstärkt, um die für die Aktion notwendige Stabilität zu erlangen. Und auf stattliche Werte kommt auch der Schwertransporter mit den zwei jeweils 18 Tonnen schweren Stahlfachwerksträgern – Basis der Behelfsbrücke. Während der Aktion steht der mit Ladung 56 Tonnen wiegende Transporter mitten auf der alten Brücke – durchaus ein „Leistungsnachweis“ auf ihre alten Tage.

Die Stahlfachwerksträgersind 30,5 Meter lang

Samstagabend, 23.50 Uhr: die auch überregional bedeutsame Eisenbahn-Strecke wird komplett gesperrt, der Fahrstrom in den Oberleitungen abgestellt. Denn es wird in der Folge ja nur rund einen Meter über den Leitungen gearbeitet. Längst hat der Autokran den ersten 30,5 Meter langen Träger am Haken, gegen 0.15 Uhr schwebt dieser in die Höhe und in Richtung der in den Wochen zuvor aus Beton gegossenen Widerlager. In der richtigen Position fixiert klettern dann zwei gesicherte Mitarbeiter der Firma SEH Engineering aus Hannover, die von der Stadt Iserlohn mit dem Bau der Behelfsbrücke beauftragt ist, zur Mitte des Trägers, um die Ketten des Krans zu lösen. Sofort geht es unter aufmerksamer Beobachtung von Stadtbaurat Thorsten Grote und seinem jungen Bauleiter Steffen Mehrens an den zweiten Träger. Kranführer Erwin Reichwein von der Firma Bracht macht dabei einen gelassenen Eindruck. Er lässt durchblicken, dass er bei Arbeiten an der Wuppertaler Schwebebahn schon ganz andere Herausforderungen zu bestehen hatte.

Nachdem beide Träger ausreichend fixiert sind, wird damit begonnen, die ebenfalls nicht gerade leichten Fahrbahnplatten zwischen den Trägern einzuhängen. Und dann ist erst einmal Pause. Denn ab sechs Uhr sollen wieder Züge auf der Strecke rollen. In der Nacht von Sonntag auf den heutigen Montag erfolgte dann eine erneute Sperrung, um die restlichen Fahrbahnplatten einzuschweben. Ab 5 Uhr sollte dann der Zugverkehr wieder rollen.

Zahlreiche Schaulustigeverfolgen das Geschehen

Während der Arbeiten ist das gesamte Umfeld der Baustelle hell erleuchtet. Eine beachtliche Zahl Schaulustiger versammelt sich am späten Samstagabend am Ort des Geschehens. Davon zu sprechen, dass halb Lasbeck in dieser und der folgenden Nacht auf den Beinen ist, wäre aber deutlich übertrieben. Der Stadtteil ist, wie angekündigt, während der Aktion gewissermaßen abgeschnitten. Nur als Fußgänger kann man die Brücke passieren. Von der Möglichkeit, sein Auto am Stenglingser Weg im Bereich der Spedition Müller abzustellen, um im Bedarfsfall doch mobil zu sein, wird nur vereinzelt Gebrauch gemacht. Die Feuerwehr hat innerhalb der „Sperrzone“ Einsatzfahrzeuge stationiert, um im Notfall in Lasbeck einsatzbereit zu sein.

Ein kniffliger Teil der Mission „Neue Brücke über die Eisenbahn in Lasbeck“ ist nun erledigt, wie geht es weiter? Zunächst müssen die Fahrbahnanschlüsse an die Behelfsbrücke, die im Januar 2020 an den Start gehen soll, hergestellt werden.

Eine Ampel wird späterden Verkehr regeln

Sechs Meter breit ist die Behelfsbrücke. Mit mobilen Barrieren wird ein 1,50 Meter breiter Gehweg abgetrennt werden. Für Autos wird wie schon auf der jetzigen alten Brücke kein Begegnungsverkehr möglich sein. Anders als jetzt wird der Verkehr dann durch eine Ampel geregelt. Der Grund: Da die Zufahrt zur Behelfsbrücke über eine sehr enge Kurve erfolgt, müssen insbesondere größere Fahrzeuge auf die Gegenfahrbahn ausweichen.

Vom 28. Juni bis zum 15. Juli 2020 wird dann die Ruhr-Sieg-Strecke komplett gesperrt sein. Eigentlicher Grund sind Böschungssicherungsarbeiten der Bahn, die Stadt wird dieses „Fenster“ dann nutzen, um die alte Brücke abzureißen, und die Gründung mit Bohrpfeilern für die neue Brücke vornehmen zu lassen. Danach folgt – bei laufendem Bahnverkehr – der Bau unter anderem der Widerlager. Danach sollen dann die vorgefertigten Brückenteile eingeschwebt werden, bei erneuter Sperrung. Die Inbetriebnahme der neuen Brücke ist dann für 2022 vorgesehen.

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