Szene

Tattoo Convention – Suche nach der Einzigartigkeit

Bei den Castings auf der Bühne ging es auch um die persönlichen Vorlieben. Motive aus der Popkultur wie TV-Serien sind „in“.

Bei den Castings auf der Bühne ging es auch um die persönlichen Vorlieben. Motive aus der Popkultur wie TV-Serien sind „in“.

Foto: Alexander Barth / IKZ

Letmathe.  Im Mittelpunkt der Tattoo Convention stand für jeden das Gesamtkunstwerk des eigenen Körpers.

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Der Saalbau hat sich am Wochenende in einen Maskenball der besonderen Art verwandelt. Hier begegnen dem Besucher Kostümierte, die auffallen: Das Spektrum reicht von farbenfroh über extravagant, düster und martialisch bis hin zu blutrünstig. Im Vorfeld des beliebten amerikanischen Kulturexports Halloween überrascht das nicht allzu sehr – der Clou ist ein anderer: Der wichtigste Teil der Verkleidung ist gar keiner.

Das erste Tattoo war ein Sinnspruch zur Freundschaft

Bei der „2. Internationalen Tattoo Convention Iserlohn“ ist die Haut die Leinwand, und auch wenn hier teilweise Theaterschminke zum Einsatz kommt, geht es im Kern um die Farbe, die unter der Haut liegt. Dort hin wird sie mit Nadeln gespritzt und bleibt ein Leben lang. Die 28-jährige Jacqueline Kistna aus Karlsruhe erhält gerade ein neues Motiv, einen arabischen Schriftzug. „Palästina“, übersetzt sie, während sie ihren Unterarm mit der Handfläche nach oben auf der Tätowierbank ausgestreckt hält.

Während die Künstlerin arbeitet, verzieht die Rothaarige das Gesicht, der Bereich am Puls ist sensibler als andere. „Das tut weh“, bestätigt sie. Im Vergleich zu anderen ist sie ein Neuling in der Szene, erst vor zwei Jahren hat sie sich ihr erstes Tattoo stechen lassen, einen Sinnspruch über die Freundschaft, eingerahmt von stilisierten Blüten, auf den linken Oberarm. „Mein Freund ist Tätowierer, der hat mich darauf gebracht“, erklärt sie.

Für die damals 26-Jährige war das keine Selbstverständlichkeit, denn eigentlich hasst sie Nadeln: „Vor Spritzen hatte ich Angst, es hat einiges an Überwindung gekostet.“ Und heute? „Immer noch“, gesteht sie und strahlt trotzdem, als ihr neues Motiv, noch unter Klarsichtfolie verpackt, ihr Handgelenk ziert. „Das Ergebnis ist so wunderbar, das ist es auf jeden Fall wert“, versichert sie. Besonders stolz ist sie auf ein knallbuntes Porträt von „Joker“, der psychopathische Erzfeind von Batman. Die Comics habe sie als Jugendliche verschlungen und den Bösewicht stets reizvoller gefunden als den Rächer im Fledermauskostüm, sagt sie zur Begründung.

Kunst und Handwerk gibt es auch bei Tätowierern

Für sie persönlich ist besonders wichtig, dass ihre Tattoos einzigartig sind. „Dass ich jemandem begegne, der genau das gleiche Motiv hat, ist unmöglich. Die Vorlage für den Joker zum Beispiel gab es nur einmal und als das Tattoo fertig war, ist es sofort verändert worden“, erklärt Jacqueline. Wert und Güte der Körperkunst sind breit gespannt, wie sich auch dem Nicht-Szenekenner beim Betrachten erschließt. „So etwas kann jeder stechen“, sagt sie und zeigt eine briefmarkengroße Darstellung der Comicfigur „Snoopy“ auf ihrem Unterarm, im Wesentlichen eine einfarbige Strichzeichnung. Motive wie ihr Joker seien echte Kunst: „Für so etwas fahren viele weit weg, auch ins Ausland.“

Die Tattoo Convention im Saalbau ist ihrerseits ein Magnet für Teile der Szene, die Heimatorte der Besucher liegen in der Republik verstreut. Veranstalterin Nicole Schattling vom Studio Doncaster Ink zieht am Sonntag erste Bilanz: „Es hätten mehr Besucher sein können, aber sonst ist alles wirklich super!“

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