Marienhospital

Marienhospital Letmathe: Entrüstung nach Rede des Gutachters

Der beauftragte Gutachter Prof. Bernd H. Mühlbauer stellt im voll besetzten Ratssaal seine Ergebnisse vor.

Der beauftragte Gutachter Prof. Bernd H. Mühlbauer stellt im voll besetzten Ratssaal seine Ergebnisse vor.

Foto: Michael May / IKZ

Letmathe/Iserlohn.  Mit dem Gutachten zum Marienhospital zeigten sich die Ratsfraktionen unzufrieden, folgten der Empfehlung aber einstimmig – die Stadt muss sparen.

Die Stadt wird das Marienhospital nicht übernehmen. Das hat der Rat auf seiner Sitzung am Dienstag einstimmig beschlossen und folgt damit der Empfehlung des Gutachters Prof. Bernd H. Mühlbauer, auf dessen Präsentation Vertreter aller Ratsfraktionen mit teils heftiger Kritik reagierten. Stattdessen soll die Verwaltung Konzeptansätze entwickeln für die „Nutzung des Areals zur Sicherung und Weiterentwicklung der Gesundheitsversorgung in Letmathe“. Auf einen Antrag der Fraktion Die Linke hin wurde der Beschlussvorschlag um die Formulierung ergänzt, dass sich der Rat auch für eine solche Nutzung ausspricht. Erste Ergebnisse sollen auf der nächsten Sitzung des Arbeitskreises Gesundheit vorgestellt werden.

Gutachter im Kreuzfeuer der Iserlohner Ratsfraktionen

In Abwesenheit von Thorsten Schick leitete Michael Scheffler als zweiter Vizebürgermeister die Sitzung und schloss sich der allgemeinen Vorwurfshaltung gegenüber dem Kreis und der Märkischen Gesundheitsholding an, die das Marienhospital „als Steinbruch genutzt“ und „Personal weggelockt“ hätten. Der Groll der Ratsfraktionen hingegen richtete sich auch gegen den Gutachter: Dieser habe die Schmerzklinik als Alleinstellungsmerkmal unterschlagen (Peter Leye, SPD) und erkläre nicht, wie das Krankenhaus in nur einem Jahr in die roten Zahlen rutschen konnte (Matthias Winkler, CDU). Oliver Ruhnert (Die Linke) ätzte, für ein einfaches Gegenrechnen von Einnahmen und Ausgaben hätte es keines Gutachtens bedurft. Hans-Immanuel Herbers (UWG/Piraten) beanstandete zu viele „allgemeine Aussagen“ und eine reine „Betrachtung der Papierform, wie sie der Träger vorgelegt hat“ – dafür habe die Verwaltung zu viel Geld ausgegeben. Harald Eufinger (Die Grünen) betonte, gebraucht würde eigentlich eine fundierte Marktanalyse. Einigkeit, auch auf Seite der FDP-Fraktion (Detlef Köpke) bestand darin, dass das Gutachten als Hilfestellung für Zukunftsperspektiven unter den Erwartungen bleibe.

Gutachter Bernd Mühlbauer sah sich einem regelrechten Kreuzfeuer ausgesetzt: Seine Ergebnisse seien nicht belastbar, aus „Textbausteinen zusammengesetzt“ oder gar von der Geschäftsführung der Gesundheitsholding diktiert. Besonders sauer stieß Karsten Meininghaus (CDU) die im Gutachten geäußerte Einschätzung auf, die Empfehlung des Aufsichtsrates zur Schließung zeuge von Mut und Weitsicht. Das sei „eine Unglaublichkeit“ und wirke „wie eingefügt von jemand anderem, damit wir hier als Stadt blöd dastehen.“

Grüne warnen vor Populismus und falschen Behauptungen

Der Professor verteidigte seine Arbeit, die er „nach bestem Wissen und Gewissen“ angefertigt habe. Der Träger habe ihm alle erforderlichen Informationen zur Verfügung gestellt, auch solche, die nicht veröffentlich werden dürften. Diese habe er „im Detail“ und mit Blick auf die spezielle Situation des Marienhospitals ausgewertet, alle seine Ergebnisse seien mit harten Daten und Fakten belegbar: „Dafür stehe ich ein, das können Sie gern überprüfen.“

Elke Olbrich-Tripp (Die Grünen) stemmte sich als einziges Ratsmitglied gegen den Strom: Die Darstellung, der Kreis habe sich gegenüber der Iserlohner Verwaltung nur quergestellt, kritisierte sie als realitätsfern und „unredlich“, die wiederholten Angriffe gegen Personen wie Landrat Thomas Gemke und Dr. Thorsten Kehe prangerte sie als „populistisch“ an. Tatsächlich sehe sie niemanden, der die erforderlichen Millionen für einen Weiterbetrieb der Klinik in die Hand nehmen wolle. Kämmerer Michael Wojtek hatte im vorangegangenen Tagesordnungspunkt die „sehr angespannte Haushaltslage“ referiert und klargestellt, dass mit politischen Wohltaten derzeit nicht zu rechnen sei.

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