Jahreskonzert

Unterhaltung und Verantwortung

Das Jahreskonzert des Musikvereins der Kolpingsfamilie stand unter der Überschrift „Fair Trade“.

Das Jahreskonzert des Musikvereins der Kolpingsfamilie stand unter der Überschrift „Fair Trade“.

Foto: Michael MaY

Letmathe.  Beim Jahreskonzert der Kolpingsfamilie stand neben Musik auch Verantwortung im Mittelpunkt.

Wieder einmal fairstand es der Musikverein der Kolpingsfamilie Letmathe fairflixt gut, eine Fairanstaltung zu präsentieren, die es in sich hatte – dieses Mal mit dem Oberthema „Fair Trade (?)“.

In jedem Jahr wieder kann man gespannt sein, welchen Gag, welchen roten Faden, welches Thema sich das kreative Planungsteam um Daniel Aßmuth hat einfallen lassen, um die so vielfältigen musikalischen Beiträge des Jahreskonzerts zusammenzubinden und es nicht bei einer Aneinanderreihung von Stücken zu belassen, sondern dem Konzertverlauf eine Struktur, inhaltliche Inputs und Anregungen zu geben.

In diesem Jahr ging es über die rein unterhaltende Intention hinaus, sicher auch, um einmal die durchaus vorhandene gesellschaftliche Verantwortung eines solch großen Vereins deutlich zu machen. Der Begriff „Fair Trade“ beinhaltet, so kann man es der Einladung entnehmen, historische und aktuelle gesellschaftliche Themen wie fairer Handel, Arbeitsbedingungen in verschiedenen Kontinenten, bestimmte Produkte, die Weltwirtschaft und insbesondere, sozusagen Adolph Kolping folgend, ganz allgemein den fairen Umgang miteinander.

So gab es zu jedem Musikbeitrag von den Mitgliedern des Orchesters nicht nur viele Informationen und Hintergründe zum Nachdenken, sondern es wurden in der Pause und nach der Veranstaltung Faire-Trade-Produkte wie Kaffee oder Limonaden angeboten.

Die Musik stand selbstverständlich trotzdem im Mittelpunkt. Die MusikKids als jüngstes Orchester des Musikvereins (Leitung Verena Henkel und Katharina Gehrmann) stimmten das Auditorium zu Beginn mit einem weihnachtlichen Medley und einem bereits sehr kompakten Sound auf die bevorstehende Adventszeit ein. Dass sich eine musikalisch aufbauende langfristige Arbeit lohnt, bewies das Jugendorchester unter Leitung von Regina Dorn eindrucksvoll mit ihren beiden Beiträgen „Cheerleader“ und „Peanuts“. Zu „Peanuts“ hatten die Jugendlichen Assoziationen zum Thema Faire-Trade gesammelt, führten diese in einem kleinen Ratespiel zusammen und resümierten: „Wir stehen für Gemeinschaft und Fairness. Bei uns kann jeder mitmachen!“

Die Concertband zeigtsich in bester Verfassung

Die Concertband zeigte sich an diesem Abend in blendender Verfassung und ging gleich zu Beginn mit der Ouvertüre von Franz von Suppé zu „ Die schöne Galathée“ in die Vollen. Ein prächtiges Klangbild, aber auch das Vermögen, ruhigere Zwischenteile ausdrucksstark zu gestalten, konnten hier hervorragend zur Geltung gebracht werden. Auf einer musikalischen Reise rund um den Globus gaben weitere Stücke immer wieder Gelegenheit, Informationen über die Herkunftsländer, die dort oft anzutreffenden undemokratischen Strukturen, die Diskrepanz zwischen Arm und Reich, über Ungerechtigkeit oder Verfolgung und Ausbeutung zu präsentieren. Zu „Caffee Variations“ wurde die Ausbeutung der Arbeiter auf den Feldern, zu „Adai, Adai“ die diktatorischen Machenschaften im Sultanat Brunei angeprangert und das Medley „Bye, bye Spiritual“ zog den Bogen aus der Zeit der Sklaverei in den Südstaaten der USA bis hin zu Formen der modernen Sklavenhaltung.

Das bekannte „Africa“ von Toto schilderte nicht nur die schöne Landschaft dieses großen Kontinents, sondern gab auch Gelegenheit, auf das Kolping-Hilfsprojekt in Namibia hinzuweisen und um Spenden zu bitten.

Das ziemlich am Ende des Programms platzierte Medley mit Ausschnitten von „Blood, Sweat and Tears“ geriet musikalisch zum Höhepunkt des Abends: ein anspruchsvolles, sehr originelles Arrangement wurde von der Concertband mit viel Energie, sehr groovig, aber an entsprechenden Stellen auch einfühlsam, und insgesamt mit hoher rhythmischer Präzision wiedergegeben. Kompliment!

Am Schluss standen alle Beteiligten, sicher an die 100 Musiker unterschiedlichsten Alters, noch einmal zusammen auf der Bühne. Es hieße Eulen nach Athen (Letmathe) zu tragen, wiederholt auf die hier deutlich zu spürende hervorragende Gemeinschaft des Musikvereins der Kolpingfamilie einzugehen, welche die Basis für dessen musikalische, pädagogische und gesellschaftlich wertvolle Arbeit in Letmathe bildet. Die Standing Ovations am Schluss zeigten: Die Letmather wissen allzu gut, was sie an „ihrem“ Kolpingorchester haben.

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