Marienhospital

„Thema Klinik ist in Letmathe Geschichte“

Die Hoffnung stirbt zuletzt, sagt der Volksmund – und nun ist sie gestorben: Nach dem negativen Befund eines Gutachtens zu einer Übernahme durch die Stadt scheint das Aus des Marienhospitals sicher.

Die Hoffnung stirbt zuletzt, sagt der Volksmund – und nun ist sie gestorben: Nach dem negativen Befund eines Gutachtens zu einer Übernahme durch die Stadt scheint das Aus des Marienhospitals sicher.

Foto: Alexander Barth

Letmathe.  Nachdem der Stadt in einem Gutachten von der Übernahme des Marienhospitals abgeraten wird, sehen Politik und auch Mitarbeiter keine Chance mehr.

Die Hoffnung stirbt zuletzt, sagt der Volksmund – und nun ist sie gestorben: „Das Thema Klinik in Letmathe ist Geschichte“, sagt ein enttäuschter Michael Hillebrand, Sprecher der Belegschaft des Marienhospitals, das nach Plänen des Trägers Märkische Gesundheitsholding zum 31. Oktober schließen wird. Das Ergebnis des Gutachtens zu einer möglichen Übernahme des Marienhospitals durch die Stadt Iserlohn lasse schlicht keine andere Lösung zu. „Wir haben da auch Verständnis für die Stadt und die Parteien“, sagt Hillebrand, der die Gründe für die Schließung weiter beim Träger sieht, der das Krankenhaus über Jahre habe „ausbluten“ lassen (wir berichteten). Und der die Mitarbeiter im Regen stehen lasse. Keine Sozialpläne, keine Diskussion in einer Betriebsversammlung, Gespräche über die Zukunft seien zudem bislang nur mit etwa 50 Prozent der Belegschaft geführt worden – „viele wissen nicht, wo sie am 1. November arbeiten werden“, ärgert sich Hillebrand.

Enttäuschung bei Vertreternder Politik ist groß

Auch bei den Iserlohner Ratsfraktionen ist nach dem nun im Grunde feststehenden Ende des Marienhospitals die Enttäuschung groß. „Ich finde aber gut, dass das Gutachten und somit eine zweite Meinung nun vorliegt“, sagt FDP-Fraktionschef Detlef Köpke, und man nun zumindest alles versucht habe. „Eine Überraschung ist das Ergebnis leider aber nicht.“ Man müsse nun für die Zukunft schauen, was zu retten ist. Ein Medizinisches Versorgungs- oder ein Ausbildungszentrum – Optionen seien vorhanden, sagt Köpke, der außerdem seinen Respekt für die Mitarbeiter ausdrückt, die sich so lange und stark für die Rettung engagiert hatten.

Der SPD-Fraktionsvorsitzende Peter Leye zeigt sich enttäuscht vom Ergebnis des Gutachtens. Denn erste Gespräche mit Experten hätten eine gewisse Zuversicht ausgelöst, dass eine Übernahme durch die Stadt oder durch eine andere Organisation, die die Stadt dann unterstützt hätte, durchaus eine Perspektive gehabt hätten. „Nun sagt aber der Gutachter, dass ein wirtschaftlicher Betrieb nicht möglich sei“, so Leye. Man habe realistischerweise damit gerechnet, dass das Marienhospital in den ersten zwei bis drei Jahren ein negatives Ergebnis erwirtschaftet hätte. „Wenn der Gutachter nun aber sagt, dass er dauerhaft nicht mit einem wirtschaftlichen Betrieb rechnet, dann ist das so“, sagt Leye, natürlich habe man auf positivere Nachrichten gehofft. Die erste Option, also Übernahme und Weiterbetrieb, seien damit wohl vom Tisch. Nun, so Leye, müsse es darum gehen, andere, kleinere Lösungen zu finden, etwa in Form eines Ärztezentrums. „Da müssen wir am Ball bleiben.“ Von der Kritik am Umgang des Märkischen Kreises mit dem Thema Marienhospital möchte Leye aber nichts zurücknehmen. „Der Kreis hat da keine gute Rolle gespielt.“

Elke Olbrich-Tripp (Fraktionsvorsitzende Grüne) ist vom Ergebnis des Gutachtens nicht überrascht. „Wir haben von Anfang an gesagt, dass man den Mitarbeitern nicht zu große Hoffnungen machen sollte, wie es die SPD getan hat. Es ist nun wichtig, dass nach einer Nachfolgelösung gesucht wird.“ Hier gebe es allerdings ebenfalls Hürden. Ein Investor werde gesucht werden müssen, auch Personal, vornehmlich Ärzte, die schwer zu finden sind. „Man muss schauen, was valide zu machen wäre.“

CDU-Fraktionsvorsitzender Fabian Tigges sieht in der Kurzfristigkeit weiterhin das größte Problem. Der Kreis hätte in Sachen Marienhospital mehr Vorlauf geben müssen. Dann hätten alternative Möglichkeiten vielleicht eine Chance gehabt. Man sei noch dabei, das Gutachten genauer auszuwerten. Bislang sei man allerdings auf einige Passagen gestoßen, die nur bedingt nachvollziehbar seien. Tigges vermisst beispielsweise den Aspekt, dass das Land ja in Aussicht gestellt habe, Kliniken mit Spezialisierung stärker fördern zu wollen. Tigges nennt hier das Stichwort „Schmerzklinik“. „Gleichwohl nehmen wir das Gutachten natürlich ernst“, sagt Tigges. Nun müssten Alternativen für eine gute medizinische Versorgung in Letmathe entwickelt werden. Es müsse gefragt werden, wie auch ohne Krankenhaus eine bestmögliche medizinische Versorgung in Letmathe aussehen könnte. Ausdrücklich dankte Tigges den Mitarbeitern des Marienhospitals, die dem Haus bis jetzt die Treue gehalten hätten.

Der Vorsitzende der Blauen Fraktion, Alexander Langguth, zeigte sich vom Ergebnis des Gutachtens nicht überrascht. Man habe schon vorher große Zweifel daran geäußert, dass ein Weiterbetrieb durch die Stadt der richtige Weg sei. Der Betrieb eines Krankenhauses gehöre nicht zur Kernkompetenz einer Kommune, dazu komme die angespannte Haushaltslage. Auch sei der zeitliche Druck viel zu groß gewesen. Gleichwohl sei es richtig gewesen, dass sich die Stadtverwaltung intensiv mit der Zukunft des Marienhospitals beschäftigt habe. „Das war einen Versuch wert“, sagte Langguth. Für die Blaue Fraktion sei eine Übernahme des Marienhospitals durch die Stadt nun klar vom Tisch. Hier mache es keinen Sinn, den Leuten Sand in die Augen zu streuen.

Hans Immanuel Herbers, Fraktionsvorsitzender UWG-Piraten, sagt: „Ich bin enttäuscht, dass die Fortführung des Marienhospitals nun in weite Ferne gerückt zu sein scheint.“ Auf eine Aussage darüber, ob das Aus des Letmather Krankenhauses nun besiegelt ist, will sich Herbers noch nicht festlegen. Ebensowenig darauf, wie eine geeignete Nachfolgelösung am Standort aussehen könnte. „Fest steht aber, dass das Marienhospital mit System heruntergewirtschaftet wurde.“ Seine Fraktion müsse nun über die Inhalte des Gutachtens zunächst beraten, um dann Genaueres zum Inhalt und möglichen Schlussfolgerungen sagen zu können.

„Es ist das, was wir erwartet haben“, sagt Oliver Ruhnert, Fraktionschef der Linken, über das Gutachten. Das Hospital sei vorsätzlich vom Träger an die Wand gefahren worden. „Wir müssen nun als Rat schauen, dass wir die bestmögliche Versorgung für Letmathe am Standort finden.“ Klar sei, dass es eine Klinik in der bisherigen Form künftig nicht mehr geben werde. „Es wäre albern zu sagen, wir könnten das noch erhalten.“ Stattdessen solle man schauen, was zu erhalten sei – etwa die Dialyse – und was man neu schaffen könne.

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